In Gelsenkirchener Notgruppen sind kaum U3-Kinder

Phil und Zoe kennen sich aus ihrem eigentlichen Kindergarten, der Kita in der Nottkampstraße. Während des Streiks  besuchen sie eine Notgruppe in der Kita Vinckestraße. Ebenso wie 18 andere Kinder aus drei anderen Kitas.
Phil und Zoe kennen sich aus ihrem eigentlichen Kindergarten, der Kita in der Nottkampstraße. Während des Streiks besuchen sie eine Notgruppe in der Kita Vinckestraße. Ebenso wie 18 andere Kinder aus drei anderen Kitas.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In Gelsenkirchen sind fast 800 der 975 Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten im Ausstand. Notgruppen für Kinder gibt es in hier zwölf Kitas.

Gelsenkirchen.. Phil (4) und Zoe (6) balancieren auf den Autoreifen am Rande des großen Spielplatzes. Die beiden sind in diesen Streiktagen Gast in der Kita Vinckestraße. Eigentlich gehen sie in die Kita Nottkampstraße, in die Hexen- und die Drachengruppe, aber ihre Kita hat streikbedingt geschlossen. Und da halten die beiden sich gern aneinander, schließlich kennen sie hier sonst niemanden.

Es ist schön in dieser Kita, viel Platz zum Spielen und die Erzieherinnen sind nett – aber sie und auch die anderen Kinder sind halt fremd und da gab es Montag auch schon mal ein Tränchen, als Zoe früher abgeholt wurde und Phil „allein“ war. Auch Giulia und Celina, beide schon sechs und somit quasi auf dem Weg in die Schule, sind nicht an der Vinckestraße zuhause. Giulia kommt von der Kita Freilighrathstraße, Celina von der Kita Auf der Hardt in Bismarck. Ein bisschen verloren wirken auch sie, aber sie haben sich bereits kleine, mehrsitzige Fahrräder besorgt und haben auch Mitfahrer gefunden. Amina (drei oder vier, das lässt sich nicht ermitteln) und Lucia (2). Amina ist ebenfalls zu Gast hier.

Gute Vorbereitung der Eltern und der Notbetreuung durch Gekita

An der Vinckestraße werden an diesem Dienstag 65 Kinder in Notgruppen betreut. Die meisten gehen ohnehin in die Vinckestraße, nur etwa 20 kommen aus vier anderen Tageseinrichtungen, die streikbedingt geschlossen haben. Kinder unter drei Jahren sind nicht unter den Gästen. „Da haben die Eltern wohl andere Lösungen gefunden“ vermutet Sabine Schneider, die die Kita leitet. Auch von den „eigenen“ U3-Kindern sind nur etwa die Hälfte in der Notgruppe, 22 von 42. Sie sind in der Bärengruppe, leider sind jedoch gerade deren Erzieherinnen alle im Streik, so dass die Kleinen zwar ihre Spielkameraden kennen, aber nicht ihre Erzieherinnen. Was zu manch zuckendem Mundwinkel führte.

Die Information und Organisation im Vorfeld sei diesmal sehr gut gelaufen, Gekita habe sehr gut vorgearbeitet, betont Sabine Schneider. Am Donnerstag schon habe es Informationsblätter für die Eltern gegeben, die angeben konnten, wenn sie keine Betreuungsalternative finden konnten. Diese Zettel wurden dann Gekita gefaxt und so kam es zur Einteilung. In der Vinckestraße arbeiten an diesem Streiktag zwölf Erzieherinnen (zum Teil aus anderen Einrichtungen) plus Praktikanten, Hauswirtschaftkräften und Hausmeister. Dass die anderen streiken, finden die meisten hier gut. Obwohl der geplante freie Brückentag am Freitag jetzt ausfällt. Zur Zeit laufe alles recht gut, betont Sabine Schneider.

Wenn der Streik nächste Woche weitergeht, rechnet sie allerdings mit mehr Elternprotesten. „Eine Woche lässt sich irgendwie überbrücken, danach wird es schwieriger,“ vermutet sie. Den Streikenden wäre das sicher recht. Zwar wollen sie nicht die Eltern bestreiken – aber der Druck der Eltern könnte die Arbeitgeber antreiben.

Menschenkette rund um das Hans-Sachs-Haus geplant

Am Dienstag haben sich die Streikenden im Wissenschaftspark versammelt. In Arbeitsgruppen wurden Strategien für Streikaktionen sowie die Umsetzung der Forderungen entwickelt.

792 von 975 Mitarbeitern streiken

Sabine Korth arbeitet in der Kita Mehringstraße. Zu den Notgruppen hat sie ein gespaltenes Verhältnis: „Einerseits sehe ich die Not der Eltern, andererseits wäre der Druck und damit die Erfolgsaussicht für uns größer ohne Notgruppen.“ Aysel Dasdemir ist da kompromissloser. Die Leiterin des Familienzentrums Wiehagen sagt: „Wir brauchen Wertschätzung und mehr Geld. Wir sind heute Managerinnen für das Gesamtpaket Kind im ersten Stadium. Wir kümmern uns um Sprache, Bildung, Gesundheit, Erziehung und mehr. Auch wenn alle wissen, dass unsere Arbeit wichtig ist: Das reicht nicht! Taten sind entscheidend. Deshalb muss der Druck noch größer werden. Ohne Notgruppen.“

Nebenan textet eine Gruppe gerade Helene Fischers „Atemlos“ um, gemünzt auf die Not der Erzieher. Das wollen sie am Mittwoch ab 9.30 Uhr bei der Menschenkette rund um das Hans-Sachs-Haus singen.

Vanessa Jachmann (Kita Wiehagen) ergänzt: „Bei der Eingruppierung muss auch berücksichtigt werden, in welchem Umfeld gearbeitet wird. Bei uns im Süden ist es schwieriger als in Buer, auch die Elternarbeit, wir arbeiten viel mit dem Jugendamt. Und nehmen vieles mit nach Hause.