Ich teile gern
09.11.2008 | 18:35 Uhr 2008-11-09T18:35:00+0100
Laternenumzüge, Martinsmärkte und Mantelteilung: Keine Frage, Gelsenkirchen hat Sankt Martin gefeiert, im Bulmker Park, im Revierpark und am Augustinushaus. Ein guter Zeitpunkt, um an Kinderarmut, Integrationsprobleme und mangelnde Solidarität zu erinnern
„Armut ist ein Skandal, Kinderarmut erst recht!” Mit diesen Worten eröffnete Rüdiger Höcker, Superintendent des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid, die Martinsfeier im Revierpark Nienhausen. Es war ein guter Zeitpunkt, den Höcker da gewählt hat. Denn es ging nicht nur um ein christliches Fest sondern auch und vor allem darum, die Kampagne der Evangelischen Kirche von Westfalen vorzustellen. Ihr Thema: Kinderarmut in Deutschland.
„Lasst uns nicht hängen”, lautet das Motto, das die Menschen für das Problem zunehmender Kinderarmut sensibilisieren soll. „Gerade am Tag des Heiligen Martin sind wir alle aufgerufen, unsere Stimme gegen Kinderarmut zu erheben”, erklärt Höcker. Schließlich sei Sankt Martin nicht nur ein Fest der bunten Laternen, leckeren Brezel und des gemeinsamen Singens. „Bis heute können wir von Martin lernen, dass wir teilen müssen, damit alle Menschen am Leben teilhaben können.”
Doch dieser Gedanke findet in der heutigen Ich-Gesellschaft kaum noch Platz, oder? „Ich teile gern”, sagt der kleine Jonas selbstbewusst und beißt in sein Martinsbrezel. Das hat er heute umsonst bekommen, genauso wie all die anderen Kinder, die hier gemeinsam Sankt Martin feiern.
Und während Jonas mit seinen Freunden dem Martinsumzug hinterher läuft, schwingt er fröhlich seine Maus-Laterne. Es scheint, als hätte Jonas nicht nur ein gutes Herz, sondern auch hellseherische Fähigkeiten.
So zeigt nicht nur seine Laterne, sondern auch das Logo der Kampagne eine kleine graue Maus. Nur eines ist anders: Die Kampagnen-Maus hängt kopfüber zu Boden. „Wir haben lange um ein treffendes Symbol gerungen. Dieses ist einfach zu verstehen und deutet zudem auf den Schirmherrn der Kampagne hin: Christoph Biemann.”
Ein Glücksgriff, davon ist Höcker überzeugt. Schließlich sei Biemann durch die Sendung mit der Maus jedem Kind bekammt und könne so die einjährige Kampagne gut unterstützen: „Armut hat es immer gegeben. Aber heute haben wir die Möglichkeit, ihr entgegenzuwirken.”
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