Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 14°C
Aus dem Rat

Kaum Hoffnung für Anwohner von Flöz Dickebank

24.05.2012 | 20:48 Uhr
Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.  Kaum keimte Hoffnung, folgte die eiskalte Dusche für die Mieter: Die Traditionssiedlung Flöz Dickebank in Ückendorf, erbaut ab dem Jahr 1868, wird aller Voraussicht in das Eigentum des Bochumer Immobilienunternehmens Häusser-Bau übergehen – wenn nicht noch etwas völlig Unvorhersehbares geschieht.

Nur zwei Tage nach der Verlängerung der Vorkaufsrecht-Option für die Stadt bis zum 20. Juni (die WAZ berichtete) steht damit bereits fest: Ein Erwerb durch die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft ggw ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Die erhofften Sonder-Fördertöpfe, die einen Kauf der Siedlung möglich machen sollten, gibt es nicht. Oberbürgermeister Frank Baranowski und ggw-Geschäftsführer Harald Förster informierten am Donnerstag den Rat und viele in der Sitzung anwesende Mieter über diese Entwicklung.

1500 Unterstützerunterschriften

Noch am Morgen hatte die Initiative „Neue Wege für Flöz Dickebank“ im Beisein von Baranowski NRW-Bauminister Harry K. Voigtsberger (SPD) in Düsseldorf ihr Anliegen erläutert: den Verkauf der Bergarbeitersiedlung zu verhindern. Gleichzeitig übergaben Vertreter der Initiative eine Liste mit 1500 Unterschriften und Unterstützerschreiben von Personen aus Politik und Fachwelt. Alles vergeblich, wie sich im Gespräch herausstellte.

Angst um eine Siedlung

Die Bewohner fürchten nun, dass sie mit dem Verkauf an Häusser-Bau und einer bevorstehenden Einzelprivatisierung als Mieter ihr Zuhause verlieren und Zug um Zug der soziale Zusammenhalt in der gewachsenen Nachbarschaft zerstört wird.

Investitionshaushalt von 24 Millionen Euro

Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass ein Ankauf der Siedlung weder für die ggw und noch weniger für Stadt (das ginge für maximal fünf Jahre, dann müsste weiterverkauft werden) finanzierbar sei. SPD-Fraktionschef Klaus Haertel rechnete in einer intensiven Diskussion vor: „Unser Investitionshaushalt beträgt gerade einmal 24 Millionen Euro. Wenn wir jetzt davon acht Millionen nehmen würden, um Flöz Dickebank zu kaufen, wäre ein Drittel weg. Dann wären viele andere notwendige Investitionen und Pflichtaufgaben wie der U3-Ausbau unmöglich.“

Denn auch das steht fest: Die Deutsche Annington, bisherige Eigentümerin der Traditionssiedlung , hat mit Häusser-Bau einen notariell beglaubigten Kaufvertrag über die insgesamt 180 Haushälften in Ückendorf geschlossen, der nach Ablauf der Vorkaufsrecht-Option wirksam wird. Der Preis für die Siedlung: 7,37 Millionen Euro netto, was einen Bruttopreis von ca. 8,3 Millionen Euro bedeutet. „Das ist der nicht zu verhandelnde Preis, der auch für die ggw oder für die Stadt gelten würde“, sagte Baranowski.

Intensive Suche nach Lösungsmöglichkeiten

Die Meinungen über diese Nachricht gingen auseinander. SPD und CDU bewerteten sie als das Ergebnis einer überaus intensiven Suche von Verwaltung und Politik nach Lösungsmöglichkeiten. Die Grünen ließen sich die zahlreichen Rahmendaten von Förster erklären, warum ein Ankauf der Siedlung durch die ggw nicht machbar sei. Am Ende hieß es auch von Peter Tertocha: „Eine Schieflage für die ggw darf es nicht geben.“

Und Frank Baranowski warb: „Wer einen dritten Weg kennt, der soll ihn uns mitteilen. Die Verwaltung wird ihn prüfen.“

Friedhelm Pothoff



Kommentare
25.07.2012
18:39
Kaum Hoffnung für Anwohner von Flöz Dickebank
von ostbachknatter | #3

das sind heuschrecken, vor 15 jahren haben sie das mit herne-constantin gemacht ,

25.05.2012
12:37
Kaum Hoffnung für Flöz Dickebank
von ochsenfrosch0510 | #2

.... Häusserbau, ein ganz böser Verein. Eiskalt und abgezockt........... das wars dann.... traurig...........

24.05.2012
21:53
Kaum Hoffnung für Flöz Dickebank
von Andreas45141 | #1

wer kämpft hat schon verloren, das sehe ich jeden tag in Duisburg !

Aus dem Ressort
Gelsenkirchenerin war ein Jahr als Poß-Patin in den USA
Patenprojekt
Die Gymnasiastin Ina Kleine-Bußmann verbrachte als „Botschafterin des Ruhrgebiets“ ein Jahr im amerikanischen Klamath Falls. Sie war dort als parlamentarische Patin von SPD-MdB Joachim Poß bei einer Gastfamilie und sagt: „Ich habe so viel erlebt und bin weiter gereift.“
Gäste buchen im Hotel länger
Tourismus
Gelsenkirchen ist eine Reise wert. Zumindest für 58 977 Gäste, die sich ein Zimmer in einem der 22 Übernachtungsbetriebe der Stadt nahmen. Die Zahl der Übernachtungen stieg im ersten Halbjahr um fast 20 000.
15 Millionen Euro Schaden durch Ela in Gelsenkirchen
Sturmschäden
Bei der ersten Sitzung der Stadtochter Gelsendienste zog Betriebsleiter Uwe Unterseher-Herold eine Zwischenbilanz. Demnach hat die Stadt für die Dienste von bis zu 13 Fremdfirmen bislang 850 000 Euro aufgebracht – 1,5 Millionen Euro könnten es – geschätzt – werden.
Maler stellt Schalke-Spieler als tierische Mannschaft dar
Kunst
Der Kunstmaler Wolfgang Nocke ließ sich von Schalkes Jahrhundertelf zu einem ganz besonderen Werk inspirieren. Tiere in königsblauer Kluft symbolisieren die Erfolgs-Kicker. Die so entstandene Büttengrafik mit dem Titel "Königsblau", gibt’s bei zwei Buchhändlern in Gelsenkirchen zu kaufen.
Kradfahrer übersteht lange Rutschpartie in Gelsenkirchen
Unfall
Einen großen Schutzengel und offensichtlich auch gute Schutzkleidung besaß laut Polizei ein 26 Jahre alter Motorradfahrer aus Herten, der Mittwoch in Gelsenkirchen-Erle mit seinem Zweirad stürzte und über 110 Meter weit über den Asphalt rutschte. Er wurde nur leicht verletzt.
Umfrage

Im Essener Folkwang-Museum denkt man derzeit über freien Eintritt für die Besucher nach - zumindest samstags. Im Gelsenkirchener Kunstmuseum gilt schon längst an allen Tagen: Eintritt frei. Auch ins Horster Schloss kommt man für wenige Euro in die sehenswerte historische Schau. Was meinen Sie, sollte der Eintritt zu Museen generell frei sein?

 
Fotos und Videos
Das Revier bewirbt sich um die Akademie
Bildgalerie
Sparkassen-Akademie
Holi-Festival in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
WAZ-Leser besichtigen Spedition
Bildgalerie
Transportunternehmen