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Nach der Steuersenkung

Kein Bonus für Hotelgäste

04.01.2010 | 18:27 Uhr
Kein Bonus für Hotelgäste

Gelsenkirchen. Statt wie bisher 19 Prozent werden ab 2010 in Hotels und Pensionen nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer für Übernachtungen fällig. Die Preise möchte zunächst aber kaum einer der Hoteliers in Gelsenkirchen senken.

Für Thomas Gladigau, Hoteldirektor des Courtyard by Marriott in Erle kommen niedrigere Übernachtungspreise auch in Zukunft nicht in Frage: „Das ist von der Bundesregierung auch gar nicht vorgesehen.” Vielmehr ginge es bei der Steuersenkung im Zuge des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes um das Schaffen von Reserven, um die Werterhaltung und um Neuinvestitionen. Sein Hotel werde Rücklagen bilden, um die Werterhaltung zu sichern, so Gladigau weiter. Für ihn ist das „wie ein Fünfer im Lotto”.

Im Art-Hotel Monopol in Buer dagegen möchte Heinz Prüsener den Hebel an drei Stellen ansetzen. „Wir müssen dringend investieren”, sagt der Hoteldirektor und denkt da ganz besonders an die Ausstattung der Zimmer und Bäder. Außerdem bekämen die Mitarbeiter ab 2010 eine bessere Bezahlung und man könne sogar über zusätzliches Personal nachdenken. Das heißt aber nicht, dass im „Monopol” die Preise konstant bleiben. Die Senkung der Übernachtungskosten ist nämlich der dritte Aspekt, der geändert wird. „Einige Firmen haben schon angerufen und sich danach erkundigt”, sagt Prüsener.

In der Pension Fründt in Hassel – eine Einzelübernachtung gibt es ab 20 Euro – denkt man nicht im Traum daran, die ohnehin schon günstigen Preise zu senken. Hier wird sich gar nichts ändern. „Investieren tun wir ständig – ob mit oder ohne Steuersenkung”, sagt die Inhaberin.

Auch im Maritim in der Feldmark ist keine billigere Übernachtung vorgesehen. Zumindest „momentan nicht”, wie von Hoteldirektor Walter Chytra zu erfahren ist. „Die Steuersenkung ist generell kein Mechanismus, um die Gewinne an die Kunden weiterzugeben”, sagt er. Trotzdem sei das eine Option. Genau so wie Gehaltserhöhungen für Mitarbeiter oder Investitionen. Eine Entscheidung der Hotelgruppe erwartet Chytra in Kürze.

Jörg Belge, Direktionsassistent im Schloss Berge, erwartet eine jährliche Ersparnis von etwa 25 000 Euro für seinen Betrieb – auch hier wird es keine Senkung der Übernachtungspreise geben. Der Betrag wird laut Belge komplett in die Ausstattung und Renovierung der elf Zimmer investiert: „Wir können die Investitionen schon ganz gut gebrauchen.”

Das Kassensystem habe man schon umgestellt. Denn während die Übernachtung fortan mit 7 Prozent zu Buche schlägt, bleibt es beim Frühstück bei 19 Prozent Mehrwertsteuer. Also müssen frühere Firmenpauschalen jetzt in zwei Beträge aufgedröselt werden. Das ist für Firmenkunden ganz besonders interessant, weil sie vom Finanzamt nur Frühstückskosten in Höhe von 4,90 Euro erstattet bekommen – für den Rest müssen sie selber aufkommen.

Kundenanfragen bezüglich Preissenkungen bei Übernachtungen habe es bis jetzt keine gegeben. „Ich bin schon gespannt auf die Reaktionen wenn wir die erste Rechnung ausstellen”, so Belge.

