Ihe Antwort: Widerstand
17.06.2009 | 19:22 Uhr 2009-06-17T19:22:00+0200
„Wir sind hier, wir sind laut/weil man uns die Zukunft klaut” (Sprechchor beim Bildungsstreik)
Sie sind auf dem Bahnhofsvorplatz. Und sie sind sehr laut. Und sie sind viele. Der bundesweite Bildungsstreik erreicht am Mittwochmorgen Gelsenkirchen mit voller Wucht. Mehr als 600 Schülerinnen und Schüler sind dem Aufruf von Jungsozialisten, Falken, Grüne Jugend und DGB-Jugend gefolgt und machen sich zunächst vor dem Bahnhof für mehr Bildungschancen stark. Organisator Paul Erzkamp (Falken) bringt die zentralen Anliegen so auf den Punkt: Demokratisierung der Strukturen, kostenlose Bildung. „Die Resonanz ist toll”, sagt der Erzieher und blickt aufs Gewusel auf dem Bahnhofsvorplatz.
„Bei den Banken sind sie fix/Für die Bildung tun sie nix”
Auch Joana-Lorraine Kossmann (10) ist mit Mitschülerinnen vom Schalker Gymnasium in die City gepilgert. Warum? Da fallen der Fünftklässlerin mehre Gründe ein. Zum Beispiel: Weil sie zu viele Hausaufgaben machen müsse. Oder weil sie wegen der Schulzeitverkürzung schon jetzt so lange Unterreicht habe.
„Sozialabbau im ganzen Land/Unsere Antwort: Widerstand”
Nicht nur Schüler sind dem Aufruf zum Bildungsstreik gefolgt. Streikende Erzieherinnen erklären sich auf dem Bahnhofsvorplatz solidarisch. Und Lehrerin Eva Wanneck ist mit einer 8. Klasse der Gladbecker Anne-Frank-Realschule angereist. „Das ist Politikunterreicht live”, sagt sie und ärgert sich, dass das NRW-Schulministerium die Teilnahme am Bildungsstreik praktisch untersagt habe.
„Elite-Uni ha, ha, ha/Bildung ist für alle da”
„Viele Schulen haben sich sehr kooperativ gezeigt”, berichtet Mitveranstalter Ulrich Jacob (Jusos), während er an einem Klapptisch fast im Akkord „Teilnahme-Nachweise” an Schüler verteilt. Positive Beispiele? Bitte sehr: „Das Grillo-Gymnasium und die Gesamtschule Ückendorf.” Und auch einige (wenige) FH-Studenten seien dem Aufruf erfolgt, so Jacob.
Teilnahme-Nachweise brauche er nicht, sagt Grillo-Leiter Manfred Gast telefonisch auf WAZ-Anfrage. Es reiche eine Entschuldigung der Eltern (siehe auch unten).
„Gute Bildung, schönes Leben/Das soll es für jeden geben”
Nach einer Stunde setzt sich der Schüler-Tross in Bewegung und zieht vorbei an staunenden Passanten über die Bahnhofstraße. Doch auch Kritik wird laut: Die Schüler setzten sich für Bildung und Erziehung ein, so ist zu hören, aber hinterliessen den Bahnhofsvorplatz völlig zugemüllt.
Begleitet von der Polizei geht's ebenso stimmungsvoll wie friedlich in Richtung Musiktheater und über die Flora- und Ringstraße wieder zurück in Richtung Bahnhof.
„Wir sind hier, wir sind laut/weil man uns die Zukunft klaut . . .”
19:13
@von Telgter:
Die leise Ironie in der Forderung Reiche Eltern für alle scheint dir entgangen zu sein?
Ich finde den Spruch sehr treffend, weil es leider immer noch so ist, dass die sehr gut verdienenden Eltern ihren Kindern immer noch bessere Möglichen (dazu gehören auch Studienfahrten/Schüleraustausch) bieten können!
Da zählen dann keine Noten mehr, sondern nur noch das Geld!!
Freie Bildung für ale! Keine Studiengebühren! Ich finde es richtig, wichtig und gut, dass die Jugend endlich aufsteht und für ihre Zukunft eintritt!!
Je lauter, desto besser.
Was leben wir Jugend vor, wenn immense Werte in Form der Umweltprämie (ich lach mich scheckig) vernichtet werden, aber für die Bildung unserer Kinder kein Geld da ist?
15:35
Schade, dass das Ricarda-Huch Gymnasium aufgrund einer inkompetenten Schulleitung nicht teilnehmen durfte. Habe aber gehört, dass die was auf dem Schulhof veranstaltet haben.
19:01
1. Wo wurde die Forderung: Reiche Eltern für alle aufgestellt? Ich finde diese zwar sehr lustig und ansprechend, aber nach meinen Infos gab es diesen Spruch nicht in Gelsenkirchen.
2. Wir hatten eine riesige Teilnehmerzahl, ich vermute es wird Bezug zu einer anderen Veranstaltung genommen außerhalb von Gelsenkirchen.
3. Wie es weiter geht wird sich zeigen, erstmal steht die Großdemo in Düsseldorf an.
Paul
17:28
Viele Forderungen waren dümmlich (z.B. :Reiche Eltern für alle!), einige gut und zielführend, Erprobungsstufenschüler-/innen sicher missbraucht. Die geringe Teilnehmerzahl spricht dshalb Bände. Hoffentlich schieben die Veranstalter jetzt Abendveranstaltungen, wie z.B. Podiumsdiskussionen, nach. Erst an der Teilnehmerzahl daran wird aufrichtiges Interesse und Engagement abzulesen sein.
13:19
Auch die Schokofront eine Gruppe gegen Rechts beteiligte sich aktiv an der Demonstration in Gelsenkirchen sowie in vier anderen Städten (Essen. Dortmund, Duisburg, Krefeld). Pressebeauftragter der SchokofrontTom Kreuzer sagte: Die Rechtsextreme Szene lebt nur davon das das Bilddungssystem krankt. Wie heißt es so schön mehr Bildung für Faschisten damit sie bald wissen das der Nationalsozialismus die schrecklichste Zeit in der deutschen Geschichte war. SchokoHasi meinte dazu nur: Auch schon in unseren Bildungssystem finden wir eine sehr starke Ausgrenzung von Menschen Gruppen wie z.B. Menschen mit Behinderung oder Sozial benachteiligte Menschen. Für mich fängt hier schon der kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexsismus, Nationalismus und Faschismus an.
00:24
Ich kann diese Aktion nur als positiv bewerten, da die sonst so als unpolitisch diffamierte Jugend endlich für ihre Rechte aktiv eintritt!
Der Pisa-Studie zum Trotz, meine Hochachtung und Solidarität für euer Anliegen!
19:54
Der Bahnhofsvorplatz wurde auch wieder vom Orga Team aufgeräumt hinterlassen. ;)
Paul