Knastgeschichten
11.12.2009 | 10:00 Uhr 2009-12-11T10:00:00+0100Katja* (41) verbrachte drei Jahre im Gefängnis - mit Schülerinnen des Max-Planck-Gymnasiums sprach sie über ihr Leben
Katja* hat einen schwierigen Lebensweg hinter sich, zudem auch Knastaufenthalte gehören. In einem Literaturprojekt arbeitet sie ihre Erfahrungen auf - u.a. in Gesprächen mit jungen Frauen. Ausschnitt einer Begegnung.
Schülerin I*: Ich bin ziemlich aufgeregt. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass du ins Gefängnis gekommen bist?
Katja: Ich bin auch aufgeregt. Aber ich möchte euch meine Geschichte erzählen, es hilft mir. Und außerdem glaube ich, dass Frauen zusammenhalten müssen. Bei mir hat es mit den Drogen angefangen. Ich bin erst spät drauf gekommen, erst mit 22. Da hatte ich einen Freund mit einer drogensüchtigen Ex-Freundin, um die er sich dauernd gekümmert hat. Ich dachte, wenn ich auch Drogen nehme, bekomme ich genausoviel Aufmerksamkeit. Damals habe ich das nicht kapiert, das ist mir alles erst viel später klar geworden. Mit der Zeit brauchte man immer mehr Stoff, irgendwann bin ich klauen gegangen. Und dann bin ich geschnappt worden.
Schülerin II*: Und was war das für ein Gefühl?
Katja: Am Anfang war ich fast erleichtert. Ich glaube, wenn sie mich nicht gekriegt hätten, dann wäre das noch ewig so weitergegangen. Was Sucht bedeutet, das begreift man ja gar nicht, wenn man drinsteckt. Man sagt sich immer, die anderen, die sind abhängig, aber ich doch nicht! Und dann macht man eben alles mit, die schlechten Zeiten verdrängt man, wenn man wieder drauf ist. Als klar war, ich muss in den Knast, da hat es bei mir Klick gemacht.
Schülerin I: Und wie war das dann im Knast?
Katja: Der Knast ist eine eigene Welt. Du gibst deine Würde ab, sobald sich die Tür hinter dir schließt. Im Knast bist du ein völlig anderer Mensch. Du zeigst deine Gefühle nicht. Und man kann sich auch niemandem anvertrauen. Und dann die hygienische Situation. Ekelhaft. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man nichtmal ohne Zuschauer auf die Toilette gehen kann.
Schülerin II: Wie hast du das denn ausgehalten?
Katja: Ich habe viel gelesen, ein bisschen Gesetzeskunde, darum hatte ich im Knast so eine Art Beraterfunktion. Ich konnte den anderen Frauen sagen, wie ihre Urteile ausgehen würden. Darum hat man mich in Ruhe gelassen. Aber es gab auch Tage, da wollte ich mich umbringen.
Schülerin I: Warum hast du das nicht getan?
Katja: Wegen meines Sohnes. Ich habe meinen Sohn nach meinem ersten Knastaufenthalt in eine Pflegefamilie gegeben. Ich habe versucht, eine gute Mutter zu sein und gemerkt, ich mache bei ihm genau die gleichen Fehler, die meine Eltern bei mir gemacht habe. Ihn in die Pflegefamilie zu geben war die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Aber es war auch die beste. Stellt euch vor, er lernt jetzt Saxophon! Ich bin so stolz! Dass er sein ganzens Leben damit zurechtkommen muss, dass ich mich umgebracht habe - das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass er sich für seine Mutter schämt.
Schülerin I: Und wie war das, als du entlassen wurdest?
Katja: Man steht erstmal vor dem Nichts. Das sagt einem auch vorher keiner, wie schwierig das ist, sich wieder im Leben zurecht zu finden. Und wenn du jemandem sagst, dass du im Gefängnis warst, ist es sowieso meistens vorbei. Da kriegst du keine Wohnung, keinen Job. Wenn die Leute hören, da kommt 'n Knacki, dann stecken sie einen sofort in die Schublade. Dass es dafür auch Gründe gibt, dass man im Gefängnis war, dass es sie selbst in ungünstigen Umständen auch treffen könnte, das sehen die Menschen nicht. Ja, ich war zu Recht im Knast. Ich habe Mist gebaut. Aber ich hatte auch Zeit, mich mit meinem Leben auseinanderzusetzen und mit meinen Taten. Ich habe eine Therapie gemacht und angefangen zu verstehen, warum mein Leben so verlaufen ist. Und ich habe mir vorgenommen, es ab jetzt gut zu machen. Für meinen Sohn. Aber auch für mich selbst. Ich habe einen Job und wohne in einer WG. Und ich schreibe. Das ist ein Anfang.
Schülerin II: Hast du Kontakt zu deinem Sohn?
Katja: Wir telefonieren. Manchmal schreiben wir uns e-mails. Ich hoffe, dass wir uns irgendwann treffen können. Jetzt geht es noch nicht. Er sagt, es macht ihn zu traurig.
* Richtiger Name d. Red. bekannt
12:31
Ein interessanter Beitrag, der allerdings etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können.
Trotzdem: Weiter so!
13:37
richtiger Name wohl allen bekannt...jedenfalls steht da was in der Bildunterschrift...