Linke-Politikerin in der Kirche unerwünscht
12.02.2010 | 13:00 Uhr 2010-02-12T13:00:00+0100
Viele Besucher erhofft sich die Bleckkirche ab März bei ihren Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt. Eine Frau ist aus Sicht von Hausherr und Pfarrer Thomas Schöps in der Bismacker Kulturkirche wegen eines Eklats bei der Gedenkfeier im Bundestag zur Befreiung von Auschwitz „unerwünscht“. Und zwar: die Bochumer Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen.
Wie berichtet, waren Dagdelen und (wenige) Linke-Parteifreunde nach der Rede des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres anders als alle andere Bundestagsabgeordneten demonstrativ sitzengeblieben. Begründung: Peres habe in der Rede unter anderem mit seinem Verweis auf iranische Atomraketen „Kriegstreibern Nahrung gegeben“ und eine Vorgehensweise forgesetzt, „die wir aus dem Irak kennen, wo gleichfalls mithilfe von Bedrohungsszenarien ein furchtbarer Krieg vom Zaun gebrochen wurde“. In einer für Aufsehen sorgenden Aktion hatten Schöps und zwei weitere Pfarrer von Kulturkirchen (Thomas Wessel, Christuskirche Bochum, Barbara von Bremen, St. Petri-Kirche Dortmund) einen Offenen Brief an Dagdelen geschrieben und die Protest-Aktion aufs Schärfste verurteilt: „Sie sind uns nicht erwünscht. Sie haben denen, die überlebt haben, den Respekt verweigert, unseren haben Sie restlos verloren“.
In einem Punkt mussten sich die drei evangelischen Pfarrer korrigieren: Die Linke-Politikerin Sevim Dagdelen war - anders als von Schöps, Wessel und von Bremen zunächst im Offenen Brief behauptet - bei der Gedenkfeier im Bundestag beim Kaddisch (jüdisches Gebet) sehr wohl aufgestanden. Einem entsprechenden Widerrufs- und Unterlassungsbegehren von Dagdelen gaben die Pfarrer am Donnerstag in einer öffentlichen Erklärung nach.
„Das ist aber kein Hausverbot“, betont der evangelische Pfarrer auf WAZ-Anfrage. Zu einem solchen Schritt sei er gar nicht befugt. Er habe diesen Brief auch nicht mit Superintendent Höcker abgesprochen und müsse noch mit diesem reden, räumt er ein. Vielmehr sei es ihnen um ein klares Signal gegangen: „Wir wollen Menschen, die sich in dieser Angelegenheit nicht ausreichend differenziert verhalten, kein politisches Forum bieten“, so Schöps. Man dürfe Israels Politik kritisieren, aber der Rahmen und auch die Worte Peres hätten dazu nicht den geringsten Anlass gegeben.
Zu einem persönlichen Gespräch zwischen den Pfarrern und Dagdelen ist es bisher nicht gekommen. Die Linke-Politikerin hat in einem Antwortbrief die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie würde niemals Opfern des Holocaust ihren Respekt verweigern, betont Dagdelen. Der (von den Pfarrern nicht direkt erhobene) Vorwurf des Antisemitismus sei „infam“. Sie stehe aber dazu, so die Abgeordnete, dass sie Peres nach der Rede wegen dessen Ausführungen zum Iran die stehenden Ovationen verweigert habe. Eine Haltung, die auch in der Linkspartei sehr umstritten ist.
Das Kirchen-Verbot für die Bundestagsabgeordnete wird aber zumindest für die Gelsenkirchener Bleckkirche nicht mehr als symbolischen Charakter haben - anders als in Bochum. Denn dort trifft sich die Linkspartei auch in Räumen der Christuskirche.
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