Mann will 20-Meter-Eiche fällen und löst Großeinsatz aus

Eine Fachfirma kümmert sich nun um die Eiche.
Eine Fachfirma kümmert sich nun um die Eiche.
Foto: Joachim Kleine-Büning/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Versuch, eine 20 Meter hohe Eiche im Garten eines Einfamilienhauses zu fällen, löste einen Großeinsatz der Feuerwehr in Gelsenkirchen-Resse aus.

Gelsenkirchen.. Eine missglückte Baumfällaktion rief am Mittwochabend die Gelsenkirchener Feuerwehr auf den Plan: In der Resser Mark drohte eine jahrhundertalte Eiche auf gleich vier Wohnhäuser zu fallen. Neun Personen mussten evakuiert werden.

Dabei ist es in der kleinen Dülmener Straße sonst ganz ruhig – man hört die Vögel zwitschern, die sich im angrenzenden Waldstück eingenistet haben. Doch am Mittwochabend wurde diese Ruhe jäh gestört. Da rückte nämlich die Feuerwehr an, mit Blaulicht und gleich sechs Einsatzwagen inklusive Krankenwagen.

Baum neigte in Richtung Wohnhäuser

Aber nicht etwa wegen eines Brandes, sondern wegen einer missglückten Fällaktion: „Ein Mann hatte im Garten eines Einfamilienhauses versucht, eine circa 20 Meter hohe Eiche mit einem Stammdurchmesser von etwa einem Meter zu fällen. Mit einer Kettensäge hatte er zunächst einen Keil und weitere Trennschnitte in den Baum gesägt. Mit einem Kettenzug hatte er zudem versucht, den Baum in eine gewünschte Fallrichtung zu ziehen.

Da die Schnitte jedoch unsachgemäß ausgeführt waren, neigte sich der Baum statt in die kleine Grünfläche in die Richtung mehrerer Wohnhäuser“, so heißt es im offiziellen Feuerwehrbericht. „Wir wurden gegen 21.30 Uhr vom Hausbesitzer angerufen, weil er sich wohl nicht mehr zu helfen wusste“, sagt Feuerwehrsprecher Simon Heußen. Da war die alte Eiche bereits in eine bedrohliche Schieflage geraten.

Die Gelsenkirchener Berufsfeuerwehr rückte mit 15 Einsatzkräften aus, neun Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr aus Ückendorf (die gerade einen Übungsabend hatten) kamen hinzu, um das Gelände abzusichern. „Oberste Priorität hat in solchen Fällen natürlich die Sicherung der Bevölkerung, damit niemand zu Schaden kommt“, betont Heußen.

Bewohner wurden evakuiert

Neun Anwohner aus drei Einfamilienhäusern mussten noch in der Nacht in Hotels oder zu Verwandten oder Freunden umziehen. Ein weiteres bedrohtes Haus war unbewohnt. „Da der Baum so groß und schwer zugänglich war, konnte er mit den technischen Mitteln der Feuerwehr leider nicht gefällt werden. Deshalb wurde er von unseren Einsatzkräften mit Stahlseilen gesichert und der Bereich weiträumig mit Absperrband und Bauzäunen abgesichert“, so der Feuerwehrsprecher. Um 0.50 Uhr rückten die Einsatzkräfte wieder ab.

Am Donnerstag begannen dann unter scharfer Beobachtung von Schaulustigen die Aufräumarbeiten: Eine Spezialfirma aus Gelsenkirchen rückte mit einem Hubsteiger an, dann wurde die alte Eiche Ast für Ast abgetragen.

„Diese Aktion hat uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt“, sagt ein Anwohner, der wie alle anderen hier seinen Namen nicht nennen mag – man setzt in der Resser Mark auf gute Nachbarschaft. Auch mit der jungen türkischstämmigen Familie, die das Haus am Ende der kleinen Sackgasse erst vor Kurzem gekauft hat. „Es stand lange leer, viele potenzielle Käufer haben sich wohl von dem riesigen Baum im Garten abschrecken lassen, da der quasi das ganze Gartenstück ausfüllt und im Sommer keine Sonne durchlässt“, so ein Anwohner.

Stadt Gelsenkirchen hatte Fällgenehmigung erteilt

Auch der heutige Eigentümer habe sich mehrfach um eine Fällgenehmigung bemüht, die immer wieder abgeschmettert wurde. „Nach einem Umbau hatten sich die baulichen Begebenheiten so geändert, dass eine Fällgenehmigung erteilt wurde, weil der Baum zu nah am Haus stand“, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann dazu.

Ob der Mann sich fachmännische Hilfe geholt oder selber zur Kettensäge gegriffen hatte, blieb am Donnerstag ungeklärt. Er mochte sich gegenüber der Presse nicht zu den Vorfällen äußern. In Resse wird diese Aktion jedoch noch über längere Zeit für Gesprächsstoff sorgen.