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Lebens- und Leidenswege

29.10.2012 | 17:09 Uhr
Lebens- und Leidenswege
Eröffnung der Ausstellung über den Holocaust-Überlebenden Hermann Neudorf in der Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen. Der 87-jährige Hermann Neudorf nahm per Videoschaltung aus der USA an der Veranstaltung teil. FotosFoto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.   Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen dokumentiert Schicksal des Holocaust-Überlebenden Hermann Neudorf

„An einem trüben Herbsttag nahm meine Kindheit ein tragisches Ende.“ Mit diesen Worten beschrieb Hermann Neudorf, wie er aus dem damaligen Realprogymnasium in Horst verschleppt wurde . Anknüpfend an die Verlegung eines Stolpersteins für den Holocaust-Überlebenden Hermann Neudorf in der Markenstraße hat die Gesamtschule Horst einen Ausstellungsraum für ihn errichtet. Auf der Basis seiner Erinnerungen erzählt und dokumentiert die Ausstellung Lebens- und Leidenswege der Familie Neudorf. Am vergangenen Freitag wurde sie feierlich eröffnet.

Gegen das Vergessen ankämpfen

Die Ausstellung ist vom Gelsenzentrum, dem Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen, in Zusammenarbeit mit der Familie Neudorf inhaltlich vorbereitet worden. Nach einem Zitat von Hermann Neudorf trägt sie den Titel „Vergeben muss man, aber Vergessen ist unmöglich.“ „Wir befassen uns mit dem zweiten Teil des Satzes“, erklärte Schulleiter Rolf Steinwede bei der Eröffnung am Freitag. Die Geschichte von Hermann Neudorf solle in Erinnerung bleiben, damit so etwas nicht noch einmal geschehe.

Der 87-jährige Hermann Neudorf lebt heute in Florida in den USA. Obwohl er an den Feierlichkeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnahm, verfolgte er die Ausstellungseröffnung an seinem Computer per Live-Schaltung.

Nach einem jüdischen Lied, das die Musiklehrer Michah Weissinger und Andreas Fliege vorspielten, gab es ein kurzes Theaterstück von Schülern aus der zehnten Klasse. Unter dem Titel „Das Ende der Kindheit“ versetzten sie sich in die Situation von Hermann Neudorf und zeigten authentisch, wie der 13-jährige Junge damals von Polizisten aus dem Unterricht geholt, in ein Gefängnis gebracht und von dort aus nach Polen deportiert wurde. Außerdem trugen Schüler aus der Jahrgangsstufe 13 das Gedicht „Chor der Geretteten“ von Nelly Sachs vor.

„Aus pädagogischer Sicht hat die Ausstellung einen ganz besonderen Wert“, betonte Anke Käding, didaktische Leiterin der Gesamtschule Horst. „Die Schüler hat die Auseinandersetzung mit dem Leben von Hermann Neudorf mitgenommen. Er wurde aus ihrer eigenen Schule verschleppt. So ein persönlicher Bezug macht Geschichte lebhaft und deutlich spürbar“, erklärte sie.

Noch bis Freitag, 9. November, bleibt die Ausstellung geöffnet. Die Schule bittet jedoch um vorherige Anmeldung über das Sekretariat unter 4 50 30 12. Schüler führen dann durch die Ausstellung und stehen für Nachfragen zur Verfügung.

Von Deborah Vogtmann

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2012-10-29 17:09
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