Konzern unter kirchlichem Dach

Neuer Arbeitsplatz für die Operateure ist der umgebaute OP. Wichtig für den Ruf eines Hauses sind medizinische und pflegerische Leistung.
Neuer Arbeitsplatz für die Operateure ist der umgebaute OP. Wichtig für den Ruf eines Hauses sind medizinische und pflegerische Leistung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
St. Augustinus-Flaggschiff ist das Marienhospital Gelsenkirchen. Insgesamt beschäftigt der GmbH-Verbund fast 2200 Menschen in Kliniken, Altenheimen oder Kindergärten.

Gelsenkirchen.. St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH: Hinter dem kirchlichen Titel der Propsteipfarrei steckt ein Konzern – und durchaus wirtschaftliche Macht in der Stadt: Das Organigramm weist vier Tochtergesellschaften aus – mit zwei Krankenhäusern, dem Marienhospital Gelsenkirchen und dem St. Marien Hospital Buer, mit Altenheimen und Betreutem Wohnen, mit Kirchenladen, Friedhofsverwaltung, Jugendhilfe-Einrichtungen, einem Pflegedienst, der Arche Noah als Kurzzeiteinrichtung für schwer erkrankte Kinder, dem Kinderzimmer sowie schließlich zwei katholischen Kindergärten.

All das vereint die Gesellschaft unter einem Dach – und fast 2200 Menschen. Damit ist St. Augustinus der zweitgrößte Arbeitgeber Gelsenkirchens.

Vielfalt hat im Konzern System. Auch beim Personal. „Wir rekrutieren mittlerweile Mediziner in der gesamten EU. Im ganzen Konzern sind mehr als 30 Nationen beschäftigt. Wir wollen uns als multikulturelles Unternehmen positionieren. Das hat auch ganz handfeste wirtschaftliche Hintergründe“, sagt Peter Weingarten, Geschäftsführer des Marienhospitals.

Allein in der (1869 gegründeten) Klinik an der Virchowstraße wurden 2010 rund 81 Mio Euro umgesetzt. Stationär wurden 24 634 Menschen behandelt, 23 096 suchten die Notfallambulanz auf. Das Haus hat aktuell 579 Betten. Mit gut 50 Mio Euro schlugen die Personal-Kosten für 843 volle Stellen zu Buche. Damit ist das Marienhospital einer der großen Dienstleister auf dem Gesundheitsmarkt.

Konzernüberschuss von 389.625 Euro

Mit 350 Mitarbeitern kam das Marienhospital Buer 2010 auf eine Bilanzsumme von 40 Mio Euro, 10,1 Mio Euro Umsatzerlöse weist der Konzernbericht für die St. Augustinus Heime GmbH mit ihren 200 Mitarbeitern aus. Die Konzernbilanz West Ende 2010 insgesamt 98,8 Mio Euro aus. Nach 121.000 Euro Verlust in 2009 wird für das folgende Geschäftsjahr bis Ende Dezember ein Konzernüberschuss von 389.625 Euro ausgewiesen. Liquide Mittel in Höhe von 17,5 Mio Euro zeugen von durchaus finanzieller Potenz.

1996 wurden die einzelnen Dienstleister in die Gesellschaft überführt, 2007 wurde das damals wirtschaftlich schwer angeschlagene St. Marien Hospital in Buer eingegliedert – ohne betriebsbedingte Kündigungen und nach den (am öffentlichen Dienst angelehnten) AVR-Tarifen des Deutschen Caritasverbandes. Auf den sogenannten „dritten Weg“ ist man bei St. Augustinus stolz, auch weil er stark auf Verständigung der Parteien setzt – positive Begleiterscheinung auch aus Sicht der Arbeitgeberverbände: Schlichtungs- und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen sind höchst selten.

Große Vielfalt, gute Entwicklung

„Der Konzern hat eine gute Entwicklung genommen, auch weil er eine so große Vielfalt hat“, glaubt Weingarten. „Er wird natürlich dominiert durch das Marienhospital. Aber in dessen Schatten segeln die anderen Einrichtungen ganz gut mit.“ Rund zwei Drittel der Patienten kommen „aus dem Dunstkreis Gelsenkirchen“. Hochklassige medizinische Leistung, weiß Weingarten, ist für den Ruf eines Hauses maßgeblich. „Doch ohne gute Pflege geht gar nichts. Dem kommt immense Bedeutung zu“.

Als besonders familienfreundliches Unternehmen wurde die Klinik im August 2010 zertifiziert, nachdem sie das Audit „berufundfamilie“ der Hertie-Stiftung durchlaufen hatte – auch weil sie mit dem Kinderzimmer "St. Lucia“ eine individuelle (Notfall)-Betreuung für Kinder von Mitarbeitern anbietet. Bislang sind neun verlässliche Plätze für Kinder von vier Monaten bis zu sechs Jahren entstanden. „Das ist der erste Schritt, um flexibel auf Bedarfe reagieren zu können“, heißt es im Haus.

Denn die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf wird zum Wettbewerbsvorteil im Ringen um Fachkräfte. Ebenso entscheidend für Geschäftsführer Peter Weingarten: die Ausbildung. 200 Plätze bietet der Konzern. „Kapazitäten abzubauen, macht keinen Sinn. Ein Unternehmen,, das nicht mehr ausbildet, ist absehbar tot.“