Kabarettist nimmt sich Politik zur Brust

Der 1965 in Gelsenkirchen geborene und aufgewachsene Hans-Günter Butzko, alias HG. Butzko, erzählt über sein neues Programm.
Der 1965 in Gelsenkirchen geborene und aufgewachsene Hans-Günter Butzko, alias HG. Butzko, erzählt über sein neues Programm.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der gebürtige Gelsenkirchener HG. Butzko gastiert am Freitag in der Kaue Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen.. Der Kabarettist und Kleinkunstpreisträger HG. Butzko kommt zurück in seine Heimatstadt Gelsenkirchen. Zumindest für einen Abend lang. Am Freitag, 12. Juni, steht der spitzzüngige Satiriker auf der Bühne der Kaue. Mit dem 1965 als Hans-Günter geborenen WahlBerliner sprach WAZ-Redakteurin Elisabeth Höving über sein aktuelles Programm, über Inspirationen und die Liebe zum Pott.

Politisches Kabarett ist selten geworden auf den Kleinkunstbühnen? Spüren Sie bei sich und dem Publikum Politikverdrossenheit?

HG. Butzko: Hmm, wenn ich Ihnen alle Namen aller politischen Kabarettisten aufzählen würde, hätten Sie keinen Platz mehr für das restliche Interview. Aber angefangen von den Stars wie Pispers, Priol, Pelzig bis zu den noch unbekannteren Namen gibt es rund 70 bis 80 politische Kabarettisten im Land. Mindestens. Und zu jedem gehen jeden Abend Hunderte von Zuschauern. Jeden Abend befinden sich rund 10 000 Leute irgendwo in Deutschland im politischen Kabarett. Das sind aufs Jahr gerechnet Millionen. Aber Sie haben recht, es könnten gerne noch mehr sein. Verdammt, jetzt muss ich doch echt politikverdrossen werden. (lacht)

Was bringt Sie in der Politik zum Lachen – oder zum Weinen?

Butzko: Na, zum Lachen braucht man Politikern ja nur zuhören. Da wird Frau Merkel zum Beispiel gefragt, was sie im NSA-BND-Skandal zu tun gedenkt, und sie antwortet wörtlich: „Im Lichte der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses wird zu entscheiden sein, welche Schlussfolgerungen zu ziehen sind.“ Da sage noch mal einer, unsere Bundeskanzlerin würde sich um klare Worte drücken.

Wie aktuell reagieren Sie auf tagesaktuelle Ereignisse in Ihrem Programm? Wo kommen die Inspirationen her?

Butzko: Ich versuche schon, auch aktuelle Ereignisse zu beleuchten. Aber mehr inspirieren mich die komplexen Zusammenhänge. Da, wo Politik richtig undurchschaubar wird, da werde ich neugierig. Das heißt, zwischen Fifa und TTIP nehme ich gerne alles an Themen mit.

Was erwartet das Publikum bei Ihrer Super Vision?

Butzko: Ausgangspunkt ist die Regierungserklärung von Angela Merkel zur großen Koalition. Da sagte sie den Satz: „Diese Bundesregierung will die Quellen des guten Lebens allen zugänglich machen.“ Da hab ich mich spontan gefragt, wie sie es dann schaffen will, jedem von uns Zutritt in den Tresorraum der deutschen Bank zu ermöglichen. Bohrt man weiter, findet man, dass in diesem Motto noch so viel mehr gequirlter Schwachsinn steckt, dass man problemlos einen ganzen Abend was zu Lachen hat.

Welchen politischen Kabarettkollegen schätzen Sie besonders?

Butzko: Fragen Sie lieber, welche ich nicht schätze, die Liste ist sehr viel kürzer. Und die geht aber nur mich was an.

Was hat sich für Sie durch den Kleinkunstpreis 2014 verändert?

Butzko: Och ja, ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hab ich dadurch nicht gerade entwickelt. Und natürlich ist es schön, wenn eine Fernsehsendung wie die ZDF-Anstalt einen einlädt. Oder wie kommenden Samstag Dieter Hallervorden ins Wühlmäuse-Festival. Aber wie sagte mal der kluge Philosoph Oliver Kahn: „Don’t believe the hype.“ Oder war’s Schopenhauer? Ich verwechsle die beiden immer. Egal. Wichtig ist, was Jürgen von Manger mal sagte: „Mensch bleiben!“

Mitten im Ruhrgebiet auf Kohle geboren, heute an der Spree in Berlin zu Hause. Wie prägt Ihre Heimatstadt Gelsenkirchen bis heute Ihr Leben?

Butzko: Na ja, die Mentalität, diese Kumpelhaftigkeit, ruppig, aber herzhaft, unverblümt und trotzdem verbindlich, das wird man nie mehr los. Das nimmt man anfangs mit der Muttermilch auf, später mit der Pulle Bier anne Bude.

Im Stadtteil Schalke geboren, unmittelbar im Schatten der Glückauf-Kampfbahn, auch echter Schalke-Fan?

Butzko: Ja, watt denn sonz?

Im Revier sagt man schon mal locker und despektierlich: Der hat die Kappe ab! Sie haben stets die Kappe auf!

Ich renn halt so rum, also auch privat. T-Shirt, Jeans, Kappen, fertig!

Und ich seh nicht ein, dass ich mich für die Bühne verkleiden soll, also mit Sakko und Krawatte, wie es einige meiner Kollegen tun, um seriöser zu wirken.

Ich sag stattdessen immer, wer Krawatte trägt, hat freiwillig seinen Hals in die Schlinge des Kapitalismus gelegt. Entscheidend ist doch nicht, was sich auf dem Kopf abspielt, sondern innen drin.