Marihuana-Geruch führte Polizei zur Haschplantage

Kräftige Cannabispflanzen, wie hier in einer Plantage in Israel, hatte der Gelsenkirchener herangezogen.
Kräftige Cannabispflanzen, wie hier in einer Plantage in Israel, hatte der Gelsenkirchener herangezogen.
Foto: dpa
Leichtes Spiel hatte die Polizei, als sie eine Wohnung kontrollieren wollte und Marihuana-Geruch sie empfing. Jetzt stand der Mieter vor Gericht.

Gelsenkirchen.. 49 Jahre alt ist er, ein hagerer Typ mit langen Haaren und Bart. Ohne Umschweife räumt der Alt-Junkie ein, was ohnehin nicht zu bestreiten ist. Denn wer sonst als er sollte in seinem Schlafzimmer 54 Cannabis-Pflanzen angebaut haben?

Aber als knallharter Dealer will er sich vor der VI. Essener Strafkammer nicht verstanden wissen. Er konsumiere das Rauschgift aus medizinischen Gründen, um seine chronische Depression einzudämmen: „Cannabis ist das einzige Mittel, dass ich am Leben teilhaben kann.“ Mit der Plantage in seiner Schalker Wohnung hätte er die Sicherheit, sauberen Stoff zu ernten: „Was einem die Verkäufer sonst so an verunreinigtem Zeug anbieten.“

Polizisten wurden schnell fündig

Morgens um neun Uhr hatte die Polizei am 2. April vergangenen Jahres an seiner Wohnungstür im Dachgeschoss geklingelt. Sie hatte einen Tipp bekommen und Gewissheit erhalten, als sie ein leichter Marihuanageruch vor seiner Tür empfing. Ohne großen Widerstand ließ er die Beamten hinein.

Drinnen wurden sie schnell fündig, auch wenn die Wohnung „sehr dunkel“ war. Schnell entdeckten sie Messer, Flitzebogen und eine Schusswaffe, im Nebenraum die Plantage. Der Drogenfahnder: „Das ging alles über eine Kabeltrommel und war kriminell installiert. Wir gingen nicht dran aus Angst vor einem Stromschlag.“ Rund ein Kilo Marihuana ergab die spätere Ernte der Pflanze. Was den Polizisten ein wenig irritierte: „Ich hatte ihn in einem Sessel platziert. Und da fanden wir später eine scharfe Schusswaffe, durchgeladen.“

Mit Hartz-IV allein konnte er seine Kosten nicht decken

Der Angeklagte antwortet bereitwillig auf Fragen von Richter Lukas Hempel. Die Waffen hätte er gar nicht als so wichtig eingestuft. Denn sein Vater, ein Bergmann, sei im Schützenverein gewesen, und so hätten Waffen immer zu seinem Leben gehört. Die Plantage sei hauptsächlich zu seinem Eigenkonsum gewesen. Aber natürlich hätte er auch was zu sieben bis zehn Euro pro Gramm an Kunden verkauft. Er begründet den Verkauf mit hohen Kosten: „Allein die Stromrechnung hat wegen Heizung und Beleuchtung pro Monat 390 Euro Abschlag für Strom gekostet. Da kam ich mit meinen 340 Euro Hartz-IV ja nicht hin.“

Der Prozess soll am kommenden Dienstag mit Plädoyers und Urteil fortgesetzt werden.

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