Leibliche Eltern in Gelsenkirchen stimmen Adoption selten zu

Im Kinderheim St. Josef finden viele Kinder, die aus ihrer Familie genommen wurden, ein vorübergehendes Zuhause, während nach Pflegeeltern für sie gesucht wird.
Im Kinderheim St. Josef finden viele Kinder, die aus ihrer Familie genommen wurden, ein vorübergehendes Zuhause, während nach Pflegeeltern für sie gesucht wird.
Foto: WAZ
Die Zahl ist schon lange niedrig, und die Tendenz ist sogar eher sinkend. Ganz drei Adoptionen wurden in diesem Jahr in Gelsenkirchen abgeschlossen. Dabei mangelt es nicht an Bewerbern, sondern an leiblichen Eltern, die den Schritt der Freigabe wagen. Dabei leben 250 Kinder in Pflegefamilien.

Gelsenkirchen.. Ganze drei Adoptionsverfahren wurden in Gelsenkirchen in diesem Jahr bisher abgeschlossen, ein weiteres läuft. Davon sind allein drei Stiefelternadoptionen, also Adoptionen durch neue Partner. 2012 waren es sechs Adoptionen, davon eine durch Stiefeltern. Zur Adoption vorgemerkt waren zwei Kinder, drei wurden in Adoptionspflege betreut. Acht Bewerber waren vorgemerkt.

Große Schwankungen gab es in den letzten Jahren nicht. Ein Höhepunkt war 2010: damals kam es zu zwölf Adoptionen, bei 30 Bewerbungen. Ansonsten blieben die Adoptionszahlen vor Ort meist einstellig, Tendenz leicht sinkend.

Familiengericht könnte Elternwillen ersetzen

Deutlich höher liegt jedoch konstant die Zahl der Kinder in Pflegefamilien in der Stadt: rund 250 sind es derzeit. Warum es so wenige Adoptionen gibt? „Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen ist es sehr schwer, Kinder gegen den Willen der leiblichen Eltern zur Adoption freizugeben. Und Eltern stimmen selten zu. Theoretisch kann das Familiengericht zwar den Elternwillen ersetzen, wenn ‘anhaltende gröbliche Pflichtverletzungen’ nachgewiesen werden können.

Aber das nachzuweisen, ist selten möglich, weil wir die Kinder aus den Familien nehmen, wenn wir das Kindeswohl gefährdet sehen. Und wenn das Kind gar nicht bei den Eltern ist, lässt sich schwer anhaltende Pflichtverletzung nachweisen“, erläutert Alfons Wissmann, der Leiter des Referats Erziehung und Bildung. Dass so wenige Eltern zustimmen, habe mit der Endgültigkeit der Entscheidung zu tun. Mit der Adoption ist jede rechtliche Verbindung zum Kind gekappt. Kontakt bleibt freilich möglich. Ihn dem Kind zu ermöglichen, wird sogar empfohlen.

„Es geht um das individuelle Wohl des Kindes"

Die Adoption läuft in aller Regel über eine Pflege mit dem Ziel der Adoption. Wobei auch heute noch bei Bewerbern vor allem kleine Kinder gefragt sind. Für solche ab sechs Jahren finden sich nur noch wenige Adoptionswillige. Formale Standards spielen bei der Auswahl von Pflege-/Adoptionseltern in Gelsenkirchen keine Rolle, betont Wissmann: „Es geht um das individuelle Wohl des Kindes. Wie alt Eltern sind, in welcher Lebensform sie leben: das ist nicht entscheidend.“