Mehr Menschen sind in Gelsenkirchen verunglückt

Polizeioberrat Jürgen Schlöhlein, Leiter der Direktion Verkehr, stellte die Zahlen der Verkehrsunfallentwicklung 2014 vor.
Polizeioberrat Jürgen Schlöhlein, Leiter der Direktion Verkehr, stellte die Zahlen der Verkehrsunfallentwicklung 2014 vor.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Sechs Tote, 163 Schwerverletzte und 951 Verunglückte seien definitiv zu viel. Mit diesen Zahlen liegt Gelsenkirchen über dem Landestrend. Aber auch landesweit hat die Zahl der Verunglückten, leider auch der Verkehrstoten, zugenommen. Dabei ist der Anstieg der Schwerverletzten um 25 Prozent besonders auffällig.

Gelsenkirchen.. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in 2014 in Gelsenkirchen ist gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent gestiegen. Die Unfälle mit Personenschäden nahmen um 8,1 Prozent zu, und die Zahl der Schwerverletzten stieg gar um 25,4 Prozent. Die Zahl der Verkehrstoten verdoppelte sich.

Die Daten- und Faktenlage ist für Polizeipräsidentin Anne Hesselhaus-Schröer und Jürgen Schlöhlein, Leiter der Direktion Verkehr, bei der Vorstellung der Verkehrsunfallentwicklung 2014 kein Grund zum Jubeln. „Die Erwartung, dass sich die positive Entwicklung von 2012 fortsetzt, wurde leider nicht erfüllt“, kommentierte die Polizeipräsidentin die Zahlen. Sechs Tote, 163 Schwerverletzte und 951 Verunglückte seien definitiv zu viel. Mit diesen Zahlen liegt Gelsenkirchen über dem Landestrend. Landesweit stieg die Zahl der Verkehrsunfälle um 0,8 Prozent, der Verunglückten um 5,6 Prozent, der Schwerverletzten um 10,3 Prozent, der Verkehrstoten um 6,3 Prozent.

Positiv ist die Unfallstatistik bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre). Die Klientel also, „die uns den meisten Kummer macht“, so Schlöhlein. Nicht so im Jahr 2014. Die Zahl der Verunglückten sank gegenüber dem Vorjahr um zehn (6,1 Prozent) auf 154. Ein Ausreißer ist die Zunahme der verunglückten motorisierten Zweiradfahrer: Sie stieg von elf auf 19 (72,7 Prozent).

Senioren werden zum Sorgenkind

Zum Sorgenkind werden die Senioren (65 Jahre und älter), die immer mobiler werden. Elektroscooter, E-Bikes und Pedelecs bezeichnet Schlöhlein „als Segen und Fluch“. 111 Senioren verunglückten 2014 im Stadtgebiet (2013: 84). Zwei wurden im Straßenverkehr getötet: eine Fußgängerin (88), die vom Gehweg der Schemannstraße auf die Fahrbahn lief und ein Mofafahrer (80), der vom Seitenstreifen der Münsterstraße auf die Fahrbahn wechselte.

Wermutstropfen für die Ordnungshüter: Von 8924 Verkehrsunfällen entfernten sich 1839 Verursacher unerlaubt vom Unfallort. 41,4 Prozent der Fälle konnte die Polizei aufklären (NRW: 46,1 Prozent).

Die Kreuzungen Kurt-Schumacher-Str./Emil-Zimmermann-Allee sowie Kurt-Schumacher-Str./Alfred-Zingler-Str./Uferstr. gehören zu den Unfallschwerpunkten.

Hauptunfallursache bleibt überhöhte Geschwindigkeit, aber das Telefonieren während der Fahrt führt zunehmend zu Unfällen. Drei Prozent aller Autofahrer telefonieren ordnungswidrig. Schöhlein kündigte für die Zukunft verstärkte Geschwindigkeitskontrollen an: „Wir werden den Einsatz von Laser, Radar und Lichtschrankenmessungen erhöhen.“

Weniger Kinder verunglückt

Die positive Nachricht: In Gelsenkirchen sind im vergangenen Jahr weniger Kinder (unter 15 Jahre) verunglückt als im Jahr zuvor. Da sind die Zahlen gegenläufig zum Landestrend. 2014 wurden 85 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt, 2013 waren es 97. Als Fußgänger verunglückten 32 Kinder (2013: 43). Die Zahl der verunglückten Kinder, die mit dem fahrrad unterwegs waren, sank auf 15. Im Jahr zuvor waren es 32. Polizeioberrat Jürgen Schlöhlein führt die sinkenden Zahlen auf die präventive Arbeit der Polizei mit Puppenbühne, in Schulen und mit Gelsensport zurück. Auffallend: Die verunglückten Kinder kommen vermehrt aus Migrantenfamilien.

„Inzwischen ist die größte Gefahrenquelle für Kinder das Ein- und Ausladeverhalten der Eltern an den Schulen“, kritisierte Schlöhlein das Verhalten mancher Eltern. Kinder gingen nicht mehr zu Fuß, sondern würden von ihren Eltern zur Schule gebracht – morgen, in Hektik und Eile. Die Polizei ruft darum die Eltern auf, sich mit dem Thema Kinder im Straßenverkehr auseinanderzusetzen.