Griechen in Gelsenkirchen bangen am Wahlsonntag mit

Ioannis Oumpailis ist Grieche und führt an der Küppersbuschstraße in Gelsenkirchen den Anna-Grill. Er hätte mit Ja abgestimmt beim Referendum.
Ioannis Oumpailis ist Grieche und führt an der Küppersbuschstraße in Gelsenkirchen den Anna-Grill. Er hätte mit Ja abgestimmt beim Referendum.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch die in Gelsenkirchen lebenden Griechen treibt die Sorge um. Kein eindeutiges Meinungsbild ist aber erkennbar - man übt sich in Zurückhaltung.

Gelsenkirchen.. Mit Spannung wird in Europa das Referendum in Griechenland erwartet – falls das höchste Verwaltungsgericht die Wahl nicht in letzte Minute kippt. Denn die Entscheidung stand am Freitag aus, als die WAZ sich aufmachte, um Menschen mit griechischen Wurzeln nach ihrer Einschätzung zu fragen.

So viel ist danach klar. Die Sorge treibt auch die hier lebenden Griechen um. Und es wird die Wahl eines zutiefst gespaltenen Landes werden, für oder gegen die von den Geldgebern geforderten Reformen zu stimmen. Wer das Rennen letztlich macht, ist vorab nicht klar auszumachen. Umfragen in Hellas sehen mal die Ja-, mal die Nein-Fraktion vorn.

Auch in Gelsenkirchen ist man geteilter Meinung. Da ist etwa Ioannis Oumpailis, Betreiber eines Imbisses in der Feldmark. Der 47-Jährige sagt, er „hätte liebend gern abgestimmt, darf es aber leider nicht.“ Nur die in seiner Heimat lebenden Griechen seien berechtigt, am Sonntag ihr Votum abzugeben.

Welches Bauchgefühl er hat? „Kein gutes jedenfalls“, sagt Oumpailis. „So viele Jahre Krise, Kürzungen und Arbeitslosigkeit haben kratertiefe Spuren hinterlassen.“ Die Menschen, die am meisten litten, die ohne Job, Geld und oft auch ohne Heim, würden sicher mit „Oxi“ (Nein) stimmen. Und jene, die glücklicherweise noch in Lohn und Brot stünden, setzten ihren Stift bei „Nai“ (Ja) an. „Ich selbst“, sagt der Gelsenkirchener ganz offen, „hätte mit Ja abgestimmt. Aus Liebe zu Europa.“

Ein anderer griechischer Wirt aus der Innenstadt will dagegen lieber anonym bleiben. Er mag, weil seine Kunden größtenteils Deutsche seien, seine Meinung nicht klar äußern, sie könnte ja vielleicht jemanden vergrätzen. Nur so viel gibt er preis: „Meine Familie lebt zum Glück hier. Da muss ich mir nicht so viele Gedanken machen. Ich schätze, es wird wohl ein Kopf-an Kopf-Rennen.“

Schwer tut sich Eleni Gkovalis, sie führt in Schalke ein griechisches Restaurant. Ihr Bauchgefühl sagt ihr: „Die Mehrheit wird Nein sagen.“ Sie hätte auch gern ihre Stimme abgegeben, an einem Konsulat oder bei der Botschaft, doch durch das so kurzfristig angesetzte Referendum, gebe es diese Möglichkeit für die im Ausland lebenden Griechen diesmal nicht. Wo die 53-Jährige selbst das Kreuz machen würde, ließ die Geschäftsfrau offen, „zumal man ja nicht weiß, worüber man da genau abstimmt“.

Vielleicht kann man es herauslesen an der Art, wie die Gelsenkirchenerin über Unterstützung für ihre Familie – Mutter, Schwester, Neffen und Nichten – spricht: „Mit 480 Euro Rente kommt man in Griechenland nicht weit, die Preise haben zuletzt wieder stark angezogen. Wir fahren bald wieder runter, wenn jemand etwas braucht, nehmen wir es mit.“