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Hygiene auf dem Präsentierteller

24.05.2011 | 17:54 Uhr
Hygiene auf dem Präsentierteller
Foto: Knut Vahlensieck

Gelsenkirchen.   Die Verbraucherminister haben beschlossen, dass Kunden von Gaststätten Informationen über die hygienischen Zustände vor Ort erhalten sollen - mittels der so genannten Restaurant-Ampel. In Gelsenkirchen sind die Fachleute geteilter Meinung.

Die Hygiene-Ampel kommt. Das Wie und Wann steht noch nicht genau fest, aber sie kommt. Die Verbraucherminister haben beschlossen, dass Kunden von (zunächst nur) Gaststätten klare Informationen über die hygienischen Zustände vor Ort erhalten sollen. Eine in Grün, Gelb und Rot unterteilte Skala an der Tür soll in Zukunft Auskunft darüber erteilen, ob Hunger und Durst bedenkenlos gestillt werden, oder ob lieber die Flucht ergriffen werden sollte.

Veterinäramt kontrolliert auch ohne Hygiene-Ampel

„Ich habe keine Angst davor“, sagt Sandro Calasso, Betreiber der Gastronomie Schlegelkrug an der Franz-Bielefeld-Straße in Schalke. „Seit sieben Jahren bin ich jetzt im Schlegelkrug und habe noch nie Probleme gehabt.“ Während seiner Zeit im ehemaligen „Branco am Dom“ seien zwei Mal Kontrolleure aufgeschlagen, während der letzten zwei Jahre gar nicht. Die Ampel sei sogar gut für ihn: „Das ist ja Reklame für mich.“

3000 Betriebe in Gelsenkirchen werden auch ohne die Hygiene-Ampel schon vom Veterinäramt kontrolliert. Die Palette reicht vom Metzger über den Friseur bis hin zum Schuhgeschäft. „Überall, wo Dinge mit der Haut in Kontakt kommen, muss geprüft werden“, sagt Stadtsprecher Oliver Schäfer. Wie oft, das hänge von der Risikobewertung ab. Das Schuhgeschäft werde freilich nicht so häufig kontrolliert wie der Metzger, bei dem Kontrolleure drei bis vier Mal im Jahr aufschlügen. Für Restaurants sind jährlich bis zu zwei unangekündigte Besuche vorgesehen. Das sei europaweit geregelt.

Acht Totalschließungen in 2010

Auf der Matte stehen dann immer zwei Kontrolleure. In vier Gelsenkirchener Bezirken sind insgesamt acht von ihnen unterwegs. Nach zwei Jahren verlässt einer das Team und wird ersetzt. So hielten sich Routine und ein „frischer, unbefangener Blick“ die Waage, sagt Schäfer. Ein unhygienischer Betrieb kann kurzfristig (1 Stunde), aber auch langfristig gesperrt werden. Acht Totalschließungen im Gastrobereich habe es 2010 gegeben - wegen mangelnder Sauberkeit. Ob sich an dem bisherigen Prozedere etwas ändert, könne die Stadt noch nicht sagen, weil die Richtlinien für die Hygiene-Ampel noch fehlten.

Meinung
„Nur eine Momentaufnahme“

„Das Problem ist, dass es sich bei der Hygiene-Ampel nur um eine Momentaufnahme handelt“, sagt Rainer Nothoff, Geschäftsführer der Gelsenkirchener Niederlassung der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband). Es sei verkehrt, anhand einer einzigen Überprüfung einen Betrieb zu klassifizieren. Nothoff vermisst dabei die Fairness, hält die Ampel jedoch für den Verbraucher für interessant. Aber: „Ich weiß nicht, wie so ein System funktionieren soll.“

Gewerkschaft fordert auch Sozialstandards abzufragen

„Es muss eine doppelte Ampel geben“, fordert Yvonne Sachtje, Geschäftsführerin der Gewerkschaft-Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Ruhr. „Auch Sozialstandards müssen abgefragt werden.“ Denn gerade im Bereich Gastronomie gebe es geringe Löhne und überlange Arbeitszeiten. Sie schlägt vor, zu den Kontrollen den Arbeitsschutz mitzunehmen.

„Man braucht keine Ampel. Bei Rot muss geschlossen werden“, findet Achim Kaufmann, Wirt des König-City am Heinrich-König-Platz in der Altstadt. Die Kontrollen seien perfekt. Auf der anderen Seite könnte die Ampel die schwarzen Schafe dazu animieren, ihren „Betrieb sauberer zu halten“. Ayhan Gencaslan, Geschäftsführer vom Café Extrablatt an der Arminstraße, hofft auf ein „ordentliches Konzept“ hinter der Ampel. Generell sei die Idee gut.

Redaktion

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