Das meint der dehoga-Verband:

„Dass jetzt die Hotelpreise gesenkt werden sollen, ist ein klassisches Missverständnis. Wer das glaubt, hat das Gesetz nicht verstanden”, betont Rainer Nothoff vom örtlichen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Die Mehrwertsteuersenkung solle den Betrieben die Möglichkeit geben zu investieren und Chancengleichheit in Europa schaffen. Gerade für die kleineren Hotels, die 90 Prozent des Gesamtbestandes ausmachten, besteht für Nothoff auch kein finanzieller Spielraum für Preissenkungen. Nicht zuletzt die Online-Portale hätten zu viel Transparenz und Preisdruck geführt. Empfehlung der Dohoga an die Hotels nach der Steuersenkung: „Investieren, ans Personal denken, ein wenig die Preise senken und ein bisschen auch an sich selbst denken.”

Tobias Mühlenschulte

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Kommentare
06.01.2010
02:11
Kein Bonus für Hotelgäste
von Zeche | #21

Das ist ein Skandal was hier geschieht. Da wird die Mehrwertsteuer für Übernachtungen von 19% auf 7% gesenkt, und was machen die Unternehmer, die Stecken das Geld in die eigene Tasche, statt an den Kunden weiterzugeben.
Diese Unternehmen gehören wegen hinter Schloss und Riegel, denn die Bescheißen Ihre Gäste.
Essen ist Kulturhauptstadt 2010, wenn die Gästezahl in diesem Jahr Rückläufig sind, dann sind die Hotelbetreiber selber Schuld.
Statt die Preise zu Senken, damit Gäste kommen, machen die Bosse der Bosse sich die Taschen voll.
Und wenn man ließ welche Ausreden diese Personen haben, dann kann es einem schlecht werden.
http://heinzkolb.npage.de

05.01.2010
17:40
Kein Bonus für Hotelgäste
von stoiber | #20

Der Dehoga-beitrag ist unsäglich. Der hotelsektor ist kein Bankensektor oder Mineralölgewerbe, wo der Wettbewerb nicht funktioniert. Alle werden mehr oder weniger stark die Preise senken. Und wer jetzt ein wenig an sich denkt, hat sowieso schon verloren.
Wenn ein Leiter eines großen Hotels an die Mitarbeiter denkt, wirds für die meisten eng. In diesen Häusern wurden in der Vergangenheit Hungerlöhne gezahlt. Das wird sich in Zukunft nicht ändern.

05.01.2010
13:27
Kein Bonus für Hotelgäste
von ehrlichkeit und recht | #19

Gute Frage - gute Antwort(en) ????

http://www.gutefrage.net/frage/wem-nuetzt-die-senkung-der-mehrwertsteuer-fuer-hotels

05.01.2010
10:36
Kein Bonus für Hotelgäste
von ehrlichkeit und recht | #18

„Dass jetzt die Hotelpreise gesenkt werden sollen, ist ein klassisches Missverständnis. Wer das glaubt, hat das Gesetz nicht verstanden”, betont Rainer Nothoff vom örtlichen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga.
...
Empfehlung der Dohoga an die Hotels nach der Steuersenkung: „Investieren, ans Personal denken, ein wenig die Preise senken und ein bisschen auch an sich selbst denken.”

Nix Preise senken - aber ein wenig die Preise senken ... ????????????
... und ein bisschen auch an sich selbst denken.

Rainer Nothoff (Dehoga )- heisst wohl ... nimm dir was du kriegen kannst.
Das heißt im Klartext: Nimm alles was du kriegen kannst und gib nichts wieder zurück!

05.01.2010
09:49
Kein Bonus für Hotelgäste
von ehrlichkeit und recht | #17

ZITAT
Für Thomas Gladigau, Hoteldirektor des Courtyard by Marriott in Erle kommen niedrigere Übernachtungspreise auch in Zukunft nicht in Frage: „Das ist von der Bundesregierung auch gar nicht vorgesehen.” Vielmehr ginge es bei der Steuersenkung im Zuge des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes um das Schaffen von Reserven, um die Werterhaltung und um Neuinvestitionen. Sein Hotel werde Rücklagen bilden, um die Werterhaltung zu sichern, so Gladigau weiter. Für ihn ist das „wie ein Fünfer im Lotto”.

