"Kein Kind zurücklassen" zeigt erste Ergebnisse

Erfahrungsaustausch (v.l.): OB Frank Baranowski, Dr. Brigitte Mohn (Vorstand Bertelsmann-Stiftung), Karl Janssen (Bertelsmann-Stiftung), Dr. Andreas Rickert (Phineo), Dagmar Eckart und Wolfgang Schreck (Jugendamt GE), Dr. Regina von Görtz und Dr. Kirsten Witte (Bertelsmann-Stiftung).
Erfahrungsaustausch (v.l.): OB Frank Baranowski, Dr. Brigitte Mohn (Vorstand Bertelsmann-Stiftung), Karl Janssen (Bertelsmann-Stiftung), Dr. Andreas Rickert (Phineo), Dagmar Eckart und Wolfgang Schreck (Jugendamt GE), Dr. Regina von Görtz und Dr. Kirsten Witte (Bertelsmann-Stiftung).
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ kann inzwischen erste Ergebnisse vorweisen. Dr. Brigitte Mohn überzeugte sich davon am Dienstag in Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen.. „Wir machen bei dem Modellvorhaben mit, weil es darum geht, jedem Kind seine Chance, jedem Menschen eine gute Zukunft zu ermöglichen. Und diese Aufgabe ist so gewaltig, dass sie nur gemeinsam mit vielen starken Partnern bewältigt werden kann“, sagte Oberbürgermeister Frank Baranowski im März 2012, als Gelsenkirchen zu einer der 18 Modellkommunen für das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ ernannt wurde.

Zu den starken Partnern gehört neben dem Land NRW die Bertelsmann-Stiftung als Projektträger. Deren Vorstandsvorsitzende Dr. Brigitte Mohn und weitere Stiftungsvertreter sahen sich am Dienstag vor Ort zwei Beispiele der praktischen Umsetzung an. Ihr Resümee nach der Stippvisite im Familienbüro und dem Besuch der Mobilen Kita (MoKi): „Gelsenkirchen ist Vorreiter beim Aufbau von Präventionsketten.“ Die Steuerung gerade im sozialen Bereich „gelingt hier vorbildhaft“.

Angebote jenseits des Regelsystems

Was man in der aktuell angespannten Lage in Gelsenkirchen natürlich gerne hörte. Gut sei, dass hier Menschen mit Überzeugung den Prozess organisieren, koordinieren und steuern würden. Gut außerdem, „dass die politische Unterstützung dafür da ist“, sagte Brigitte Mohn. Ein Ziel des Projekts „Kein Kind zurücklassen“ ist die Nachhaltigkeit dessen, was Gelsenkirchen anschiebt und bereits angeschoben hat. Das Projekt soll Strahlkraft ausüben, auf andere Kommunen übertragen werden – bzw. Teile der Maßnahmen, die anderenorts passen. Der richtige Ansatz sei, „vom Kind aus zu denken“, stellte Dr. Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung beim Abschlussgespräch fest. Unkonventionelle Angebote jenseits des Regelsystems zu schaffen – etwa die MoKi, die in erster Linie Zuwandererkinder aus Bulgarien und Rumänien besuchen – zeige, dass eine Stadt wie Gelsenkirchen mit besonderen Problemen dennoch Ansätze der Hilfe auf den Weg bringe.

Zahlen belegen bereits eine kleine Erfolgsgeschichte: 160 Mädchen und Jungen aus Südosteuropa, die meisten in der MoKi betreut, besuchen inzwischen eine Regel-Kita. Was ein weiteres Ziel des Projekts unterstreicht: das bedarfsgerechte Handeln. Was die Vorstandschefin der Bertelsmann-Stiftung an der MoKi-Arbeit beeindruckte, ist die unkonventionelle und dennoch effektive Arbeit auf niederschwelliger Basis. Flexibel und unkompliziert in freundlicher, kulturell offener Atmosphäre. Das Kompetenzprofil der Frauen, die dort im Einsatz seien, sei beeindruckend, sagte Brigitte Mohn.

In einer in der kommenden Woche erscheinenden Bertelsmann-Studie wird die Forderung nachzulesen sein, dass der Bund dort helfen muss, wo Kommunen besonders belastet sind und hohe soziale Herausforderungen dringend einer besseren Finanzierung bedürfen. Da drängt sich Gelsenkirchen als Beispiel nahezu auf.