Märchenerzähler Ben Haggerty pflegt eine alte Kunst

Der britische Erzähler Ben Haggerty tritt mit seinen "Fairy tales for Grown Ups" im Consol Theater Gelsenkirchen auf. Der Soloabend ist Teil der Reihe Erzählfrühling.
Der britische Erzähler Ben Haggerty tritt mit seinen "Fairy tales for Grown Ups" im Consol Theater Gelsenkirchen auf. Der Soloabend ist Teil der Reihe Erzählfrühling.
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Was wir bereits wissen
Warum sind wir blind vor Liebe? Was kann ein kleiner Ziegenbock einen irischen Volksheld lehren? Und was für ein dunkles Geheimnis hat die schöne Prinzessin mit den blutroten, kalten Lippen?

Gelsenkirchen.. Warum sind wir blind vor Liebe? Was kann ein kleiner Ziegenbock einen irischen Volksheld lehren? Und was für ein dunkles Geheimnis hat die schöne Prinzessin mit den blutroten, kalten Lippen?

Der prominente britische Geschichten-Erzähler Ben Haggarty entführte die Besucher im Consol Theater am Samstagabend in eine Welt voller Mythen, Magie und Träume. Mit seinem englischen Bühnenprogramm „Fairy tales For Grown Ups: The Grateful And The Dead“ bewies er, dass es nicht viel mehr braucht als Stimme und Fantasie, um Zuschauer zu begeistern.

Ben Haggarty begann das Erzählen von Geschichten auf Theaterbühnen bereits 1981 und war mit dafür verantwortlich, dass „perfomance story telling“ über die Grenzen von England hinaus wieder populär wurde.

Lebendiges Erzählen ohne Requisiten

Für seine Geschichten und Märchen brauchte er kein Bühnenbild und keine Requisiten, nur einen Hocker. Wenn Ben Haggarty anfängt zu erzählen, werden die Figuren und Szenen lebendig. Dafür setzte er neben seiner Stimme seinen Körper ein. Er beschreibt die Figuren aus seinen Märchen mit Worten und spielt sie gleichzeig.

Dabei schlüpft er in einer Szene gleich in mehrere unterschiedliche Charaktere. So spielt er in der Geschichte des seit 45 Jahren verheirateten Ehepaars während eines Streits erst die wütende und aufgebrachte Mary und dann den ängstlichen und verunsicherten Jack. Dabei verstellte er seine Stimme, sprach mal leise und geheimnisvoll oder laut und bedrohlich. Zwischen seinen Geschichten schaffte es der moderne Barde, sein Publikum miteinzubinden. Er ließ sich den Zuschauerraum beleuchten, um in die Gesichter der Menschen zu blicken. Haggarty unterhielt sich mit den Zuschauern über ihre Träume und deren Bedeutungen. Dadurch gestaltete er seine Überleitungen zum nächsten Märchen.

Märchen nicht nur für Kinder

Den größten Anteil des Abends machte die Sage über den jungen Jack, der sich durch einen Traum dazu berufen fühlt, eine Prinzessin zu finden und sie zu heiraten. Auf seinem Weg findet er einen treuen Freund und überlistet drei Hexen. Seine größte Herausforderung ist es jedoch, die böse Prinzessin vom Bann des Dämonenkönigs zu befreien. Das Publikum wurde dabei von Haggarty animiert die Geräusche der Szenerie mitzugestalten: Wenn der Held drei Mal gegen die Tür klopfte, stampften die Zuschauer mit den Füßen auf den Boden. Am Ende des Abends hatte Haggarty bewiesen, dass Märchen nicht nur für Kinder sind.