Medicos auf Schalke vertieft Kooperation mit Gesamtschule

Medicos auf Schalke kooperiert mit der benachbarten Gesamtschule Berger Feld und führt Gesundheits- und Leistungsdiagnostiken für Sportschüler durch. Hier zu sehen: Ruderer Alexander Nüßen mit der Sportwissenschaftlerin Anne Liening-Ewert bei der Spiroergometrie am Ergometer zur Leistungsmessung.
Medicos auf Schalke kooperiert mit der benachbarten Gesamtschule Berger Feld und führt Gesundheits- und Leistungsdiagnostiken für Sportschüler durch. Hier zu sehen: Ruderer Alexander Nüßen mit der Sportwissenschaftlerin Anne Liening-Ewert bei der Spiroergometrie am Ergometer zur Leistungsmessung.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Leistungssportschüler der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen werden vom Reha-Spezialisten leistungsdiagnostisch begleitet.

Gelsenkirchen.. Warum in die Ferne blicken, wenn das Gute doch so nah ist? Das haben sich auch Schulleiter Georg Altenkamp und Nicolaus P. Hüssen, Geschäftsführer von Medicos auf Schalke gedacht. Und gehandelt. Die Gesamtschule Berger Feld und der Reha-Spezialist verzahnen ihre Kooperation noch enger. So wie die Eliteschule des Fußballs Talente anzieht, so begleiten die Experten von Medicos intensiv die Hoffnungsträger. Alle rund 100 Sportschüler des Jahrgangs sechs werden internistisch und orthopädisch durch Medicos untersucht. Zudem werden jetzt ausgewählte Leistungssportschüler verschiedener Altersstufen über die weitere Schullaufbahn leistungsdiagnostisch begleitet.

Effektiv steuern und begleiten

„Wir wollen jedoch keine Hochleistungssportler züchten, wie es früher auch mal in Deutschland angesagt war“, betonen Dr. Ulrich Vieregge, der ärztliche Direktor für ambulante und orthopädische Rehabilitation am Medicos und Schulleiter Georg Altenkamp unisono. „Wir bieten vielmehr unsere Kompetenz und Beratung an und helfen mit bei der Entscheidung, welche Sportart für welchen Schüler geeignet ist“, so Vieregge weiter. Heißt: Leistungs- und Gesundheitsdaten, die die Experten einmal (bei Bedarf öfter) im Jahr erheben, helfen dabei, die individuelle Förderung und die Leistungsentwicklung effektiver zu begleiten und zu steuern – etwa, wenn Wachstumsproblematiken erkannt und behoben werden durch angepasstes Training.

Die Untersuchungen – vom Lungenfunktionstest bis hin zum Belastungs-EKG – kosten 80 bis 100 Euro pro Schüler, das Geld dafür kommt vom NRW-Schulministerium.

Das Förder- und Beratungssystem beider Partner ist allerdings nicht starr, sondern flexibel und durchlässig. Ein Handicap muss also nicht gleich das Aus bedeuten. Zu sehen beispielsweise an Alexander Nüßen. Der 16-jährige ist als Seiteneinsteiger im Jahrgang acht zum Berger Feld gekommen.

Chance auch für Quereinsteiger

„Nach neun Jahren Leichtathletik hat das Knie Ärger gemacht, zudem kam noch ein Wachstumsschub dazu. Da bin ich auf Empfehlung zu den Ruderern gegangen“, erzählt Alexander, der aktuell sechsmal mal die Woche zum Rudertraining des RV Gelsenkirchen geht und darüber hinaus dreimal die Woche im Vormittagsbereich an der Schule ackert. „Hier am Medicos habe ich mich beraten lassen, wie viel ich abnehmen kann, ohne an wichtiger Muskelmasse zu verlieren“, nennt er ein Beispiel aus seinem schweißtreibenden Sportalltag. Ergebnis: „Ich habe da sogar noch einige Kilos drauf gepackt über den Winter, Muckis, kein Hüftspeck wohlgemerkt“, sagt der 16-Jährige und lächelt stolz.

