Küppersbusch in Gelsenkirchen setzt auf die Insel

Auf Inselfertigung wurde die Produktion bei Küppersbusch im letzten Jahr umgestellt.
Auf Inselfertigung wurde die Produktion bei Küppersbusch im letzten Jahr umgestellt.
Foto: Thomas Schmidtke
Was wir bereits wissen
Der Produktionsprozess im Bereich Großküchentechnik wurde verändert und optimiert. Lieferzeiten wurden so verringert, die Liefertreue optimiert.

Gelsenkirchen. Schneller, besser, verlässlicher – so „tickt“ und fertigt Küppersbusch seit knapp zwei Jahren. Die Produktivität im Bereich Großküchentechnik wurde gesteigert, die Lieferzeiten verringert, der Produktionsprozess optimiert. „Standardlieferzeiten von maximal vier Wochen, eine Produktivitätssteigerung von 25 Prozent und eine Reduzierung der Durchlaufzeiten um ebenfalls 25 Prozent und 100 Prozent Liefertreue“ sind jetzt die neuen Marken, die Maurice Preuß, Produktionsleiter bei Küppersbusch Großküchentechnik nennt, nachdem in der Feldmark die gesamte Produktion mit Hilfe von „Lean Management“ optimiert wurde.

Dafür hat sich das Traditionsunternehmen schlanker aufgestellt, Prozesse optimiert, eine neue Philosophie im Betrieb verankert. Ein wesentlicher Baustein: Die sogenannte Inselfertigung. Preuß: „Wir haben in der Endmontage innerhalb kürzester Zeit von Band- auf Inselfertigung umgestellt. Die Prozesse werden hinsichtlich der wichtigsten Produktionskennzahlen gestaltet, optimiert und anhand der Kennzahlen in Eigenverantwortung der Mitarbeiter überprüft.“

„Intelligenter produzieren“, weg von der Masse, hin „zur „Einzelfertigung wie in einer Manufaktur“ nennt das Geschäftsführer Marc-Oliver Schneider. Als 49-Jähriger kam der Ingenieur im Oktober 2013 nach Gelsenkirchen und war zunächst als Sanierer gefragt und gefordert. Das „Tal der Tränen“ hat Küppersbusch hinter sich. „Wir kommen wieder zur Top-Liga“, meint Schneider, „wir sind wirklich schneller geworden, wir sind zu 100 Prozent kontinuierlich lieferfähig, wir sind wieder unter den Besten.“ Gerade in der Phase nach der Sanierung sei es wichtig gewesen, „Kontinuität zu zeigen“, das erwarteten die Kunden.

Die Mitarbeiter einer Insel bilden ein festes Team

Im Werk werden nun an insgesamt sechs Inseln (mit Namen wie Norderney oder Sylt) Herde, Kessel und Co. gefertigt. „Jede Insel fertigt ein spezielles Gerätesortiment. Die Mitarbeiter einer Insel bilden dabei ein festes Team und sind für die Geräte vom ersten Montageschritt bis zur abschließenden Prüfung verantwortlich. Und genau diese Eigenverantwortung führt dazu, dass sich die Fehlerquote auf ein absolutes Minimum reduziert hat“, so Preuß.

„Das System macht die Fertigung wahnsinnig flexibel. Das ist ein Gewinn für alle“, findet der Betriebsratsvorsitzende Bernd Hagemeier. Nicht unwichtig aus Sicht der Arbeitnehmervertreter: Die Produktivitätssteigerung „wird nicht auf den Knochen der Kollegen ausgetragen“, das neue System sei verankert in einem gelebten, kontinuierlichen Verbesserungsprozess. „Es läuft sehr gut im Moment.“

Eine Tochter des spanischen Teka-Konzerns

„Auf diese enormen Steigerungen sind wir sehr stolz. Dennoch lehnen wir uns nicht zurück. Wir optimieren weiter“, betont auch Schneider. Die Standardlieferzeiten für elektrisch- oder gasbetriebene Kessel, Pfannen, Herde oder Fritteusen beträgt nun nur noch bis zu vier Wochen – oft sind es nur drei. „Das ist so am Markt nicht üblich“, weiß Schneider, „Die sogenannten Schnelldreher liefern wir sogar innerhalb weniger Tage.“ Auch die Durchlaufzeiten für individuelle Herdanlagen mit durchgehender Arbeitsplatte wurden auf acht Wochen verkürzt – laut Schneider sind das Spitzenwerte in der Branche.

Die Küppersbusch Großküchentechnik GmbH, wie Küppersbusch Hausgeräte eine Tochter des spanischen Teka-Konzerns, sollte im Sanierungsprozess vor gut zwei Jahren von damals 167 auf 110 Beschäftigte heruntergefahren werden. Der Abbau-Prozess war nicht so schmerzhaft wie befürchtet. Die Belegschaft wurde längst wieder aufgestockt. Schneider: „Für nächstes Jahr planen wir wieder mit 170 Mitarbeitern.“