Heßler-Markt bietet frische Ideen fürs Viertel

Fleisch und Wurst bekommt der Heßler Markt von einem lokalen Produzenten. Der ehemalige Edeka-Standort  wird jetzt von der Gafög weiter geführt.
Fleisch und Wurst bekommt der Heßler Markt von einem lokalen Produzenten. Der ehemalige Edeka-Standort wird jetzt von der Gafög weiter geführt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Heßler-Markt der Gafög legt einen prima Start hin. Das Motto „anders aber gut“ gilt auch für Mitarbeiter, die der Langzeitarbeitslosigkeit entkommen wollen.

Gelsenkirchen.. Die „Krönung“ für 3,99 Euro, Frischwurstaufschnitt für 59 Cent pro 100 Gramm – mit seinen Eröffnungsangeboten liegt der „Heßler-Markt“ nicht viel anders als die Konkurrenz, aber sicher auch, wie er in der Eigenwerbung verspricht, „gut“. Doch im Laden am Fersenbruch 28 geht es zusätzlich um die inneren Werte: Das Geschäft ist auch ein Arbeitsmarktprojekt, bietet Langzeitarbeitslosen Chancen auf den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt.

Die Gelsenkirchener Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög hat entsprechend hinter den Kulissen die Regie übernommen, gefördert wird das Projekt vom Land, vom Integrationscenter für Arbeit, der Stadt, aber auch mit Mitteln der Europäischen Union. Der theoretische Überbau dürfte den meisten Kunden egal sein. Sie freuen sich, dass in Heßler eine Nachfolgeregelung für den im Mai geschlossenen Edeka Markt gefunden wurde.

Und letztlich ist der Heßler-Markt, nun ja, erstmal ein ganz normaler Laden, der gegenüber dem Vorgänger ordentlich an Attraktivität zugelegt hat: „Es ist sehr schön geworden, Fleisch, Wurst, Käse, Gemüse, alles da. Und auch die Übersichtlichkeit ist besser“, finden Rolf und Marlies Blex am Freitag.

Bücherschrank im Eingangsbereich

Tags zuvor hat der „Heßler-Markt“ eröffnet und auf 450 Quadratmetern Handelsfläche einen ersten Ansturm erlebt. „Wir hatten 300 Würstchen für den Grill, die waren alle weg. Ebenso unsere kleinen Präsente. Außerdem gab es ein Gewinnspiel, das haben die Kunden gut genutzt“, sagt Anne Duwe, die Marktleiterin.

Mit ehemaligen Edeka-Kräften, Neueinstellungen und Projekt-Mitarbeitern baut sie, unterstützt von Heike Hennig, das neue 18-köpfige Ladenteam (verteilt auf 13,5 Stellen) auf. Die letzten Arbeitstage vor der Eröffnung waren lang für Duwe. „Ich war bis 21.30 Uhr hier, es war noch so viel zu tun.“ Dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen: Die Gänge zwischen den Regalen sind weitläufig, das Sortiment ist übersichtlich angeordnet, die Gemüsetheke gut gefüllt, nahe der Wursttheke stehen zwei Sesselchen – falls mal jemand beim Einkauf eine kurze Verschnaufpause einlegen muss.

Die Gafög hat im Vorfeld bei potenziellen Kunden erfragt, was sie sich von einem Marktangebot in ihrem Viertel wünschen. Der Bücherschrank im Eingangsbereich ist ein Ergebnis: Helen Fielding („Hummer zum Dinner“) steht nun dort auf vollgepackten Regalen neben Vargas Llosa („Lob der Stiefmutter“) zum Tausch und Mitnehmen. Das Mobiliar wurde weitgehend von eigenen Gafög-Kräften getischlert, auch der Innenumbau lief im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahmen.

Mit der Zeit wollen Anne Duwe, die lange bei Rewe verantwortlich gearbeitet hat, Hennig und ihre Mitarbeiter Schritt für Schritt weitere Angebote entwickeln. Dann soll auch das Lieferdreirad zum Einsatz kommen, das extra angeschafft wurde. Zunächst geht es aber um die kleinen Dinge, die aus Sicht der Kunden noch fehlen. „Wir haben eine Liste ausgelegt“, sagt die Marktleiterin. Was die Leute bislang vermissen? „Tücher für den Wäschetrockner. Oder Radler“, sagt Duwe. Nichts, was sich nicht schnell ordern ließe.

„Das hat jetzt Atmosphäre, man fühlt sich wohl“

Von der Schalker Straße sind Erika und Arno Stachowiak Freitag zum Einkaufen in den Heßler Markt gekommen. „Donnerstag haben wir uns das schon hier angeschaut und gesagt, wir kommen wieder“, erzählen beide. Ihr Eindruck: „Sehr positiv. Vorher war hier ja alles ein bisschen verstellt. Das hat jetzt Atmosphäre, man fühlt sich wohl. Es ist freundlich, das kann man nur weiter empfehlen.“

Ähnlich sieht es ein älterer Herr, der aber lieber „anonym“ einkaufen möchte: „Das ist besser als vorher. Ich wohne hier in der Nähe, ein Auto habe ich nicht. Deshalb ist es wichtig, dass es so ein Angebot gibt.“ Freitag gegen 10.30 Uhr ist er schon „zum zweiten Mal an diesem Vormittag“ im Heßler-Markt. „Fleischwurst, Käse, Kochschinken holen“, sagt er und grinst. „Ich bin noch mal geschickt worden. Wie das so ist, damit ich zuhause nicht im Weg rumsitze.“

An der Kasse sitzt Freitag Nicole Reichel. Für sie ist die Markt-Eröffnung ein ganz persönlicher Neuanfang. Über eine Zeitarbeitsfirma hatte sie zumindest „für sechs Wochen noch einen Job bei Edeka“ bekommen. Der Markt schloss bekanntlich, ihre Perspektiven schwanden. Doch dann habe es geklappt mit einer festen Stelle. Entsprechend groß ist die Freude über die neue Perspektive.