Gute Noten für das Gelsenkirchener Handelsangebot

Gutes Handelspflaster: Blick von der Volksbank Gelsenkirchen-Buer in die Fußgängerzone.
Gutes Handelspflaster: Blick von der Volksbank Gelsenkirchen-Buer in die Fußgängerzone.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Bestandsaufnahme zeigt: Als Einkaufsstadt kann sich Gelsenkirchen behaupten. Doch die Kaufkraft ist gering. Sortimentslücken bei Spielwaren, Sport und Möbeln.

Gelsenkirchen.. Es gibt Botschaften von Gutachtern, die Politik und Verwaltung, aber auch Wirtschaft und Kaufmannschaft gerne hören. Solche wie diese: „Für Buer und die Gelsenkirchener Innenstadt gibt es eine gute Arbeitsteilung. Für solch eine bipolare Struktur hat uns das überrascht, denn wir haben eine sehr gute Verteilung im Einzelhandel festgestellt.“

Die Bewertung stammt von Szymon Smolana. Er gehört zum Stadtforschungs-Büro „Junker und Kruse“ aus Dortmund, das für die Stadt Handel und Wandel in Gelsenkirchen analysierte. Ihr Auftrag: der Entwurf zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts. Vor rund sieben Jahren erfolgte die letzte Bestandsaufnahme.

In den Bezirksvertretungen und jetzt auch im Stadtplanungsausschuss wurden Ergebnisse präsentiert. Die zeigen: Als Einkaufsstadt hat sich Gelsenkirchen vergleichbar gut behauptet, auch wenn die Leerstandsquote auf bis zu 10 Prozent gestiegen ist. „Sehr gute Angebotsausstattung“ zeigten sich demnach in den Warengruppen Bekleidung, Wohneinrichtung und im Bereich Glas, Porzellan, Haushaltswaren. „Einige quantitative Angebotslücken“ machen die Gutachter dennoch aus. „Arrondierungsspielräume“ sehen sie bei Nahrungs- und Genussmitteln, insbesondere bei „der qualitativen Verbesserung“ des Angebots durch die Ansiedlung von Lebensmittel-Vollsortimentern. Hier sei Gelsenkirchen, so die Analyse, Discounter-lastig.

1325 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von rund 379.000 Quadratmetern

Zudem sehen die Experten teils deutliche Entwicklungspotenziale in den Warengruppen Spielwaren/Hobbyartikel, Sport und Freizeit“, aber auch für Elektronik und Baumarktsortimente sowie besonders im Möbelbereich. Vor dem Hintergrund der Expansionspläne von Ikea sollten die Entwicklungschancen in diesem Segment ausgelotet werden. Allein: Die Ikea-Entscheidung ist gefallen, den Möbelriesen zieht es bekanntlich mit einem neuen Haus ins Städtedreieck Bottrop-Gladbeck-Gelsenkirchen.

Mit 1325 Einzelhandelsbetrieben und einer Verkaufsfläche von rund 379 000 Quadratmeter präsentiert sich Gelsenkirchen aus Smolanas Sicht als „überwiegend ausgeglichener Angebotsstandort“. Ein Viertel der gesamten Verkaufsfläche und über 90 Prozent der Betriebe konzentrieren sich auf die Hauptzentren GE-City und Buer. „In anderen Revierstädten liegen diese Werte deutlich schlechter“, so Smolana.

Rund 1,3 Milliarden Euro Kaufkraftpotenzial weist die Stadt auf. Hier werden die Schwächen deutlich – denn im bundesweiten Vergleich ist das Kaufkraftniveau mit einer Kennziffer von 90,6 unterdurchschnittlich. Und: Längst nicht jeder Gelsenkirchener gibt sein Geld auch hier aus. Hier macht sich die räumliche Konkurrenzsituation und die Nähe zu Oberzentren wie Essen, Bochum und Dortmund bemerkbar. Dennoch: Auf 1,12 Milliarden Euro Jahresumsatz kommt der lokale Handel. Schwächen in der Versorgung macht das Gutachten übrigens lediglich in Teilen von Ückendorf und der Feldmark aus.

Experten sehen Entwicklungschancen für Heßler

Gelsenkirchen City und Buer sind die Hauptzentren der Stadt, die Cranger Straße in Erle, Essener Straße sowie Markenstraße in Horst und die Ewaldstraße (Resse), die Karl-Meyer-Straße in Rotthausen sowie das Gebiet Im Brömm in Scholven sieht das Einzelhandelskonzept weiterhin als Nebenzentren. Bereiche wie die Schalker Straße in Schalke, Feldmarkstraße, Ückendorfer Straße oder die Wanner Straße in Bulmke Hüllen oder Fersenbruch in Heßler werden künftig als Nahversorgungszentrum oder lediglich als „etablierter Nahversorgungsstandort“ geführt. Entwicklungschancen sehen die Experten in Heßler, für Bochumer- und Ückendorfer Straße sei dagegen „erstmal nicht zu erwarten, dass sich dort in naher Zukunft ein zentraler Versorgungsbereich entwickeln wird.“