Künstler müssen arm sein
25.09.2008 | 20:25 Uhr 2008-09-25T20:25:16+0200. . . so jedenfalls werden Maler, Literaten, Musiker von der Mehrheit der Gesellschaft nach wie vor eingeordnet: eine Diplomarbeit von Helena Stutzinger
"Das heutige Bild dieser Künstler ist geprägt von Mythen und Klischeevorstellungen, die sich im Laufe der Zeit fest in den Köpfen der Menschen verankert haben." Das schreibt Helena Stutzinger in der Einleitung zu ihrer Diplomarbeit an der ev. Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (Bochum) zum Thema "Über die soziale Rolle von Künstlerinnen und Künstlern unter Berücksichtigung der Künstlerarmut in Fremd- und Selbstwahrnehmung". Was der umschweifige Titel bereits anklingen lässt: Künstler sollen, müssen in der Einschätzung vieler Menschen arm und mittellos sein. Sonst könnten sie sich eben nicht ein Leben lang künstlerisch einbringen. . .
Die 25-jährige Gelsenkirchenerin, die ein Zweitstudium über Kulturästhetik/Medien in Düsseldorf anschließen will, hat besonders die Situation des bildenden Künstlers vor Augen: Ihr Vater Jürgen Stutzinger ist seit 20 Jahren freischaffend tätig und kämpft um seine Existenz; ein Verwandter (PA Szepan) hatte früher eine Galerie in dieser Stadt. Anschauungsunterricht aus erster Hand also.
Wer hat das Bild des armen Künstlers geprägt? Carl Spitzwegs berühmtes Dachbuden-Bild, die Biographien von Vincent van Gogh oder Auguste Renoire oder auch Giacomo Puccini mit seiner Oper "La Boheme" (nach dem Roman von Henri Murger). Hungerkünstler, brotlose Kunst seien typische Einordnungen: Künstlertum und Reichtum als unvereinbare Gegensätze.
Dabei gibt es natürlich Künstler, das weiß H. Stutzinger sehr wohl, die gutes Geld verdienen, die im allgemeinen Verständnis sogar "reich" zu nennen sind - Damien Hirst, Markus Lüpertz, Jörg Immendorf, Anselm Kiefer, Andreas Gursky, Dali, Picasso, Emil Schumacher als wohlhabende Maler/Grafiker der Geschichte oder Gegenwart können als Einzelfälle kein echtes Gegengewicht zu den schwierigen Bedingungen der Mehrheit bilden.
In Interviews und Statements rundet die Diplomandin ihre Sicht auf Künstler, die sich meist mit einem Zweitberuf durchschlagen, ihre Perspektive ab. Künstlersozialkasse, Hartz IV/Arbeitslosengeld seien immerhin Maßnahmen, um die Situation abzufedern. Dazu ein Zitat des US-Malers Willem de Kooning, das ein bezeichnendes Bild entwirft: "Der Ärger mit dem Armsein besteht darin, dass es dir deine ganze Zeit raubt."
Was schlägt die Autorin als Maßnahmen zu einer ehrlicheren, gerechteren Stellung der heutigen (und künftigen) Bildhauer, Maler, Fotografen, Grafiker vor? Stutzinger: "Die Lage der Künstler sollte zur öffentlichen Diskussion gestellt werden." Die intensivere kulturelle und ästhetische Bildung, bei dessen Vermittlung besonders Sozialpädagogen gefragt seien, sei ein weiterer Baustein. In die Kunst müsse insgesamt mehr, gerade auch von privater Seite, investiert werden. (Kontakt über Tel: 0234-5468289) HJL
08:43
Sehr richtig, Kunst kann nur leben, wenn es finanziell unterstützt wird. Kunst sollte keinem Markt dienen, sondern sich kritisch damit auseinander setzten. In der Kunst liegt der Anfang vieler Ideen, die später in der Politik/Wirtschaft/Kultur umgesetzt werden. Auf, auf unterstützt sie, ihr werdet es blühen sehen! Wer von euch hat ein Orginal zu Hause? Wird ZEIT!
12:45
Hmm,
sehr Kulturinteressiert scheint mein Vorschreiber ja nicht zu sein, wie kommt er sonst darauf sich an solchen Kleinigkeiten aufzuhalten?
Abgesehen davon hat Immendorf zu Lebzeiten(und sooo lange ist er ja noch nicht tot) einen Batzen Geld verdient.
Davon ab finde ich diesen Artikel sehr gelungen, und es freut mich das junge Leute sich mit solchen Themen auseinander setzen.
03:16
Muss wohl an der Satzstellung liegen ... ;-)
03:14
Jörg Immendorf? Was der wohl macht mit dem vielen Geld, im Himmel! Sehr gut recherchiert! Stutzinger oder HJL?