Grundschule Mechtenberg in Gelsenkirchen lernt gewaltfrei

Die Drittklässler der Mechtenbergschule versuchen mit offenen Plastikrohren, eine Kugel zu transportieren. So sollen sie Teamwork lernen.
Die Drittklässler der Mechtenbergschule versuchen mit offenen Plastikrohren, eine Kugel zu transportieren. So sollen sie Teamwork lernen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mechtenbergschule nimmt am Projekt „Gewaltfrei lernen“ teil. Kinder sollen Toleranz lernen und, wie sie mit Konflikten umgehen. Ein Besuch.

Gelsenkirchen.. „Du stinkst“, sagt Drache Drago zu einem Mädchen, das seinen Weg kreuzt; „Kauf dir mal ein neues Gesicht“, brüllt er nur Sekunden später einem Jungen hinterher. Beide Kinder gehen an ihm vorbei, würdigen ihn kaum eines Blickes. Lediglich das leichte Grinsen in ihren Gesichtern zeigt, dass sie sehr wohl gehört haben, was Drago zu ihnen sagt.

Eigentlich sollen die Kinder nicht grinsen, sollen auf die Provokation gar nicht erst eingehen. Aber die Situation in der Turnhalle der Mechtenbergschule ist eben konstruiert. Drache Drago ist eine Handpuppe, die auf der Hand von Pascal Frings sitzt. Er ist Konflikttrainer. Und hier, damit die 28 Schüler der Klasse 3b lernen, Streit ohne Gewalt zu lösen. Das alles passiert unter dem Titel „Gewaltfrei Lernen“ – und findet das erste Mal an einer Gelsenkirchener Schule statt.

„Ein Projekt für Freundschaft“

„Gewaltfrei Lernen“ wird vom gleichnamigen Förderverein landesweit durchgeführt. Klassenlehrerin Britta Beyer-Tschirner bezeichnet das Projekt lieber als „ein Projekt für Freundschaft“. Da wisse jedes der Kinder sofort, um was es ginge.

Das gesamte Projekt wurde durch Spenden ermöglicht – die kamen von Sparda-Bank West, Referat Bildung und Erziehung sowie dem Förderverein der Schule. Drei Doppelstunden pro Klasse hat Frings durchgeführt.

Die Kugel darf nicht herausfallen

Eine neue Übung steht an. Die Kinder verteilen sich auf drei Gruppen. Sie sollen jeweils eine Murmel mit Hilfe von kleinen Rohren von einer Hallenhälfte zur anderen transportieren. Die Rohre sind an Enden und oben offen, die Kugel darf nicht herausfallen; sonst muss von vorne begonnen werden. Bei den Übungen vorher waren die Schüler sehr ruhig und konzentriert, jetzt aber gewinnt der Ehrgeizgedanke – schließlich möchte jede Gruppe die erste sein. Hektisch versuchen die Schüler es mehrere Minuten lang – immer wieder fällt die Kugel herunter. Auf Ehrgeiz folgt Frustration.

„Stop“, ruft Pascal Frings schließlich durch die Halle. Sammeln im Mittelkreis, lautet seine Anweisung, die Kinder schlittern auf Socken herbei, setzen sich, sind schnell wieder aufmerksam und leise. „Seid ihr sauer auf die Leute, die die Kugeln haben fallen lassen?“, fragt Frings in die Runde. Ein Schüler nickt, alle anderen sagen „Nein“. „Jeder macht mal Fehler“, erklärt Frings der Klasse. Die Kinder nicken. Das Projekt soll fortgesetzt werden.