Kibiz sorgt für Knies
20.06.2007 | 08:36 Uhr 2007-06-20T08:36:27+0200Verbände, Träger, Mitarbeiter und Eltern fürchten Verschlechterungen durch das geplante Kinderbildungsgesetz.Eine Veranstaltung der SPD zeigt auch: Es gibt mehr Fragen als Antworten zur künftigen Arbeit in den Kitas
Noch gut ein Jahr, dann soll das neue Kindergartengesetz in Kraft treten. Die Unsicherheit bei den Betroffenen - Mitarbeitern wie Eltern - scheint groß, wie das jüngste Beispiel zeigt: Die SPD hatte am Mittwochabend ins Awo-Begegnungszentrum an die Grenzstraße geladen, um über das so genannte Kinderbildungsgesetzt, kurz: Kibiz, zu informieren. Dicht gedrängt saßen da vor allem die Erzieherinnen, und die, das war am Applaus abzulesen, hoffen vor allem auf eines: dass der Gesetzentwurf von Schwarz-Gelb stark verändert wird, oder besser noch: scheitert.
Wie das bei Parteiveranstaltungen so ist: Neben der Information gab es die Meinung des Gastgebers gleich dazu. Die fasste Britta Altenkamp, SPD-Landtagsabgeordnete aus Essen und Bildungsexpertin ihrer Fraktion, nach gut einstündigem Vortrag so zusammen: "Kibiz ist Mumpitz."
Alfons Wissmann, Leiter des Jugendamts, wollte das nicht unterstreichen und rief dazu auf, den Gesetzentwurf "nicht in Bausch und Bogen zu verdammen". Das heutige Gesetz ("GTK") sei "zu starr", da sei es richtig, dass ein neuer Weg eingeschlagen werde, etwa deshalb, um das "Schubladendenken bei den Betreuungszeiten" zu beenden. So sollen Eltern künftig wählen können, ob ihre Kinder wöchentlich 25, 35 oder 45 Stunden betreut werden - und auch nur für diese Stunden zahlen.
Gleichwohl betonte Wissmann, dass der Gesetzentwurf "völlig intransparent" sei, was die Auswirkungen betreffe. Weder Träger noch Mitarbeiter oder Eltern wüssten, was auf sie zukomme. Niemand könne etwa vorhersehen, welche Betreuungszeiten die Eltern wählen. Das bedeute für Träger wie Kitas, dass sie - auch wegen einer neuen Pauschalisierung - finanziell und personell nicht planen könnten. Auch sein Resümee war wenig schmeichelhaft: "Das ist kein modernes Gesetz".
Dass es in Sachen Kibiz mehr Fragen als Antworten zu geben scheint, macht der Beitrag von Ilse Balbach-Westphal, Fachberaterin des ev. Kirchenkreises, deutlich. Sie will etwa wissen (kleine Auswahl): Wer zahlt den zusätzlichen Verwaltungsaufwand? Dürfen Kindergartengruppen künftig beliebig mit Kindern aufgestockt werden? Wie beliebig können Öffnungszeiten geregelt sein? Was wird aus den Kinderpflegerinnen, wenn in den Kitas künftig verstärkt Erzieher arbeiten sollen? M.M.
Die WAZ kommt in Kürze auf das Thema zurück
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