Grippe sorgt für Engpässe im Gelsenkirchener St. Josef-Hospital

Die Liegendanfahrt des St. Josef-Hospitals wird in diesen Wochen stark genutzt.
Die Liegendanfahrt des St. Josef-Hospitals wird in diesen Wochen stark genutzt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Jahreszeit fordert ihren Tribut: Die Grippe hat viele Menschen im Griff. Besonders stark ist aktuell das St. Josef-Hospital in Horst beansprucht.

Gelsenkirchen.. Die Jahreszeit fordert ihren Tribut. Im Kreis Recklinghausen sind Aufnahmeraten an den Kliniken so hoch, dass sich alle Häuser abmeldeten und Notfallpatienten bis nach Witten weitervelegt wurden. Auch in Gelsenkirchen ist die Lage mitunter sehr angespannt, aber in ihren Auswirkungen nicht so extrem, dass Aufnahmen gar nicht mehr stattfinden.

Besonders stark ist das St. Josef-Hospital in Horst beansprucht, das zum Vierer-Verbund der Katholische Kliniken Emscher-Lippe (KKEL) mit Standorten in Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop zählt. Hier beschreiben KKEL-Geschäftsführer Berthold Grunenberg, der Ärztliche Direktor Dr. Peter Gunther Auer und der Leitende Pflegedirektor Thomas Kottowski eine dramatische Situation.

Der Patientenstrom reißt nicht ab“, schildert Auer ein Kapazitätenproblem. „Dies liegt auch daran, dass die Grippewelle viele Menschen mehr trifft, weil der Impfstoff in diesem Jahr offensichtlich nicht effektiv genug ist.“ Dazu, so der Chefarzt der Inneren Medizin, würden aufgrund der kalten Jahreszeit vermehrt Novoviren auftreten und ihre Wirkung entfalten. Dies trifft auch das Krankenhauspersonal: Durch zwischenzeitlich erkranktes Pflegepersonal sei die Situation so angespannt, dass fünf examinierte Kräfte von Leasingfirmen ausgeliehen wurden, um das hohe Niveau in der Betreuung aufrecht erhalten zu können.

Mehrbettzimmer müssen gesperrt werden

Es gäbe keine freien Betten mehr an manchen Tagen und auch keinen freien Raum mehr, weil zum Teil Betten in Mehrbettzimmern gesperrt werden müssen, um die vorgeschriebenen Isolationsmöglichkeiten für infizierte Patienten zu realisieren. Ein weiterer Effekt dadurch: Geplante Operationen, etwa an Hüfte oder Knie, müssen verschoben werden. An dieser Stelle kommt auch der NRW-Krankenhausplan ins Spiel – er regelt die Wirtschaftlichkeit bzw. die Bettenkapazitäten der Häuser – und steht den Anforderungen in Gelsenkirchen zumindest in der KKEL aktuell deutlich im Wege, da politisch statt Kapazitätsaufbau eher ein Abbau von Betten gefordert und gefördert wird.

Related content

Für den Geschäftsführer sowie für Peter Gunter Auer und Thomas Kottowski muss in Zukunft ohnehin einer wesentlichen Veränderung in der Gesellschaft intensiver Rechnung getragen werden. „Der demografische Wandel sorgt dafür, dass heute viele Patienten zu uns kommen, die über 80 Jahre alt sind und nicht nach drei oder vier Tagen wieder entlassen werden können. Sie haben oft multimorbide Krankheiten, die einfach länger behandelt werden müssen“, so Auer.

Passend fällt die Forderung von Berthold Grunenberg aus. „Es müssen dringend bauliche Veränderungen vorgenommen werden“, sagt er. Und dass dies durch eine gezielte Förderung von Aufnahmestationen mit der Möglichkeit zur Isolation der betreffenden Patienten geschehen müsse. „Zudem müssen Krankenhäuser in die Lage versetzt werden, mehr Personal einzustellen, um die Patientenversorgung sicherzustellen.“