Kiss setzen den stählernen Schlussakkord in Gelsenkirchen

„The Demon, The Starchild, The Spaceman“ – alias Gene Simmons, Paul Stanley und Thommy Thayer (v.l., nicht zu sehen am Schlagzeug, „The Cat“, Eric Singer). In der Veltins-Arena spielten die Rock-Veteranen vor etwa gut 15 000 Fans als Headliner am Sonntag bei „Rock im Revier“.
„The Demon, The Starchild, The Spaceman“ – alias Gene Simmons, Paul Stanley und Thommy Thayer (v.l., nicht zu sehen am Schlagzeug, „The Cat“, Eric Singer). In der Veltins-Arena spielten die Rock-Veteranen vor etwa gut 15 000 Fans als Headliner am Sonntag bei „Rock im Revier“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit dem Auftritt der Band Kiss endet nach drei Tagen das Festival „Rock im Revier“ in und um die Schalker Arena. 15 .000 Fans erleben eine Show, deren Stars ihr Programm routiniert, aber kühl, abspulen.

Gelsenkirchen.. Ein opulentes Festmahl für die Augen servierten die Rock-Veteranen von Kiss als Hauptgang am Sonntag. Das Konzert vor gut 15.000 Fans in der Schalker Arena bildete den stählernen Schlussakkord des dreitägigen Festivals „Rock im Revier“.

Zugegeben: In Sachen Posing kann den Meistern der Selbstdarstellung so schnell keiner das Wasser reichen. Nach 40 Jahren im Geschäft liefern die glamourösen Hardrocker den Fotografen haufenweise beste Motive – ihre monströs funkelnden Kostüme, Gitarren und Schminkmaskerade tun ihr Übriges, um diesen Eindruck zig-fach zu verstärken. Natürlich auch die kunstblutrote XXL-Zunge des Bassisten Gene Simmons, (s)ein Markenzeichen.

Technik-Feuerwerk abgebrannt

Kiss tischen wie gewohnt mächtig auf: Böller gehen durch Mark und Bein, kunterbunte Laser sezieren dicke Nebelschwaden und Flammensäulen zucken beinahe unaufhörlich meterhoch auf.

Dennoch: Der Funke will nicht so recht überspringen. Was zum einen daran liegen mag, dass dem kehligen Gesang von „Sternenkind“ Paul Stanley die Kraft jüngerer Jahre zu fehlen scheint. Oft geht seine Stimme unter oder erreicht gar nicht mehr den anvisierten Ton. Da macht Simmons, neben Stanley das zweite verbliebene Gründungsmitglied, stimmlich die bessere Figur.

Zum anderen wirkt die Interaktion mit der Kiss Army, den treuen Fans, bemüht, mitunter gar lustlos. Der Hinweis von Sänger Paul Stanley etwa auf seine deutschen Wurzeln – „My Mother was born in Berlin“ – verpufft ebenso schnell und wirkungslos wie die üppige Pyrotechnik und die Aufforderung an die Fans, Selfies an ihn zu twittern.

Etwas mehr Biss und Witz hätten dem Kiss-Zirkus nicht geschadet. Eine volle Arena sicher auch nicht.

Allerdings, auch die Fans, zumeist doch älteren Semesters, sparen mit ihrer Energie. Ihre Hände sind selten länger als ein paar Takte oben, ihr Gesang ebbt schon nach ein oder zwei Wiederholungen bei Mitbrüllern wie „Do You Love Me“ oder „I Love It Loud“ wieder ab.

Kommerziell überaus erfolgreich Kiss verlegen sich als schwerreiche Stars, die weltweit mehr als 100 Millionen Platten verkauft haben, wohl auch deshalb darauf, ungerührt ihre Klassiker in dichter Folge rauszuhämmern: „Detroit Rock City“, „Deuce“, „Calling Dr. Love“, „Lick It Up“, „God Of Thunder“ und „Black Diamond“. Letzteres Stück bildet dann die Brücke zum furiosen Finale. Den Nachtisch servieren die Amerikaner in drei Gängen: „Shout It Out Loud“, „I Was Made For Lovin’ You“ und „Rock And Roll All Nite“. Wieder knallt es, schießen Kanonen Konfettiwolken in den Stadionhimmel, wieder fahren Schlagzeug und diesmal auch Sänger Paul Stanley und Bassist Gene Simmons auf Stahlarmen hoch über die Köpfe des Publikums.

Euphorie vor und auf der Bühne ? Kaum, und wenn, nur recht kurz.

„You Wanted The Best – You Got The Best!“ hieß es anfangs. Die Schminke sitzt, aber der Lack ist so ziemlich ab muss es wohl eher heißen.