Gelsenkirchen

Kinderschutzbund startet neu

Mit der Aufschrift "Ich war nicht in Ungarn" wollen junge Vereinsmitglieder des Gelsenkirchener Kinderschutzbundes dokumentieren, dass sie mit der Unterbringung von Kindern in Ungarn nichts zu tun haben.
Mit der Aufschrift "Ich war nicht in Ungarn" wollen junge Vereinsmitglieder des Gelsenkirchener Kinderschutzbundes dokumentieren, dass sie mit der Unterbringung von Kindern in Ungarn nichts zu tun haben.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Landesgeschäftsführer wirft dem Ortsverband Gelsenkirchen vor, keine ordnungsgemäße Vereinsführung zu haben. Einsam statt gemeinsam. Versammlung wählt neue Vorstandsmitglieder

Gelsenkirchen. Es war ein Neuanfang und eine kritische Analyse zugleich. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) listete Landesgeschäftsführer Friedhelm Güthoff schonungslos die Schwachstellen im Gelsenkirchener Ortsverband im Zusammenhang mit dubiosen Geschäften auf.

Der DKSB war an der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen an intensivpädagogischen Maßnahmen der Neustart kft in Ungarn beteiligt. Der 2. DKSB-Vorsitzende Thomas Frings, der Neustart KFT gegründet hatte und gleichzeitig auch stellvertretender Jugendamtsleiter war, hatte sein Amt nach ungeklärten Abrechnungen ruhen lassen. Ebenso wie die bisherige Schatzmeisterin Anke Jedamzik. Der Verband prüft derzeit, um welche Summen es geht und ob Thomas Frings eigene Interessen bei der Zusammenarbeit verfolgt hat.

Kinder auf dem Kinderheim St. Josef

Die Kinder kamen aus dem Kinderheim St. Josef, das offensichtlich überbelegt war, um vermutlich zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen zu kommen. Die Rechnungen für die Neustart kft hatte der DKSB ausgestellt.

Im Ortsverband, meinte Güthoff, habe es an ordnungsgemäßer Vereinsführung gefehlt. So seien nicht alle Vereinbarungen auch von zwei Vorstandsmitgliedern unterschrieben worden. Nicht zu akzeptieren sei auch der Interessenkonflikt, vor dem der 2. Vorsitzende gestanden habe. Als städtischer Mitarbeiter ist er Leistungsträger und als DKSB-Vertreter Leistungsempfänger. Er warf dem Vorstand vor, bei der Unterbringung von Kindern in Ungarn nicht dafür gesorgt zu haben, dass Kinderrechte im Mittelpunkt stehen. Die Strategie des Vorstandes bezeichnete Güthoff als undurchsichtig. Die Frage „Was wollen wir miteinander?“ habe sich nicht gestellt, da die Arbeit offensichtlich personenzentriert erfolgt sei. Der Landesgeschäftsführer wählte die griffige Formulierung: „Einsam statt gemeinsam.“

Doch fand der Mann aus Düsseldorf auch lobende Worte für das Engagement vieler Mitglieder und für die zahlreichen sozialpädagogischen Beratungen, die der Ortsverband anbietet. Jeder habe seine Arbeit ernst genommen, sei bereit, aus Fehlern zu lernen. Hier lohne es sich weiter zu machen. Güthoff versicherte, an einer lückenlosen Aufklärung mitzuwirken und nichts unter den Tisch zu kehren.

Einen Katalog an guten Ratschlägen gab Güthoff dem Vorstand noch mit auf den Weg: Qualifizierung, Transparenz schaffen, Finanzierung sichern, Zuständigkeiten klären, und in der Krisenkommunikation sachlich richtig, transparent und wahr berichten.

Das Vertrauen gebrochen

Man merkt, wie sehr die Mitglieder das Thema bedrückt, in den Verdacht unseriöser Finanzgeschäfte geraten zu sein. Sie fürchten um ihre Anerkennung als Sprachrohr für die Interessen und den Schutz von Kindern. Ihre eigentliche Aufgabe ging unter in der Aufklärungsarbeit über mögliche Abzocker, die den guten Ruf des DKSB ausnutzten, um die eigenen Taschen zu füllen. Ihr Glaube an das gemeinsame Ziel, Kindern zur Seite zu stehen, wurde erschüttert durch den Vertrauensbruch eines Mitgliedes. Sie haben geglaubt, dass Vertrauen bedeutet, eine einzelne Person mit Macht ausstatten zu können. Ihr Geschäftsführer hat ihnen die Augen geöffnet. Auch Ordnung, Übersicht, Kontrolle sind neben der Gemeinsamkeit Voraussetzungen für effektive Arbeit.