Metallica liefert bei Rock im Revier feinstes Metal-Material

Gut zwei Stunden stand Frontmann James Hetfield (li.) mit Metallica auf der Big Stage, der Festivalbühne in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen.
Gut zwei Stunden stand Frontmann James Hetfield (li.) mit Metallica auf der Big Stage, der Festivalbühne in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen.
Foto: Funke Foto Serviced
Was wir bereits wissen
In der Arena ist Rock im Revier am Premierentag erst spät richtig in Bewegung gekommen – mit Metallica. Gut 30-000 Besucher verfolgten das Konzert.

Gelsenkirchen.. Es sind ja manchmal die kleinen Dinge, die einem auf großes Format getrimmten Abend noch eine intime Wendung geben. Freitag, kurz vor 23 Uhr in der Veltins-Arena: „Nothing Else Matters“, die Metallica-Hymne schlechthin, ist kurz zuvor verklungen, Feuerzeuge und Handy-Lampen sind wieder verloschen, da kniet James Hetfield auf der großen Bühne, der Big-Stage am Kopf der Arena, und rückt sein Plektron ins Visier des Bühnen-Kameramannes. Der braucht etwas Zeit, bis er an seiner Kamera die Schärfe auf den Punkt gebracht hat. Dann ist auf den riesigen Videoleinwänden rechts und links zu sehen, was da winzig auf dem Plastik steht: „Got Riff“. Hetfield dreht das Plättchen um, „Metallica 2015“ steht auf d er Rückseite. Jubel der gut 30 000 in der Arena vor einem fulminanten Übergang in die Schlussnummern. „Enter Sandman“ legt Metallica nach, bis das Licht in der Halle angeht.

„Riff“ hat sich der Frontmann der Hartmetaller auch auf die Finger der rechten Hand tätowieren lassen. Und es sind ja diese knalligen, kurzen Gitarren-Motive mit hohem Wiedererkennungswert, die gleich die Fäuste in die Luft und die Menge (zumindest auf den ersten 40 Metern vor der Bühne) schwer in Bewegung bringt an einem Abend, der einen langen Vorlauf hatte.

Stimmungsaufheller im tageslichthellen Schalker Fußball-Tempel

Mittags um 13 Uhr wird Freitag Rock im Revier in und an der Veltins-Arena eröffnet. 63 Bands auf drei Bühnen geben sich hier bis Sonntagabend die Stromgitarren in die Hand. Muse und Limb Bizkit sind Samstag die Zugnummern, Sonntag legen Airbourne, Turbonegro, Judas Priest und Kiss nach.

Am Premierentag füllt sich das Gelände langsam. Hatebreed, Testament oder Within Temptation blicken von der Arena-Bühne noch in eine weite und früh sehr leere Halle. Selbst ein paar tausend Zuhörer sehen eben im tageslichthellen Schalker Fußball-Tempel arg überschaubar aus.

Bei Faith No More schaut’s am frühen Abend schon besser aus. Doch auch Mike Patton, Jon Hudson und Co., seit 2014 wieder verstärkt auf den Bühnen der Welt unterwegs, tun sich noch schwer gegen die leicht lethargische Hallen-Stimmung. Nach ellenlanger Studio-Album-Pause gibt’s seit Mai „Sol Invictus“ und die ganze Bandbreite von Funk bis Metal. Nicht nur musikalisch pflegt Faith No More unter den Metallern stilistische Extravaganz, auch optisch ist das in der Arena unübersehbar – Schwarz trägt die Menge vor dem Graben bevorzugt, weiß gekleidet sind die Herren auf der Bühne. Ihr Umfeld: ein Blütenmeer, als wär’s ein Deko-Stück aus einem Ibsen-Sommernachtsdrama.

Hintergrund-Fanchor direkt auf der Bühne hinter Schlagmann Lars Ulrich

Das endet auf den Punkt um 19.45 Uhr. Der Run auf die besten Plätze vor der Big-Stage beginnt, doch Mega-Geschiebe bleibt aus. „Atemlos“ stimmt ein Witzbold irgendwo auf der Tribüne an. Falsch, Helene Fischer füllt die Arena erst in wenigen Wochen. Auf der Bühne baut sich derweil ein besonderer Hintergrund-Fanchor auf. Eine stattliche Zahl Frauen und Männer darf Metallica hautnah verfolgen und Schlagmann Lars Ulrich auf kürzeste Distanz bei der schweißtreibenden Handarbeit an seinem Tama-Schlagzeug zusehen.

Die beginnt nach einem Kracher zum Einstieg und einer filmisch-musikalischen Hommage an Ennio Morricone. Und während noch Halunke Tuco über ein Gräberfeld irrt, geht die Band in Position, um mit „Fuel“ loszuschmettern.

Gut zwei Konzertstunden später haben die über 30 000 in der Arena so ziemlich alles gehört, was von Metallica aus gut 30 Jahren Bandgeschichte zu erwarten war: „Master of Puppets“, eine Live-Rarität wie „The Unforgiven II“, einen Festival-Kracher wie „Lords of Summer“ – und natürlich gründliche Schwermetall-Arbeit im Zeichen der guten Unterhaltung. Hetfield, in Kutte über dem kurzen Shirt und mit freier Sicht auf die schwer tätowierten Arme, zeigt sich bestens bei Stimme, grinst ab und an launig und gibt der Menge seine fettesten Song-Lacher.

Da die Soundmixer auch noch einen recht guten Job erledigen, knallen Ulrichs Schlagzeug-Peitschenhiebe trocken durch die Arena, zünden Kirk Hammets Gitarrensoli, hämmern Robert Trujillos Bassläufe im Krebsgang funkig ins Riesenrund.

„You’re beautiful, Gelsenkirchen“, bekennt James Hetfield zwischendurch mal. Ansonsten hält sich der Metallica-Frontmann weniger mit Ansagen auf und lässt die Musik für sich sprechen – bis am Ende schwarze Bälle von der Arena-Decke taumeln, als Spielzeug für die Massen und Metallica zum Mitnehmen.