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Kooperation zwischen FC Schalke und viagogo erzürnt die Fans

12.04.2013 | 16:36 Uhr
Mit der Aktion viaNOgo protestieren Fans gegen das Kartenverkaufssystem von viagogo.Foto: Jan Dinter

Gelsenkirchen.   Die Ticketbörse viagogo erhitzt nach wie vor die Gemüter. Fans bewerten den Vertrag des FC Schalke 04 mit dem britischen Unternehmen als „Legalisierung des Schwarzmarktes“ und fordern eine Auflösung des Vertrages. Vorstandsmitglied Alexander Jobst bemüht sich um Aufklärung.

In der Fußball-Bundesliga gibt es unter den Fans aktuell einen der sonst eher seltenen vereinsübergreifenden Solidaritätsgedanken. Gemeinsam machen sie Front gegen die Ticketbörse viagogo. Sieben Vereine in der 1. Liga arbeiten mit dem Unternehmen aus London zusammen, ab dem 1. Juli 2013 wird der FC Schalke 04 ebenfalls Vertragspartner sein.

Die Königsblauen sind an vielen Stellen erkennbar bemüht, die notwendige Konsolidierung ihrer Finanzen (Verbindlichkeiten zum 31. Dezember 2012: 151,69 Mio. Euro) voranzutreiben. Das geht neben dem notwendigen sportlichen Erfolg (gerade auf internationaler Ebene) über marktübliche Mechanismen, wie die Abgabe von Spielern (mögliche Ablöse, auf jeden Fall weniger Gehaltszahlungen). Die Vermögensverhältnisse können zudem durch Mehreinnahmen im Sponsoringbereich positiv beeinflusst werden. Dazu zählt der Vertrag mit viagogo, den Schalkes Vorstandsmitglied Alexander Jobst (Marketing) verteidigt. „Unsere Fans glauben, dass wir das Geschäft auf ihre Kosten abgeschlossen haben. Das aber ist nicht so. Jeder entscheidet selbst, ob er viagogo nutzt oder nicht.“

Kommentar
Keine Lösung in Sicht

In der Brust der Fans schlagen mitunter zwei Herzen für den FC Schalke 04. Das eine taktet für die Tradition der Kumpel und Malocher, für die Pflege von Kreisel und Mythen sowie für eine solide Erdung im Revier-Alltag.

Das andere Herz taktet für den Wirtschaftsbetrieb, den modern aufzustellenden Konzern Königsblau, den es zwingend geben muss, um sportlich wie finanziell erfolgreich arbeiten zu können – in der Bundesliga, auf internationaler Ebene, als Arbeitgeber.

Beide Herzen schlagen oft harmonisch, manchmal aber kommt es auch zu Rhythmusstörungen. Wie jetzt. Einige Fans sehen in dem viagogo-Geschäft einen massiven Angriff. Sie erkennen in der Partnerschaft einen Deal zu ihren Lasten und die Legalisierung des Schwarzmarktes mit drohenden Wucherpreisen.

Der Verein kommt zu einer anderen Bewertung. Er gibt Karten ab in Kategorien, die den Kumpel und Malocher in der Regel nicht betreffen. Er verweist auf die Freiwilligkeit, die hinter der Nutzung von viagogo steht. Er erinnert an das Kontingent und macht keine Stückzahl aus, die entscheidend wäre.

Beide Positionen sind nachvollziehbar, es ist eine Frage der Perspektive. Gibt es eine Lösung für den Konflikt? Nein! Der Vertrag ist unterschrieben. Die Fans, die es stört, werden viagogo nicht nutzen und sich andere Wege suchen. Also mit den Füßen abstimmen.

Und der Vorstand? Er wird das Geschäft zur gegebenen Zeit bewerten, um es zu verlängern, auszuweiten – oder einzustampfen.

Gespräche "nicht auf Augenhöhe"

Den Kernvorwurf der Fans formuliert Roman Kolbe, Autor der Fan-Zeitschrift „Schalke unser“, so: „Der Vertrag mit viagogo ist nichts anderes, als die Legalisierung des Schwarzmarktes, und zwar auf Kosten der Fans.“ Frank Zellin (www.vianogo.de) sieht das genauso und fordert neben einer Abkehr vom Vertrag die Beibehaltung der vereinseigenen Ticketbörse , „die gut und problemlos für alle Beteiligten läuft“.

Den Umgang mit den Fans kritisieren Kolbe und Zellin massiv und machen dies u.a. an Punkten fest, die im Vereins-Leitbild verankert sind. Etwa: „Der FC Schalke 04 ist als Kumpel- und Malocher-Club entstanden. Daher ermöglicht unser Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele.“ – Oder wie es auf der „Aktivisten-Seite“ zu lesen steht: „Der Kumpel zockt den Malocher nicht ab.“ Zellin beklagt auch: „Mit uns wird nicht auf Augenhöhe gesprochen.“

Der Schalker Vorstand will die Wogen glätten und den Fans das viagogo-Modell erläutern. Für den heutigen Samstag sind die Bezirksleiter und die Vertreter der 23 Schalker Fan-Bezirke zum Gespräch eingeladen worden.

Fans beim Revierderby

Kommentare
14.04.2013
15:53
Kooperation zwischen FC Schalke und viagogo erzürnt die Fans
von Ernestine | #7

@AMSTERDAMNED / #6
Wenn man Viagogo nicht kennt, dann sollte man jegliche Bewertung unterlassen und nicht noch von einem guten Deal sprechen....
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1 Antwort
Kooperation zwischen FC Schalke und viagogo erzürnt die Fans
von AMSTERDAMNED | #7-1

3,6 Mio sind viel Geld. Solche Sponsoren stehen nicht Schlange ... auch bei Schalke 04 nicht. Über viagogo las ich nur schlechtes, meines Wissens hat Bayer Leverkusen den Vertrag mit viagogo gekündigt oder verlängert ihn nicht mehr. Aber die Aufregung um 300 Tickets x 10 Spiele pro Saison verstehe ich nicht. Falls die Tickets dort zu teuer sind so lässt man sie eben liegen wie Waren in einer Tankstelle.

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Kooperation zwischen FC Schalke und viagogo erzürnt die Fans
Kooperation zwischen FC Schalke und viagogo erzürnt die Fans
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http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/kumpel-zockt-den-malocher-nicht-ab-id7830192.html
2013-04-12 16:36
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