Junge Zuwanderer sanieren die Drachenmauer in Gelsenkirchen-Bulmke

Fast fertig: Die Mauer am Drachensspielplatz, die Gilbert, Dennis, Florin und Elena gereade streichen.
Fast fertig: Die Mauer am Drachensspielplatz, die Gilbert, Dennis, Florin und Elena gereade streichen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die jungen Leute besuchen die Jugendberufshilfe der Stadt – wenn sie nicht an der VHS die deutsche Sprache büffeln.

Gelsenkirchen.. Sie soll das optische i-Tüpfelchen werden, die zuletzt herunter gekommene Mauer am Rande des neuen Drachenspielplatzes im Bulmker Park. „Ein echter Schandfleck war die“, sagen Werner Skiba und Thomas Burg vom Bulmker Forum. Aus ihrer Idee, die Mauersanierung als letztes Projekt aus dem Topf Stadtteilerneuerung Südost zu finanzieren, hat sich eine besondere Win-Win-Situation ergeben: Freiwillig und unentgeltlich haben sich junge Zuwanderer aus Südosteuropa ans Werk gemacht.

Wenn die jungen Leute nicht in der VHS Deutsch büffeln, lernen sie das Arbeitsleben am Jugendberufshilfe-Standort Schüffler Heide kennen. Schwerpunkt hier: Maler und Bauhelfer. Ideal also für die Arbeiten an der „Drachenmauer“.

Drei Tage Sschule, zwei Tage Jugendberufshilfe

Dennis (18) schwingt die Farbrolle mit Schmackes rauf und runter; Elena (17) streicht mit schmalem Pinsel den Streifen unterhalb der Mauerkopfabdichtung vor. Auch Gilbert (18) und Florin (19), wie die anderen Zwei im weißen Malerdress, sind emsig am Werk. Ein Aktivjobber dichtet derweil die Fugen am Mauerkopf ab.

Vor etwa dreieinhalb Wochen haben sie angefangen. Immer dabei: Ingo Lenzer und Maurice Bittinger, Ausbilder bei der Jugendberufshilfe der Stadt. Ihr Standpunkt ist unmissverständlich: „Jeder hat eine Chance verdient.“ Und die jungen Rumänen und Bulgaren haben sie beim Schopf gepackt. Normalerweise sind fünf bis acht zur Stelle, die an der Mauer zeigen, was sie drauf haben. Drei Tage Schule, zwei Tage Jugendberufshilfe, finanziert mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) – und am Ende eine Perspektive in der neuen Heimat. Lenzer und Bittinger haben sichtbaren Spaß an der Zusammenarbeit mit den Neubürgern. Dennis sagen die Beiden schon heute einen erfolgreichen Werdegang voraus.

Ela bremste die Mauersanierung 2014 aus

„Ist super hier“, meint der junge Mann, der mit seiner Familie seit Herbst 2014 in GE lebt. „Papa arbeitet als Minijobber im Gerüstbau“, erzählt er mit Dolmetscher-Unterstützung. Ein Bruder besucht die Schule, der andere ist in der Kita. Und Dennis selbst? Er will an der VHS einen Schulabschluss machen und kann sich vorstellen, das Malern zum Beruf zu machen.

Werner Skiba und Thomas Burg sind angetan vom Einsatz der jungen Leute. Die richtig Glück hatten. Denn: Die Mauer sollte schon 2014 saniert werden – dann kam Ela. Von der Verzögerung durch die Folgen des Horrorsturms profitieren jetzt die jungen Südosteuropäer, die vor einem Jahr noch gar nicht in Gelsenkirchen lebten.

Graffiti-Künstler Knut Köhler wird mit Schülern des Gauß-Gymnasiums einen Glücksdrachen auf die weiße Wand sprühen. Der lange Körper wird den Schriftzug „Fantasie ist unendlich“ tragen.

Rund 5000 Euro kostet die gesamte Mauermaßnahme. Mit dem Geld werden zum größten Teil die Materialkosten gedeckt.