Jürgen Hansen, Polit-Solist für die Piraten in Gelsenkirchen

Uwe Bestmann (links, ohne Sitz im Rat) und Jürgen Hansen (mit Sitz) engagieren sich für die Piraten Partei in Gelsenkirchen.
Uwe Bestmann (links, ohne Sitz im Rat) und Jürgen Hansen (mit Sitz) engagieren sich für die Piraten Partei in Gelsenkirchen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Jürgen Hansen ist Einzelkämpfer für seine Partei im Rat der Stadt Gelsenkirchen. Er beklagt die fehlende Bereitschaft der Etablierten zur Kooperation.

Gelsenkirchen.. Seit der Kommunalwahl im Mai 2014 sitzt Jürgen Hansen als Einzelkämpfer für seine Partei „Die Piraten“ im Rat der Stadt Gelsenkirchen. Nicht nur für ihn persönlich ist das Neuland; auch für seine Partei. Grund genug für die WAZ, mit dem 57-Jährigen über seine Erfahrungen in den ersten Monaten zu sprechen.

Politischer Gefangener in der DDR

Jürgen Hansen ist nicht das, was man sich unter einem typischen Piraten vorstellt. Nicht nur wegen seines Alters. Er ist Handwerksmeister im Maurer- und Betonbauerwesen im eigenen Familienbetrieb sowie studierter Betriebswirt. Er war politischer Gefangener in der DDR – aber hat keinerlei Berührungsängste mit linken Parteien. Wenn es der Sache dient, kooperiert er mit allen Demokraten.

Eben diese Bereitschaft vermisst er bei vielen anderen Kommunalpolitikern. „Bei den großen Parteien gibt es so viele persönliche Befindlichkeiten, da wirft man sich so viele Knüppel zwischen die politischen Beine. Das darf auf kommunaler Ebene einfach nicht sein. Wir müssen doch Dinge für die Stadt anschieben“, klagt er. Er sei für diese Stadt angetreten, müsse sich selbst nichts mehr beweisen. Er und seine 13 Sachkundigen in den Ausschüssen versuchten stets, sich mit allen auf der Sachebene zu verständigen. Auch Uwe Bestmann (49), sein Mitstreiter im Rathaus ohne Sitz, hat sich im Behindertenbeirat so manches Mal geärgert.

Dass ihm als Einzelkämpfer in der Opposition manche Forderung leichter über die Lippen geht als Politikern in Regierungsverantwortung, das räumt er ein. Dennoch: Die Arroganz mancher Etablierter – „vor allem aus der CDU“ – ärgere ihn sehr.

Kein Antrag bisher angenommen

Noch kein einziger seiner elf Anträge, die er zum Teil gemeinsam mit dem Wählerbündnis AUF und „Die Linke“ stellte, wurde angenommen. Darin ging es etwa um die Veröffentlichung von Audioaufzeichnungen aus Ratssitzungen, eine Positionierung gegen Fracking und die Einführung einer Wettbürosteuer. Besonders geärgert hat er sich darüber, dass er keine leerstehenden Besprechungsräume im Rathaus für Treffen mit seinen sachkundigen Mitstreitern nutzen darf. Ohne Begründung sei das abgelehnt worden, so Hansen. Jetzt muss er vor jedem Treffen Möbel rücken, damit die 13 Stühle überhaupt in sein kleines Büro passen . . .

Die Piraten haben Transparenz versprochen. Für Jürgen Hansen gehört dazu eine Bürgersprechstunde. Die darf aber nur der OB im Rathaus abhalten, deshalb wird Hansen künftig durch die Stadtteile reisen, um auch die Menschen zu erreichen, die nicht Internet-affin sind. Außerdem ist die Einrichtung eines offenen Portals geplant, durch das Bürger ihre Wünsche und Anregungen direkt an den zuständige Sachkundigen weitergeben können, die im Portal mit Netzadresse und Foto zu sehen sind.

Ausgesprochen offen und hilfreich habe sich von Anfang an die Verwaltung gezeigt, betont Hansen. Auch, wenn es um Beistand bei formalen Fragen ging. Schließlich war er ja blutjunger Anfänger auf dem Parkett der Kommunalpolitik.