Alexanders Vereinstrainer ist übrigens Jochen Wittor, gleichzeitig auch Lehrer und Trainer an der Gesamtschule Berger Feld, der als erfahrener Rudertrainer bereits Athleten zu Olympischen Spielen und WM-Titeln verholfen hat.

Ab Klasse sieben beginnt dann die Talentförderung

Genau das ist die Leitlinie der Gesamtschule. Die NRW Sportschule mit dem Fokus Fußball zieht ab den Klassen fünf und sechs Leistungssportler an, ab Klasse sieben beginnt dann die Talentförderung. Das Scouting führt nicht ganz ungewollt auch dazu, dass Jugendliche anderer Schulen an- bzw. abgeworben werden, weil sie an der Gesamtschule in Erle bessere Bedingungen finden. Oder die Trainer zugleich auch Lehrer sind. Da wären etwa Kevin Kisyna, ehemals Schalker Spieler und heute Sport- und Biologielehrer, oder etwa Jan Letailleur, „Mathepauker“ und Kapitän der Schalker Basketballer. Die zentrale Lage und Nähe zu den Sportstätten ist ebenso ein Faustpfand wie der Unterricht. Fünf reguläre Sportstunden werden durch Extraschichten für die Besten ergänzt. So jagen die Fußballer wöchentlich einmal auf dem Schalker Vereinsgelände dem Ball hinterher, ganz nah am Ziel ihrer Träume, der Arena. Ruderer wie Alexander legen sich währenddessen quasi nebenan in die Riemen.

So wie Alexander ergeht es derzeit auch Phillipp Pakosch (16). Auch das Golftalent stieß in seinem achten Schuljahr zum Berger Feld, er ist Dritter der polnischen Jugendmeisterschaften U16 geworden und hat soeben eine Einladung in das Polish National Junior Team erhalten, um Polen bei dem Internationalen Jugendgolfturnier „European Olympic Hopes Trophy“ zu vertreten. Pakosch trainiert beinahe täglich in Resse auf dem Rasen von „Haus Leythe“.

Aufwändige Talentsichtung

Die Gesamtschule Berger Feld hat neben dem Titel der Eliteschule des Fußballs auf Grund der umfassenden Kooperation mit dem FC Schalke 04 im Jahr 2012 auch den Titel NRW-Sportschule durch das Familien- und Sportministerium erhalten. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen und gleichzeitig auch die Verpflichtung eingegangen, motorisch besonders talentierte Kinder und Jugendliche sowohl im Sportunterricht als auch in Talentsichtungsgruppen, Talenttrainingsgruppen sowie im Vormittagstraining individuell zu fördern.

Das macht eine aufwändige Talentsichtung erforderlich, die bereits im Jahrgang fünf und sechs im fünfstündigen Sportunterricht der sechs Sportklassen startet. Die Gesamtschule kooperiert dabei mit den umliegenden Vereinen in den Sportarten BMX, Golf, Rudern, Basketball, Judo, Fußball, Leichtathletik und Tanz.

Darüber hinaus wird Schülern, die sich dem Leistungssport verschrieben haben sowie auch „Seiteneinsteigern“ ab dem Jahrgang sieben neben dem bestmöglichen Schulabschluss eine Talentförderung geboten, die die sportliche Weiterentwicklung in den Sportvereinen bis in den Spitzensport auf schulischer Ebene unterstützt. Kurz gesagt: Es gibt Extrasportschichten für junge Könner.

Lehrgang in den Osterferien

Eines dieser Talente ist auch Dominique Löchtermann, zwölf Jahre alt aus dem Jahrgang sieben. Löchtermann wurde während einer Sichtung im Jahrgang fünf als ein BMX-Talent erkannt. Ihm wurde angeraten, in den Radsportclub RC Buer Westerholt einzutreten. Mittlerweile fährt er BMX-Rennen, trainiert in Schule und Verein fünf mal pro Woche und gilt als Hoffnungsträger auf NRW-Ebene. „Durch die Schule bin ich erst zum BMX-Sport gekommen“, erzählt der Schüler. Das hat so viel Spaß gemacht, dass er dabei geblieben ist. In den Osterferien nimmt er an einem Lehrgang teil.