Nun Herr Gladigau, so ist das nicht ganz richtig.
Bekanntlich hat Ihre Hoeteliersschaft aus dem Grenzgebiet zu Frankreich und der Schweiz permanent der CDU/CSU und FDP-Bundesregierung am Zipfel gehangen und unisono erklärt, durch einen verminderten Steuersatz von 6 Prozent in den anderen EU-Ländern (insbesonders im Schweizer-Französischen Grenzgebiet) einen großen Wettbewerbsnachteil zu haben und für Übernachtungen ebenfalls einen verminderten Steuersatz gefordert. Angeblich würden Übernachtungsgäste lieber in den benachbarten EU-Ländern übernachten da dort die Zimmerkosten niedriger wären.

Und jetzt - da für das (deutsche) Hotel- und Übernachtungsgewerbe der ermäßigte Steuersatz für Übernachtungen gilt behaupten Sie allen Ernstes, mit der Senkung des MwSt-Satzes für Übernachtungen verfolge die Bundesregierung ein anderes Ziel, vielmehr ginge es bei dieser Steuersenkung im Zuge des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes um das Schaffen von Reserven, um die Werterhaltung und um Neuinvestitionen. Also das Füllen der jeweiligen Geldbörsen der Hotelbranche zum Schaden der übernachtenden Gäste, die eine Senkung der Übernachtungspreise erhofft und erwartet haben.

Stimmt - für offenbar geldgierige Hotelliers wie Sie scheint das das „wie ein Fünfer im Lotto” zu sein. Hoffentlich haben sich die Hoteliers da nicht verrechnet und die Rechnung ohne die Gäste gemacht. Bekanntlich werden auch die Hotelgäste zukünftig sparen müssen und sich mehrmals überlegen ob eine Hotelübernmachtung - hier insbesonders bei Geschäftskunden - nötig und nötigenfalls entbehrlich ist. Das werden die großen Messestädte im Ruhrgebiet als erstes merken.

05.01.2010
09:24
Kein Bonus für Hotelgäste
von Banjoboy10 | #16

Die NRW-Wahl kommt!

05.01.2010
09:08
Kein Bonus für Hotelgäste
von Falko.Muenster | #15

Das Hauptargument der von der Krise arg gebeutelten Hotellerie und Gastronomie waren die Kosten. Die werden jetzt ein bisschen gesenkt. Nicht mehr und nicht weniger. Allerdings wäre ich dann auch dafür, in der Branche einen Mindestlohn einzuführen, damit die Spirale nach unten gestoppt wird. Allerdings erhöht das natürlich wieder die Kosten, die der Gast bezahlen muss. Wenn der Service dadurch besser wird, ist das für mich o.k. Ich übernachte in Hotels ohnehin nur auf Geschäftsreisen.

05.01.2010
08:58
Kein Bonus für Hotelgäste
von Theodor Rand | #14

Wenn man denen die Steuer im nächsten Jahr wieder auf 19 % hochsetzen würde, würden die Preise sofort um 20% steigen und im Vorhinein würde mit drastischem Arbeitsplatzabbau gedroht um die Steuererhöhung noch zu verhindern, die vermutlich tausende Betriebe in den Ruin treiben würde........

05.01.2010
08:48
Kein Bonus für Hotelgäste
von Genosseüberzwölfprozent | #13

wie sollen die Preise sinken, wenn der Verwaltungsaufwand für diese Steuer höher als der Gewinn sein wird. Hier hat die FDP wieder etwas auf den Weg gebracht , das J.W.Möllemann im Grab unruhig werden lässt.

05.01.2010
08:36
Kein Bonus für Hotelgäste
von das_ende_der_welt_ist_nahe | #12

na also, und wer dann noch davon träumt, daß bei einer senkung der mineralölsteuer auch die spritpreise entsprechend sinken, glaubt auch noch an den weihnachtsmann oder die fdp.

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