In der Symphonie klingt Arbeit wie Musik

Im Consol Theater in Bismarck wird fleißig geprobt für die „Symphonie der Arbeit“, in der Menschen Geräusche aus der Arbeitswelt imitieren.
Im Consol Theater in Bismarck wird fleißig geprobt für die „Symphonie der Arbeit“, in der Menschen Geräusche aus der Arbeitswelt imitieren.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Consol Theater entsteht ein spannendes Projekt. Ein Laienensemble imitiert Geräusche aus dem Berufsalltag.

Gelsenkirchen.. Wie klingt eigentlich Arbeit? Nun, sie klappert im Büro, wenn Finger über die Schreibmaschinentastatur fliegen. Sie quietscht in der Autowerkstatt, scheppert im Restaurant, rattert in der Maschinenhalle. Aus all diesen Geräuschen, die in den unterschiedlichsten Jobs entstehen, komponierte der Gelsenkirchener Pianist Michel Gees seine „Symphonie der Arbeit“. Uraufführung wird sie am 19. Juni im Consol Theater feiern.

Und wenn das Ruhrgebiet am 20. Juni in seinen Industriekulissen eine „Extraschicht“ einlegt, dann werden noch einmal Ausschnitte aus der außergewöhnlichen Musikproduktion zu hören sein. Rund 50 Akteure im Alter von elf bis 84 Jahren, fast alle aus Gelsenkirchen und der näheren Umgebung, bilden das sinfonische Ensemble.

Diese Instrumentalisten musizieren mit Händen und Füßen, produzieren mit Requisiten wie Schüssel, Topf oder Suppenkelle, mit Rechenschieber, Telefon und Stimme Geräusche aus ihrem Berufsalltag.

„Der Chef ist ein altes Ekel“

Jugenderinnerungen brachten den Musiker Michael Gees auf die Idee für das Projekt: „Da gab es einen Handwerker, der Tag für Tag vor seiner winzigen Werkstatt hockte und alte Gold- und Silberteile mit großer Hingabe auf Hochglanz polierte.“ Diese innige Freude an der Arbeit hat Gees nie vergessen: „Mit dem Projekt wollte ich untersuchen, wie Menschen heute ihre Arbeit tun.“

Wie eine echte Sinfonie hat auch diese vier Sätze, interpretiert von unterschiedlichen Gruppen. Solchen, die das Berufsleben noch vor sich haben, die mitten drin stecken oder die bereits das Rentnerdasein genießen. Im großen Finale werden alle gemeinsam der Arbeitswelt musikalisch nachspüren.

„Der Chef ist ein altes Ekel“, murmelt eine Seniorin. „Ich fühle mich nur noch gemobbt“, klagt eine andere. Kaffeelöffel drehen klirrend ihre Runden in den Tassen, eine Schneidemaschine gibt den krachenden Rhythmus vor. In der Kellerbar wird bereits seit Oktober geprobt. Gestern war die Seniorengruppe als „Bürogefangenenchor“ an der Reihe. Regisseurin Ulrike Czermak gibt geduldig den Ton an, wenn es gilt, Papier zu zerknüllen oder im Takt zu schreiben.

Arbeiter mutieren zu Klangkörpern

Ob die ungewöhnlichen Sinfoniker nach getaner Arbeit so glücklich strahlen werden wie einst der alte Handwerker? Michael Gees ist da ganz zuversichtlich, „auch wenn bis dahin noch viel schweißtreibende Arbeit bevor steht“.

Arbeiter mutieren zu Klangkörpern und Geräusche des Alltags zu Musik am Freitag, 19. Juni, um 18 Uhr bei der Symphonie der Arbeit im Consol Theater, Bismarckstraße 240. Karten kosten 5 und 7 Euro.

Weitere Vorstellungen gibt es am Samstag, 20. Juni, um 18.30 Uhr, 19.30 Uhr, 20.30 Uhr, 21.30 Uhr und 22.30 Uhr.