In Gelsenkirchen auf Achse mit einem echten Schwergewicht

Beim Abbiegen auf die Bismarckstraße kam der 78 Meter lange Transport den Häusern nah.
Beim Abbiegen auf die Bismarckstraße kam der 78 Meter lange Transport den Häusern nah.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
511 Tonnen Gesamtgewicht bringt der 78 Meter lange Schwertransport auf die Straße, der von Bridon zum Stadthafen fuhr.

Gelsenkirchen.. 511 Tonnen schwer, zweimal zwölf Achsen mit 202 Rädern allein an der Ladebrücke – da rollt am Dienstagabend ein wahrer Koloss durch Gelsenkirchen. An Bord: Stahlseil „Big Hydra“. Aufwändig wurde das stählerne Schwergewicht zum Stadthafen transportiert, um von dort die weitere Reise über Antwerpen bis nach Brasilien aufzunehmen.

An der Einfahrt in die Bismarckstraße wird es eng. 78 Fahrzeug-Meter, verteilt auf Zugmaschinen, Auflieger und „Gepäck“ wollen um die Kurve bugsiert werden. Ein Drahtseilakt fürs Stahlseil. Gefertigt wurde es von der Bridon International GmbH. Um 22 Uhr beginnt am Firmensitz an der Magdeburgerstraße die kurze Reise zum Zwischenstopp. An fünf Stellen muss die Richtung der Zugmaschine gewechselt, müssen die Achsen von Helfern umgestellt werden. Durch den großen Wenderadius des fünf Meter breiten Transports wäre ansonsten kein Weiterkommen möglich.

„Die Zugmaschinen haben jeweils 650 PS und ein Balastgewicht von 41 Tonnen. Das ist nötig, um das Fahrzeug überhaupt ins Rollen zu bringen“, erklärt Projektleiter Werner Altenwerth, der seit 40 Jahren für die Spedition Siefert tätig ist. Das Spezialunternehmen hatte die Organisation übernommen.

Lieferung für eine Bohrinsel vor Brasilien

3000 Meter lang ist das Stahlseil auf der Trommel. Im Gelsenkirchener Hafen, vom Schwerlastkran der Firma Siefert, wird die 250 Tonnen schwere Fracht mit zwei weiteren Trossen bald auf ein Binnenschiff geladen. In Brasilien soll es mit als Befestigung für eine Bohrinsel dienen.

Bis dorthin geht es über die Bismarckstraße, am Trinenkamp vorbei, über die Üchtingstraße und ein Stück auf der Gegenspur der Kurt-Schmumacher-Straße lang bis hin zum Ziel an der Werftstraße. Vier Stunden dauert die Tour. „Genauso viele Monate benötigte auch die Vorbereitung“, so Altenwerth.

Der Schwertransport musste mit der Polizei und Behörden abgestimmt werden. Seitenstraßen wurden abgesichert und über 200 Halteverbotsschilder aufgestellt. „Vier Streifenwagen sind im Einsatz.Teilweise haben wir sogar Ampeln abgebaut“, so Polizeisprecher Olaf Brauweiler. Abends läuft alles reibungslos. Zahlreiche Zuschauer lassen sich das Spektakel nicht entgehen, halten die Eindrücke mit Smartphones fest. „Wir hätten hier eigentlich einen Getränkestand und eine Würstchenbude aufstellen sollen“, scherzt Brauweiler.

„Seit zehn Jahren gucke ich mir die Schwertransporte an. Ich finde es immer noch richtig spannend“, erklärt der aus Horst angereiste 78-jährige Alfred Sperling. Egon Chudzicki fuhr selbst 50 Jahre einen Schwertransporter. „Das Fahren ist schon anders als mit einem Auto. Es ist sehr anstrengend.“