Kein bisschen affig

Orang Utan Kasih beim Auspacken der Geschenk-Rolle.
Orang Utan Kasih beim Auspacken der Geschenk-Rolle.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.. Stephanie Märcz packt Päckchen. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Die 29-jährige Gelsenkirchenerin sortiert Tag für Tag kleine Geschenke in Pappkartons, wickelt sie in bunte Stoffe ein, bindet ein Schleifchen drum und bringt dann den ganzen Stapel zu ihren Freunden – ins Tropen-Paradies.

Hier, in der Zoom Erlebniswelt, wird sie bereits von den zotteligen Orang-Utans erwartet. Kleine Geschenke, auch hier erhalten sie die Freundschaft. Aber nicht nur das: Päckchen auspacken, das gilt als äußerst attraktive und effektive Beschäftigungstherapie für die Menschenaffen.

Originale Affenmalerei

Schubbi, der alte Affenchef, bleibt gelassen, während die Damenwelt mit spitzen Fingern nach den Päckchen fischt. Schubbi greift erst dann zur Geschenk-Rolle, als sie ihm fast vor die Füße fällt. Dann ist das Affentheater für alle gleich: Mit geschickten Griffen fummeln die Orang-Utans die fest verschnürten Pakete auf, zerren die Holzwolle heraus und picken sich die versteckten Leckereien heraus: Hier eine paar köstliche Müslikrümel, dort eine Weintraube oder ein Stück Trockenfutter.

Beschäftigungstherapie ist aber nur ein Unterhaltungsfaktor für die stattlichen Tiere in der Erlebniswelt Asien. Auch das sogenannte „Medical Training“, bei dem die Tiere spielerisch an medizinische Untersuchungen gewöhnt werden, ist der Hit im Affenreich.

„Das geht aber nicht mit der ganzen Horde, sondern nur im Einzeltraining“, weiß die Tierpflegerin. Denn hier ist Konzentration gefragt bei den intelligenten und äußerst gelehrigen und neugierigen Primaten. Elsie ist gelehrig und neugierig und das trotz ihres Methusalem-Alters. Mit 54 Jahren ist Elsie die älteste Orang-Utan-Dame auf der Anlage. Und etwas eigen.

„Den Schubbi akzeptiert sie nicht als Chef, darum wohnt Elsie mit der 50 Jahre alten Kasih zusammen“, erzählt Stephanie Märcz.

Nur das Gitter trennt Elsie und die Tierpflegerin

Wenn’s ums Medical-Training geht, hockt Elsie immer in der ersten Reihe, Auge in Auge mit der Tierpflegerin, nur getrennt durch die Gitterstäbe. Seit einem Jahr üben beide intensiv miteinander, mit wachsendem Erfolg. Ein Handzeichen, und der Orang-Utan öffnet den Mund, steht auf, reicht die Hand durchs Gitter zum Nägelfeilen. Mit einer Ultraschallattrappe darf die Trainerin dem Affen über den Bauch fahren.

Wenn Stephanie Märcz die Spritze hochhält, dreht sich der Orang auf die Seite und zeigt ihr die kalte Schulter. Hier könnte im Falle eines Falles die Tierärztin die Injektion setzen.

Nach jeder gelungenen Übung, die mit einem Klickern angezeigt wird, gibt’s ein Stückchen Banane, eine Weintraube, ein paar Johannisbeeren. Der Affe ist in Form, darauf nimmt die Trainerin immer Rücksicht. Spaß ist ein wichtiger Faktor.

Elsie bekommt übrigens nicht nur Geschenke, sie macht auch selbst welche. Denn Elsie ist ein Kunstgenie, das mit Pinsel und Farbe trefflich umzugehen weiß. Zurzeit steckt sie in ihrer abstrakten Phase. „An den Farben kann man ihre Stimmung ablesen.“ Echte Elsies gibt’s sogar im Zoom-Shop, nicht geschenkt natürlich.