„Ich bin längst in Gelsenkirchen angekommen“

Stadtrat Dr. Manfred Beck (2.v.l.), Dezernent der Stadt Gelsenkirchen für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration, stellt den Integrationsrat in Gelsenkirchen vor: im Bild v.l. Aydin Kilinc (2. Stellvertreter), Melek Topaloglu (Vorsitzende), Manfred Fokking (Geschäftsführer) und Fazile Rauf (1. Stellvertreterin).
Stadtrat Dr. Manfred Beck (2.v.l.), Dezernent der Stadt Gelsenkirchen für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration, stellt den Integrationsrat in Gelsenkirchen vor: im Bild v.l. Aydin Kilinc (2. Stellvertreter), Melek Topaloglu (Vorsitzende), Manfred Fokking (Geschäftsführer) und Fazile Rauf (1. Stellvertreterin).
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Mitglieder des Integrationsrates in Gelsenkirchen werben für Verständigung. Brückenfunktion zu Menschen mit Migrationshintergrund. Weibliche Doppelspitze. Kulturdezernent Dr. Beck: „Zuwanderung ist ein Gewinn“

Gelsenkirchen.. In Gelsenkirchen hat jeder dritte Bürger eine Zuwanderungsgeschichte. Die multikulturelle Gesellschaft gibt der Stadt nicht nur ein buntes Gesicht. Im letzten Jahr konnten die Statistiker zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen Zuwachs der Bevölkerung melden. Die Politik hat auf die Vielfalt der Nationen reagiert und die Gemeindeordnung 2009 novelliert. Integrationsräte sind seit sechs Jahren als festes Gremium vorgesehen. In Gelsenkirchen wurde es im letzten Jahr in Direktwahl ermittelt.

Dass Politik häufig nur Männersache sein soll, widerlegen die Mitglieder des Integrationsrates. Sie treten mit der Vorsitzenden Melek Topaloglu und der Stellvertreterin Fazile Rauf als weibliche Doppelspitze auf. Zweiter Stellvertreter ist Aydin Kilinc.

Bildungs- und Kulturdezernent Dr. Manfred Beck, in dessen Ressort auch der Bereich Integration fällt, sieht den Integrationsrat als Gremium für Mitbestimmung am politischen Leben in der Stadt: „Er kann die Belange von Menschen vertreten, die mittlerweile Deutsche sind und hier ihre Wurzeln haben.“ Das Ziel des Gremiums sei identisch mit der städtischen Politik: „Wir wollen, dass alle Bürger mit unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Hautfarbe in ihrer Heimatstadt friedlich zusammenleben. Zuwanderung ist ein Gewinn.

"Ich muss mich nicht für einen Stuhl entscheiden"

Melek Topaloglu weiß, wie eine Kommune funktioniert, kennt die politischen Spielregeln: „Ich bin hier aufgewachsen und längst angekommen, weiß, wie man etwas bewirken und die richtigen Organe ansprechen kann.“ Die 44-jährige Erziehungswissenschaftlerin sieht den Integrationsrat in einer Brückenfunktion, der Vernetzungsarbeit leisten und das Leben für alle Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aufwerten und erleichtern könne. Topaloglu: „Die Migranten-Selbstorganisation sitzt mit im Boot. Wir verstehen uns auch als Kooperationspartner mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und Unwissenheit zu beseitigen.“

Über eine multinationale Zuwanderungsgeschichte weiß Fazile Rauf, die 2. Vorsitzende, zu berichten. Die 22-Jährige machte ihr Abitur an der Gesamtschule Ückendorf, studiert Sozial- und Erziehungswissenschaften. Ihr Vater ist Kurde, musste aus dem Irak fliehen. Die Mutter stammt aus der Türkei, der Opa aus Georgien: Fazile Rauf: „Ich bin in Gelsenkirchen in einen katholischen Kindergarten gegangen, möchte aktiv sein, mich einmischen und zwischen den Kulturen vermitteln. Ich muss mich nicht für einen Stuhl entscheiden, ich sitze auf beiden.“

Aydin Kilinc (45) wünscht sich gegenseitigen Respekt zwischen den Bürgern. Er will sich dafür einsetzen, dass eines Tages auch im öffentlichen Bereich 30 bis 35 Prozent Migranten vertreten sind.