Immer mehr Füchse wagen sich ins urbane Gelsenkirchen

Füchse findet man längst nicht mehr nur an abgeschiedenen Orten.
Füchse findet man längst nicht mehr nur an abgeschiedenen Orten.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In den letzten Tagen sind alle sechs Kraniche in der Zoom Erlebniswelt Füchsen zum Opfer gefallen. Ein großer Verlust für den Zoo. Aber nicht nur dort, sondern im gesamten Stadtgebiet wir der Fuchs immer mehr zum Thema. Das Tier taucht immer häufiger in urbanen Gebieten auf.

Gelsenkirchen.. „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“, heißt es im Kinderlied. In der Zoom Erlebniswelt kann man zurzeit ein anderes Lied singen: „Fuchs, Du hast die Kraniche gestohlen!“ Alle sechs Schreitvögel fielen in den letzten Tagen Meister Reinecke zum Opfer. „Ein herber Verlust “, sagt Sprecherin Sabine Haas. Aber nicht nur im Zoo, im ganzen Stadtgebiet wird der Fuchs mehr und mehr zum Thema.

Früher galt die Region, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, als abgeschiedener Ort jenseits menschlicher Behausungen. Inzwischen aber sagen sich Fuchs und Hase auch mitten in der Stadt Gute Nacht. Stadtfüchse, so die Beobachtung von Bürgern, Förstern und Jägern, kommen den Menschen immer näher.

„Ich werde oft von Menschen angesprochen, die unverhofft einem Fuchs gegenüberstehen, von Zeitungsboten zum Beispiel“, sagt Stefan Lacher, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Gelsenkirchen. Auch eine Gelsenkirchener Schule alarmierte ihn kürzlich, weil ein Fuchs über den Schulhof stromerte. Auch Halter von Hühnern, Enten, Gänsen oder Kaninchen, weiß Lacher, beklagten sich über die Nähe des Fuchses.

Der Fuchs frisst fast alles

Der Grund ist klar: der reich gedeckte Esstisch. Der Fuchs frisst fast alles, was ihm so vor die Schnauze gerät, Abfälle natürlich, ob weggeworfene Currywurst oder Pausenbrote, totgefahrene Tiere auf der Straße, Mäuse, Ratten und Vögel, die am Boden brüten.

Zudem ist der Fuchs, so Lacher, sehr anpassungsfähig, stellt geringe Ansprüche an seinen Lebensraum. Auch wenn es zurzeit keine Tollwut in Deutschland gibt, besteht laut Lacher dennoch die Gefahr, dass Füchse die Räude auf andere Hunde oder den Fuchsbandwurm auf Menschen übertragen: „Das kann zu schweren Erkrankungen führen.“

In Gelsenkirchen, so schätzt der Jäger, leben rund 300 Füchse. Etwa die Hälfte davon wird pro Jahr von Jägern erlegt: „Würden Füchse nicht gejagt, würden sie sich ganz schnell explosionsartig vermehren.“ Eine Gefahr vor allem für Bodenbrüter wie Rebhühner oder Enten, aber auch für die Füchse selbst: „Sie würden kleiner, schwächer, anfälliger für Krankheiten und Seuchen.“

Achtsam im Straßenverkehr

Zu finden sich Füchse fast überall. Lacher: „Man kann sie am frühen Morgen oder abends im Dämmerlicht sehen, rund um Schloss Berge, im Nordsternpark, an der Trabrennbahn, auf jedem Friedhof, am Tierheim Erle und in vielen Gärten.“ Stehen Mülltonnen mitten in der Innenstadt, ist der Fuchs auch dort. Förster Matthias Klar: „Vor ein paar Jahren liefen Füchse noch wie Hunde über die Zentraldeponie.“ Durch die Mülltrennung und strenge Jagd sei der Bestand deutlich geringer geworden. Man nennt das Tier übrigens nicht zu Unrecht den schlauen Fuchs. Lacher: „Nur fünf bis zehn Tiere fallen im Jahr dem Straßenverkehr zum Opfer.“

Die erste Regel lautet: Bloß nicht hysterisch reagieren, wenn dem Menschen plötzlich ein Fuchs vor die Füße läuft. Jäger Stefan Lacher weiß: „Füchse greifen keine Menschen an.“

Bloß nicht füttern, lautet eine Empfehlung von RVR-Förster Matthias Klar: „Ansonsten ruhig stehen bleiben, oft flüchten die Tiere schnell wieder.

Ställe von Nutztieren wie Hühner und Gänse sollten gut gesichert werden, rät Lacher, Fressbares sollte nicht offen irgendwo herum liegen. Auch das Füttern von wilden Katzen oder Igeln im Freien sollte man eher bleiben lassen, um Füchse nicht anzulocken.

Kein Obst und Gemüse wie Erdbeeren oder Salat ungewaschen aus dem Garten essen. Lacher: „Sie könnten durch Kot und Haare von Füchsen verschmutzt sein und Krankheiten übertragen.