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Kulturloge

Gratis Platz nehmen – in der Loge

22.09.2012 | 06:00 Uhr
Gratis Platz nehmen – in der Loge
Die Aktiven der Gelsenkirchener Dependence der Kulturloge Ruhr am Freitag am Neumarkt. Links und rechts die Initiatorinnen Brigitta Blömecke und Marie-Cecile Duclercq, 2. v.l. OB Frank Baranowski, 3. v. l. Ehrenamtsagentur-Geschäftsführer Johannes Mehlmann und die Vertreter der Veranstalter mit Fotos ihrer Einrichtungen. In der Mitte: Dr. Stolzenfels alias Norbert Labatzki, der die musikalische Begleitung der Gründung übernahm.Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.   Bundesweit gibt es sie bereits mehrfach, nun ist auch Gelsenkirchen dabei. Als Partner der Kulturloge Ruhr gibt es jetzt für Menschen mit großem Interesse an Kultur und zu kleinem Geldbeutel Gratiskarten für Plätze, die sonst frei blieben.

„Kultur für alle“ fordern engagierte Künstler und Politiker schon seit den 70er Jahren. Den Zugang zur Kultur für alle zu ermöglichen ist auch die Idee der Kulturloge, die sich am Freitag als Partner der Kulturloge Ruhr e.V. in Gelsenkirchen gründete. Loge: Das meint in dem Fall keinen elitären Kreis, sondern den Logenplatz im Theater . Und die Gäste dieser Loge widerum sollen Menschen sein, die Interesse an Kultur haben, sich Theater- oder Konzertbesuche aber aus finanziellen Gründen nicht leisten können.

Die Idee dahinter: Kulturveranstalter melden der Kulturloge freigebliebene Plätze, die fragt bei ihr eingetragene Interessenten, ob sie Lust und Zeit haben, die angebotene Veranstaltung bei freiem Eintritt zu besuchen. Die Vermittlung der Plätze, also die Schnittstelle zwischen Veranstaltern und Gästen, übernehmen ehrenamtliche Helfer in den Räumen der Ehrenamtsagentur. Die Helfer sind ausgestattet mit Laptops und Handys – finanziert von der Bürgerstiftung Gelsenkirchen – um die Angebote schnell weiterleiten zu können. Und weil man möglichst nah am Bürger sein möchte, fand die Gründungszeremonie mitten in der Innenstadt unter freiem Himmel statt.

Info über soziale Einrichtungen

Oberbürgermeister Frank Baranowski sprach in seinem Grußwort von der „Kultur als Hefe der Gesellschaft, nicht als Sahnehäubchen“. Die Idee zur Kulturloge sei aus der Bürgerschaft gekommen und sei der „richtige Ansatz, Teilhabe zu realisieren“. Das befördere er gern.

WAZ-Leserbeirätin Brigitta Blömecke und Marie-Cecile Duclercq von den Gelsenkirchener Geschichten hatten die Partnerschaft Gelsenkirchens mit der Kulturloge gemeinsam mit der Ehrenamtsagentur angestoßen. Auch Dortmund, Witten, Oberhausen, Bochum und Mülheim sind Partner der im Kulturhauptstadtjahr 2010 in Essen gegründeten Organisation. Die zählt mittlerweile 78 Kulturpartner in der Region, 4500 Tickets wurden bereits weitergereicht.

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Kommentare
24.09.2012
13:24
Gratis Platz nehmen – in der Loge
von Kulturloge | #4

Liebe Leser,
in dem Artikel könnte der Eindruck entstehen, dass die Kulturloge auf eine Idee von Frau Rektorschek zurückgeht. Das ist nicht der Fall. Die Kulturloge in Marburg wurde von mir ins Leben gerufen. Frau Rektorschek kam erst später dazu.
Wir (die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kulturlogen) fürchten, dass Frau Rektorschek mit ihrem Registrierungssystem die Mildtätigkeit der Marburger Kulturloge aufs Spiel setzt. Das könnte allen Kooperationspartnern schaden. Außerdem wird dem Missbrauch der Kulturloge Tür und Tor geöffnet, wie schon AuroraBorealis schrieb.
Viele Grüße
Christine Krauskopf

22.09.2012
12:19
Das Gelsenkirchener Modell ist da eindeutig sozialverträglicher.
von AuroraBorealis | #3

Wie funktioniert das Verteilsystem von Frau Rektorschek, wenn sie die Überprüfung der Bedürftigkeit (welche ja zum Glück nicht erst an der Kartenabholstelle erfolgt) schon an sich für entwürdigend hält?
Funktioniert ihr Verteilsystem ohne jegliche Überprüfung? Wenn ja, dann könnte es nach ihrem System passieren, dass die entsprechend interessierte Person beim Golfspielen auf ihrem brandneuen iPhone angerufen wird, diese sich schnell in ihre maßgeschneiderte Abendgarderobe wirft und mit ihrem Porsche Cayenne oder dem Zweitwagen Audi Q7 und wehenden Fahnen Richtung Theater braust?
- HM! - Das dürfte nicht die Idee sein, die hinter dem Gelsenkirchener Modell steht.

22.09.2012
12:17
Dass es zwei Karten gibt, das ist eine gute Lösung!
von AuroraBorealis | #2

Die Anzahl der bisher zur Verfügung gestellten Karten ist allerdings im Verhältnis zu der enormen Anzahl an Personen mit „zu kleinem Geldbeutel“ leider noch nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Da sollte mehr möglich sein. Denn immerhin werden die meisten beteiligten Institutionen mit öffentlichen Geldern unterstützt, so z. B. das Musiktheater Gelsenkirchen mit einer im oberen Bereich befindlichen sechsstelligen Summe. Es sollte daher möglich sein, dass für diese sinnvolle Aktion bei jeder Veranstaltung ein gewisses Kontingent zur Verfügung steht.

22.09.2012
12:16
Das liest sich als gute Idee.
von AuroraBorealis | #1

Doch wie hat man sich das zeitliche Prozedere vorzustellen?
Ist es ähnlich einer Warteliste am Flughafen bei Linienflügen?
Dort bekommt man u. U. erst 30 Minuten vor Abflug mitgeteilt, dass man mit darf.
Hat man sich das evtl. so vorzustellen, dass die Menschen sich Daheim auf der Couch schon auf die in 15 Minuten beginnende TV-Abendunterhaltung eingerichtet haben und plötzlich klingelt das Telefon und ein z. B. Scholvener wird gefragt, ob er in 1 Std. in Essen im Theater erscheinen kann?
Das die Kulturloge nur über eine teure Handynummer zu erreichen ist, das ist suboptimal.
Warum muss die Zoom.Erlebniswelt erst noch angesprochen werden? Das ist doch ein Tochterunternehmen der Stadt. Hätte der OB da nicht ´mal eben den Telefonhörer in die Hand nehmen können und das auf dem kurzen Dienstweg mit Herrn Köllmann sofort klären können?!

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