Logistiker füllen die Industriebrache Schalker Verein

Auf der Fläche Schalker Verein hat Wheels Logistics (r.) seinen Standort bereits einmal erweitert, daneben baut Libreco, zudem entsteht aktuell der neue Firmensitz der Professionell Retail Service Gmbh.
Auf der Fläche Schalker Verein hat Wheels Logistics (r.) seinen Standort bereits einmal erweitert, daneben baut Libreco, zudem entsteht aktuell der neue Firmensitz der Professionell Retail Service Gmbh.
Foto: www.blossey.eu
Wirtschaftsförderer aus Herne, Herten und Gelsenkirchen sind vereint im Netzwerk „last mile logistik“. Auf dem Gelände Schalker Verein Ost entwickelt sich die Nachfrage positiv. Auftritt auf der Expo Real

Gelsenkirchen.. Dass Städte nicht zusammenarbeiten, dass sie nicht vereint erfolgreich agieren können – für Dr. Joachim Grollmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne mbH, ist das eines der gern gepflegten Revier-Vorurteile. Dass und wie es anders gehe, zeigten seit 2002 die Städte Gelsenkirchen, Herne und Herten unter der gemeinsamen Dachmarke „last mile logistik“.

Aktuell 30 Mitglieder zählt der entsprechende Marketingclub, vertreten sind die Großen der Branche. Das Ziel: Die erfolgreiche Standortentwicklung und -vermarktung im Bereich der Logistik, ferner der Ausbau der nachhaltigen „grünen Logistik“ beispielsweise im Bereich elektrisch betriebener Zustellungsfahrzeuge, wie sie in der Herner Innenstadt forciert werden. Die Strategien: Austausch, Netzwerkarbeit, regelmäßige Veranstaltungen wie das Branchenfrühstück „Frühstart Logistik“ und gemeinsame Auftritte.

Logistikpark Schloss Grimberg ist fast vollständig vermarktet

Der nächste steht in München an, auf der Expo Real. Ein „Muss“ für die Wirtschaftsförderer im Verbund der Revierstädte. „Wer einmal nicht auf der Expo ist, gilt als tot. Wir müssen präsent sein. Allein, um da zu sein“, sagt Grollmann.Vor der internationalen Leitmesse für die Immobilienwirtschaft (4. bis 6. Oktober) zieht er Mittwoch im Wissenschaftspark mit Rainer Schiffkowski, Gelsenkirchens Referatsleiter Wirtschaftsförderung, und dem Hertener Wirtschaftsförderer Michael Blume Bilanz in punkto Logistik-Flächen. Wobei: Viel zu „verkaufen“ haben die Herner zumindest für Logistiker aktuell nicht. Der Logistikpark Schloss Grimberg mit einer Größe von 157.000 Quadratmetern ist mittlerweile fast vollständig vermarktet. Herten wird das Industriegebiet Herten-Süd mit einer Bruttofläche von 27 Hektar in den nächsten Jahren entwickeln und erste Akquise-Gespräche führen.

Rund 20 Jahre hat es laut Grollmann in Herne gebraucht, die Fläche Schloss Grimberg „zu sanieren und neu zu füllen“. Allein durch den Automotive-Logistiker Duvenbeck so wie UPS als Neuansiedlung rechnet der Wirtschaftsförderer mit 700 neuen Arbeitsplätzen.

Derzeit liegen sechs Anfragen von Investoren vor

Strukturwandel, weiß auch Schiffkowski, braucht langen Atem. Das gilt auch für das Gelände Schalker Verein Ost. Der Angang war zäh. Doch nun sei der Vermarktungsstand für das „über 600.000 Quadratmeter große Areal mehr als positiv. Derzeit liegen sechs Anfragen von Investoren vor.

Zwei Logistik-Flächen sind verkauft (Wheels und Professionell Retail Service GmbH) beziehungsweise bebaut, drei weitere Flächen sind reserviert. Zudem baut derzeit bereits der Fleischspezialist Libreco seinen neuen Standort auf. Wheels Logistics beschäftigt bereits über 100 Mitarbeiter, Libreco wird mit 120 Beschäftigten umziehen.

Zahlen, die Wirtschaftsförderer gerne ins Feld führen, wenn Kritik laut wird, dass auf alten Industrieflächen keine neuen Industriearbeitsplätze entstehen, dass sich dafür aber raumgreifend Logistiker ansiedeln. „Ein ganz schwieriges Thema“, sagt Grollmann, doch die Industrie im Revier wachse eben nicht, die Logistikbranche dagegen deutlich. Und so schlecht, hat er für Herne errechnen lassen, sei die Arbeitsplatzquote nicht. „Bei Logistikern kommen wir auf knapp 39 Beschäftigte pro Hektar genutzte Fläche, in der Industrie auf 42.“