Glück auf für die Tradition beim Gelsenkirchener Reisedienst

Kumpel-Karossen: Gut zwei Tage hat Maurizio Bet an jedem Bus gearbeit, um die Bergbaumotive aufs Blech zu sprayen.
Kumpel-Karossen: Gut zwei Tage hat Maurizio Bet an jedem Bus gearbeit, um die Bergbaumotive aufs Blech zu sprayen.
Foto: Volker Wicick
Was wir bereits wissen
Der Reisedienst Nickel hat vier Schwarzbusse, die für den Kumpel-Transport des Bergwerks Prosper-Haniel im Einsatz sind, mit Bergbaumotiven gestalten lassen.

Gelsenkirchen.. Den Sprayer Maurizio Bet hat Ulrich Nickel durch Zufall kennengelernt. „Bei einem Bekannten hat er die Garage gemacht“ – mit einem variierten Schalke-Logo auf dem Tor, erzählt der Geschäftsführer des Reisediensts Nickel. Die Straßenkunst des Gladbecker Künstlers hat den Gelsenkirchener Unternehmer überzeugt. Und so brachte er sie auf die Straße: Nickel ließ zwei seiner Personentransporter und zwei Busse von Bet mit Bergbau-Szenen gestalten.

Vier mobile Litfaßsäulen

Die Motiv-Wahl lag nahe: Die Fahrzeuge des Reisediensts sind für Prosper-Kumpel und die RAG unterwegs. Sie dienen als sogenannte Schwarzbusse. Nach der Schicht pendeln die Bergleute mit ihnen zwischen den Schachtanlagen und Standorten des Bottroper Bergwerks Prosper-Haniel.

„Seit 1966 haben wir als Firma mit dem Bergbau zu tun“, sagt Nickel. „Mein Opa war Bahnführer auf Graf Bismarck, da gibt es auch eine alte, persönliche Verbindung. Doch 2018 läuft hier der Bergbau aus, dann ist auch eine jahrhundertealte Geschichte weg.“ Da war es für den Geschäftsmann an der Zeit, Zeichen zu setzen: „Ich dachte, es wäre ein tolle Idee, wenn wir die Busse mit Bergbaumotiven gestalten.“ Der Bergmannsgruß „Glück auf“ ziert die Heck-Klappen der Mercedes-Busse, Schachtgerüste und „Schlägel und Eisen“ prangen auf den Seiten.

„Wir wollen dafür sensibilisieren, dass in wenigen Jahren nicht nur ein wichtiger Wirtschaftszweig, sondern auch ein Stück Tradition des Ruhrgebiets weg fällt“, macht Nickel deutlich. Optische Nachhilfe ist aus seiner Sicht überfällig: „Viele Jugendliche wissen nicht mehr, dass wir mal die D-Mark hatten oder in einem geteilten Deutschland gelebt haben. Und sie haben bald keine Ahnung mehr, dass wir mal Bergbau hatten. Da sind die Busse für mich wie eine fahrende Litfaßsäule.“ Auch in eigener Sache natürlich. Der Nickel-Schriftzug auf den Bussen ist kaum zu übersehen.

Die Arbeitswelt unter Tage

Maurizio Bet hat jeden Bus mit verschiedenen Motiven gestaltet. Einer zeigt die Arbeitswelt unter Tage, der andere weithin sichtbare Pütt-Wahrzeichen. Zwei Wochen hat Bet, der seine Bilder mit Anteii Ichi signiert und in Gladbeck bereits mehrere Auftragsarbeiten erledigt hat, an den Motiven gearbeitet.Ohne Vorlagen skizzierte er die Konturen. 60 Spraydosen weiter war das Werk schließlich vollendet. Die Bemalung kommt nicht nur beim Auftraggeber an: „Im Internet fanden wir bereits einige Fotos unserer Schwarzbusse, versehen mit positiven Kommentaren“, so Nickel, der seit einiger Zeit auch selbst Traditionen hochhält: „Firmenschreiben unterzeichne ich ganz bewusst mit Glück auf.“