In Gelsenkirchen ein Zeichen setzen für den Frieden

Ein weithin sichtbares Zeichen: Das blau-weiße Banner mit der Aufschrift  „Freiheit leben. Furcht besiegen. Frieden wahren.“ hängt an der Fassade des Musiktheaters im Revier.
Ein weithin sichtbares Zeichen: Das blau-weiße Banner mit der Aufschrift „Freiheit leben. Furcht besiegen. Frieden wahren.“ hängt an der Fassade des Musiktheaters im Revier.
Foto: Martin Möller
  • Die Demokratische Initiative ruft zu Demonstration und Kundgebung am 9. November auf
  • Der Schweigemarsch führt von der Neuen Synagoge zum Musiktheater im Revier
  • Der 9. November 1938 wird als Scheitelpunkt der Novemberpogrome bezeichnet

Gelsenkirchen.. Es steht in großen Lettern zu lesen: „Freiheit leben – Furcht besiegen – Frieden wahren.“ Das Musiktheater im Revier setzt seit vielen Monaten ein deutliches, ein weithin sichtbares Zeichen in Gelsenkirchen. Hoch oben am MiR hängt das 16 mal 5,50 Meter große Banner, mit der das Haus eine klare Position in der Flüchtlingsdebatte bezieht und eine grundsätzliche Wertebotschaft in die Stadt trägt.

In diesem Jahr spielt das Musiktheater auch am 9. November eine wichtige Rolle, wenn die „Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie – Gelsenkirchen“ (DI) zum Gedenken an die Nazi-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung aufruft.

Scheitelpunkt der Pogrome

Wir erinnern uns: Der 9. November 1938 wird historisch als der Scheitelpunkt der Novemberpogrome (7. bis 13. November) bezeichnet: Nach einem Mordanschlag auf einen deutschen Diplomaten in Paris inszenieren die Nationalsozialisten sie. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ist vor allem unter dem Begriff „Reichskristallnacht“ bekannt. Jüdische Geschäfte und Einrichtungen werden demoliert, Synagogen in Brand gesteckt. Hunderte von Juden werden innerhalb weniger Tage ermordet. Diese Ereignisse markieren den Beginn der offenen Verfolgung der Juden in der Diktatur des Nationalsozialismus. Am Ende steht der Mord an etwa sechs Millionen europäischen Juden und weiteren aus rassistischen Motiven ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen.

Die DI Gelsenkirchen ruft auch in diesem Jahr wieder zu einer Demonstration und Kundgebung auf, um der Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung zu gedenken. Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 9. November, um 18.30 Uhr mit einem Schweigezug, dessen Weg von der Neuen Synagoge an der Georgstraße zum Kleinen Haus des Musiktheaters im Revier am Willi-Müller-Platz führt.

Michael Schulz ist Hauptredner

Um 19.15 Uhr beginnt dort die Kundgebung mit der Erinnerungsrede von Oberbürgermeister Frank Baranowski, dem Schirmherrn der Demokratischen Initiative. Es folgt ein Gebet zum Gedenken an die ermordeten Juden im Dritten Reich, „El Male Rachamim“, und das Gebet der Trauernden, „Kaddisch“. Die Hauptrede hält dieses Mal mit Michael Schulz der Generalintendant des Musiktheaters. Inhaltlich will er auf die Worte eingehen, die das Banner am Musiktheater zeigen: „Freiheit leben. Furcht besiegen. Frieden wahren.“. Ehe das Moorsoldatenlied den traditionellen Abschluss der Veranstaltung bildet, wird es einen Musikbeitrag von Almuth Herbst (Mezzosopran) geben. Im Anschluss besteht im Kleinen Haus des Musiktheaters die Möglichkeit für Gespräche.

Die Chance nutzen – ein Kommentar von Friedhelm Pothoff

Die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung und anderen Menschengruppen wurden in einer Gesellschaft möglich, die durch extremen Nationalismus, Rassismus, antidemokratisches Denken und letztendlich auch Kriegsverherrlichung geprägt war.

Hand aufs Herz: Wie weit sind wir heute davon entfernt?

Nationalismus wird in Bundesländern hoffähig gewählt, Rassismus auf schleichende Weise legitimiert und antidemokratisches Denken etabliert.

Wie wichtig ist es doch an dieser Stelle, sich zu bekennen: für Respekt, Toleranz und Zivilcourage und gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Der Schweigemarsch der DI ist eine Gelegenheit dazu. Ausreden gibt es immer. Chancen, wie diese, nicht so viele.