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Mc Kirche? Nein Danke

11.06.2008 | 20:16 Uhr

Superintendent Rüdiger Höcker sieht große Herausforderungen auf die Ev. Kirche zukommen. Mitgliederschwund gehört dazu. Und die Frage, wie man sich zu den aggressiver werdenden Mechanismen des freien Marktes verhält

Der Glaube an Gott wird ersetzt durch den Glauben an den Markt, sagt Rüdiger Höcker. Foto: WAZ-Archiv, Martin Möller

Wie kann die Ev. Kirche auf die drängenden Fragen der Zeit reagieren? Aus Anlass der Kreissynode am vergangenen Montag sprach Tina Bucek mit Superintendent Rüdiger Höcker.

Herr Höcker, was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen, die auf Kirche zukommen?

Höcker: Die größte Veränderung, die uns ins Haus steht, ist der demografische Wandel. Da sind wir mit der gleichen Situation konfrontiert wie die Städte und Gemeinden. Die Bevölkerung nimmt ab und wird immer älter. Die Bedürfnisse ändern sich, und vor allem: Die Menschen, auch die Mitglieder der evangelischen Kirche, werden immer weniger. Das heißt für uns, dass wir mit weniger Kirchensteuern rechnen müssen, dass wir sehen müssen, wie wir welche Angebote weiter vorhalten können, auch wie wir es schaffen, dass Gemeinden noch mehr zusammenarbeiten. Dieser Prozess ist in Gelsenkirchen zurzeit voll im Gange.

Inwiefern?

Höcker: Presbyterien überlegen sich, wie sie Kräfte bündeln können, Aktionen und Projekte gemeinsam durchführen, an bestimmte Dinge als Team herangehen können. Und obwohl auch bei uns Kirchen schließen und Strukturen sich verändern: Das alles läuft sehr demokratisch und unter Einbeziehung der Gemeindevertretungen ab. Deswegen gibt es auch wenig Widerstand und Proteste.

Also keine Kirchenaustritte?

Höcker: Kirchenaustritte sind nicht das Problem. Für jeden, der aus der Kirche austritt, tritt zurzeit mindestens einer wieder ein. Die Tendenz ist positiv. Dennoch können wir nicht verhindern, dass die Menschen insgesamt weniger werden. Jede Frau in Deutschland bekommt im Schnitt 1,3 Kinder. Nur bei den Familien mit Migrationshintergrund ist das anders, und das sind traditionell keine Mitglieder der evangelischen Kirche.

Wo wollen Sie in einer Stadt wie Gelsenkirchen sparen, die die sozialen Angebote der Kirchen dringend benötigt?

Höcker: Das ist eine ganz schwierige Frage. Das hängt auch ganz massiv davon ab, wie wir als Gesellschaft auf die immer aggressiver werdenden Mechanismen des freien Marktes reagieren. Unsere sozialen Angebote wie etwa die Diakonie sind ja zum großen Teil über öffentliche Mittel refinanziert, da hängt es nicht nur von der Kirchensteuerentwicklung ab. Da muss sich ein Staat entscheiden, ob und wo er sich sozial engagieren will.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Höcker: Ich sage nur das Stichwort "Mc Pflege". Die Tatsache, dass wir diesen ganzen Bereich größtenteils dem freien Markt überlassen haben, führt dazu, dass die Leistungen auch nur noch nach den Kriterien der Rentabilität funktionieren. Überlegen Sie mal, das würde mit Kindergärten, Altenheimen oder sonstigen Einrichtungen passieren. . . Der Wunsch nach weniger Staat, wie er zurzeit vielerorts ausgesprochen wird, führt dann genau zu diesen Strukturen, in denen das Soziale hinten runter fällt.

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Kommentare
12.06.2008
09:06
Mc Kirche? Nein Danke
von Joachim Sombetzki | #1

Guten Morgen, Kirche! Auch schon wach!? Was Kirche alles an Entwicklung verschläft, macht Hr. Höcker deutlich, indem er auf die Kriterien der Rentabilität verweist: Überlegen Sie mal, Hr. Höcker, Altenheime und sonstige Einrichtungen (Krankenhäuser) funktionieren heute nur noch nach diesen Kriterien der Rentabilität, mit den Mitteln von Effektivität und Effizienz. Mit dem Persönlichen Budget wurde dieser Marktmechanismus Anfang 2008 auch in der REHA eingeführt. Richtig ist: Dabei fällt das Soziale hinten runter.

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