Kutten und Klassiker beim Rock Hard in Gelsenkirchen

Fans beim Rock-Hard-Festival. Auf der Bühne tummelt sich auch in diesem Jahr eine abwechslungsreiche Mischung aus aufstrebenden Talenten und altgedienten Rockern.
Fans beim Rock-Hard-Festival. Auf der Bühne tummelt sich auch in diesem Jahr eine abwechslungsreiche Mischung aus aufstrebenden Talenten und altgedienten Rockern.
Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Tausende Metal-Fans feiern beim Rock Hard drei Tage lang im Amphitheater Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen.. Pfingsten, ausverkauftes Amphitheater, langhaarige Kuttenträger - damit ist fast schon das Wichtigtigste gesagt: Das Rock-Hard-Festival im Herzen des Ruhrgebiets ist etabliert wie kein anderes.

Das Metal-Mekka ist klein (dabei finden aber immerhin jedes Jahr rund 7000 Fans ihren Weg an den Rhein-Herne-Kanal) aber fein (die Besucher können entlang des Gewässers campieren, im Rund unabhängig der Position prima sehen und einen für ein Open-Air unerhört differenzierten Sound genießen).

"Da kann selbst Wacken nicht mithalten"

„Ich komme seit dem ersten Rock Hard jedes Jahr hierhin“, berichtet ein Zuschauer, der aus Nijmwegen nach Gelsenkirchen-Horst gereist ist. „Das ist einfach das beste Festival der Welt – da kann selbst Wacken nicht mithalten.“

Wer, wann auf der Bühne steht, ist im Grunde vielen gar nicht so wichtig. „Ich bin hier, um Freunde zu treffen, die ich nur einmal im Jahr sehe, und mit ihnen zu quatschen – ob das jetzt vor der Bühne, am Bierstand oder auf dem Zeltplatz ist, spielt keine Rolle“, sagt ein Kuttenträger und begrüßt just in diesem Moment einen Bekannten: „Nä, is' dat schon wieder 362 Tage her? Kommt mir vor, als wären wir nie weg gewesen.“

Auf der Bühne tummelt sich auch im Jahr 2015 wieder eine musikalisch abwechslungsreiche Mischung aus aufstrebenden Talenten und altgedienten Recken, wobei letztere zumindest nicht immer durch körperliche Fitness glänzen. Ex-Iron-Maiden- und jetzt Architects-of-Chaos-Frontmann Paul DiAnno wird ob einer Knieverletzung im Rollstuhl auf die Bühne geschoben und Pentagram-Sänger Bobby Liebling hat augenscheinlich – nun ja – intensiv gelebt. „Wenn die Musiker jetzt schon in diesem Zustand auftreten, wie soll das erst in 20 Jahren aussehen?!“, fragt sich ein Fan.

Space Chaser und Kataklysm kommen gut an

Egal, abgefeiert wird trotzdem. Besonders gut kommen Vertreter der härteren Gangart wie Space Chaser (punkten neben mehr als soliden Eigenkompositionen mit dem famosen Anthrax-Cover „Caught in a Mosh“) oder Kataklysm an, während Traditionalisten wie Sinner oder auch die Retro-Rocker Spiders abseits des Innenraums kaum mehr aus Höflichkeitsapplaus ernten – was allerdings auch der Uhrzeit geschuldet sein mag. „Es ist einfach zu früh, um total steil zu gehen“, diagnostiziert ein junger Mann.

Spätestens zur Tagesschau kommt im gesamten Theater Stimmung auf. Vor allem die ungekrönte Metal-Königen Doro Pesch weiß mit einem Arsenal aus Klassikern ihres ersten Arbeitgebers Warlock zu begeistern. „True as Steel“ könnte zum Festivalmotto gekürt werden, bei „Burning the Witches“ schlagen Flammen von der Bühne gen Himmel („Ganz schön heiß auf der Glatze“, sagt ein Fan in der ersten Reihe), und „All we are“ kennt sowieso jeder. Da verzeiht man der kleinen, bodenständigen Frau aus Düsseldorf auch mal „internationale“ Ansagen a la „Let me hear you auf den Rängen“.

Auch zum krönenden Abschluss des Festivals hagelt es Klassiker. Die Black Star Riders hauen einen Thin-Lizzy-Gassenhauer nach dem anderen heraus (nur „The Boys are back in Town“ wird vergessen), und nach dem finalen „Whiskey in the Jar“ verabschiedet man sich für viel zu lange 362 Tage. „Bisse nächstes Jahr auch hier?“ - „Ja sia!“