"Ich bin kein Schmusereiter"
18.04.2008 | 19:49 Uhr 2008-04-18T19:49:07+0200Eine Woche vor seinem Bühnenjubiläum in den Dortmunder Westfalenhallen gibt Olaf Henning Einblicke in die letzten zehn Jahre als Schlagerstar - und als Normalo in seinem Reihenhaus im Pott
WAZ-INTERVIEWUm's zum zehnjährigen Bühnenjubiläum mal so richtig krachen zu lassen, hat sich Olaf Henning selbst das wohl größte Geschenk gemacht: Den Versuch, die Westfalenhallen in Dortmund auszuverkaufen. Es sieht gut aus, verrät er WAZ-Mitarbeiterin Kathrin Hugenschütt im Vorfeld.
Von Null auf Platz Acht ist "Cowboy und Indianer" in die Charts geschossen. Derselbe Song, der vor acht Jahren total gefloppt ist. Wie erklärst Du Dir das?
Henning: Die Menschen waren wohl noch nicht reif für den Song, den Lassotanz wollte noch keiner tanzen. Das richtige Lied muss eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber wenn ich das Rezept dafür wüsste, wäre ich Hitschreiber.
Und nun laden Teenies nicht nur Tokio Hotel sondern auch Olaf Henning auf den Ipod.
Henning: Ich bin selbst baff, was uns da gelungen ist. Aber ganz ehrlich: Der Karneval hat unwahrscheinlich viel gebracht. Allein im Januar hatte ich bestimmt 100 Auftritte. Bei der "The Dome"-Aufzeichnung für RTL 2 haben mir 9000 Teenies zugekreischt. Das war schon komisch. Aber der Schlager ist auch poppiger geworden, damit lässt sich auch die jüngere Zielgruppe erreichen.
Hört sich nach einem vollen Terminkalender an...
Henning: Letztes Jahr waren es 313 Auftritte. Meist bin ich von donnerstags bis samstags auf Tour. Zwischendurch war ich zwei Wochen in Urlaub auf Fuerteventura. Dann wurd's aber auch langsam wieder Zeit. Ich liebe es einfach auf der Bühne zu stehen.
Fliegst Du noch regelmäßig nach Mallorca, wie es sich für einen Schlagerstar gehört?
Henning: Jeden Montag von April bis Oktober steh ich im Rio Palace auf der Bühne. Abends flieg' ich hin und morgens zurück. Ich bin gerade mal 15 Stunden auf der Insel, dann geht's auch schon wieder heim. Das ist echt Hardcore und ein großer Aufwand. Aber es rechnet sich - schließlich erreiche ich da ganz Deutschland.
Mit dem Lebensstil wird man aber keine 100 Jahre.
Henning: (lacht) Zigaretten und Wasser! Und zum Ausgleich verbringe ich Zeit mit der Familie: In den Zoo fahren, auf der Terrasse sitzen und grillen oder einfach ein Bier mit Freunden in der Stammkneipe. Da bin ich der Normalo.
Stehen dann nicht sofort die Fans auf der Matte?
Henning: Auf der Bahnhofstraße wird man schon erkannt, aber mir macht das nichts. Mittlerweile hab ich 'nen Blick dafür, da geht dann bei Pärchen meist der Ellenbogen in die Seite. Oder im Geschäft schaut mich die Kassiererin entgeistert an: "Herr Henning? Sie gehen einkaufen?" Ja, ich hab auch mal Hunger!
So lange sie nicht vor deiner Tür campieren, klingt das ja eigentlich ganz nett.
Henning: Naja, jeden Tag klingeln schon ohne Ende Kinder an meiner Tür, malen mir sogar Bilder. Das ist ja auch völlig in Ordnung, nur sonntags bitte nicht. Aber das haben sie mittlerweile verstanden. Ich fühl mich wohl in meinem Reihenhaus im Pott, ich brauch keine Finka.
Ist die Rente denn mittlerweile gesichert?
Henning: Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass es irgendwann vielleicht mal nicht mehr läuft. Ich bin noch lange nicht da, wo ich hin will. Ich habe schon wieder drei Knaller fertig produziert.
Welche Zutaten braucht ein Schlager, damit er ein Hit wird?
Henning: Einen guten Schlager muss man mitsingen können. Den muss man zwei Mal hören und ihn dann im Kopf haben. Kunst machen andere. Selbstverwirklichung machen andere. Ich will keine komplizierte Nummer. Ich will's lustig und einfach. Deshalb singe ich am liebsten über Liebe, nichts Problembehaftetes. Vom Text her mag ich Bildergeschichten. Bei die "Manege ist leer" hab' ich sofort einen Zirkus vor Augen, bei "Herzdame" ein Kartenspiel und bei "Cowboy und Indianer" den wilden Westen.
Na, der wilde Westen herrscht ja auch in deiner Branche. Im Krieg um die Schlagerkrone fallen ja schon mal bissige Worte.
Henning: Ach, es gibt so viele Könige. Ich stehe für mich. Ich hab ein paar Goldene an der Wand und 'ne Echo- Nominierung, ich mach mein Ding. Aber ich bin auch kein Schmusereiter, ich sag was ich denke. Trotzdem: Das ganze Rumgehacke ist doch einfach nur grauenvoll. Sollen die sich doch alle um die Krone schlagen.
Spielen illegale Downloads aus dem Internet auch bei Schlagern eine Rolle?
Henning: Mir ist das doch scheißegal. Hauptsache ihr hörts und tanzt drauf. Da kann man eh nix gegen tun. Ich freu' mich doch, dass die Leute so drauf abgehen. Nur signieren tue ich die gebrannten CDs grundsätzlich nicht.
Was steht denn im Moment sonst so noch auf dem Programm?
Henning: Im Moment viel Proben für das Jubiläumskonzert in den Westfalenhallen. Da sind wir mit 30 Mann auf der Bühne: eine große Bigband, Chor, Tänzerinnen. Normalerweise mache ich ja immer Halbplayback und singe live. Am liebsten würde ich natürlich immer mit Band spielen, aber bei sieben Auftritten am Abend ist das schlichtweg unmöglich.
Die Westfalenhallen sind aber schon eine hohe Hausnummer. Hast du keine Angst, am Samstag vor halbleerer Kulisse zu spielen?
Henning: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 12 000 Leute gehen rein, das ist schon 'ne Menge, auch wenn der Vorverkauf besser läuft als erwartet. Aber darum geht's gar nicht. Wir wollen es für uns persönlich mal so richtig krachen lassen. Ein Querschnitt durch zehn Jahre Olaf Henning und Cover mit denen keiner rechnet. Ich mache ein Duett mit Jürgen Drews; Isabell Varell, Micky Bruehl und einige andere werden zu Gast sein. Eine zweieinhalb-Stunden-Show - das wird einfach ein geiles Gefühl.
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