Gewaltprävention durch Thai Boxen in Gelsenkirchen

14 Kinder und Jugendliche, die vom Kinderschutzbund betreut werden, nehmen an einem neuen Projekt des Organisation in Gelsenkirchen teil, bei dem sie in die Kunst der Kampfsportarten Kickboxen und Thai-Boxen eingeführt werden.
14 Kinder und Jugendliche, die vom Kinderschutzbund betreut werden, nehmen an einem neuen Projekt des Organisation in Gelsenkirchen teil, bei dem sie in die Kunst der Kampfsportarten Kickboxen und Thai-Boxen eingeführt werden.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Kinderschutzbund Gelsenkirchen hat ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Jugendliche lernen, sensibel und gemäßigt mit dem Thema Gewalt umzugehen.

Gelsenkirchen.. „Jab! Cross-Jab! Hook!“, schallt es durch die Turnhalle. Konzentriert führen die anwesenden Jugendlichen die knappen Anweisungen ihres Trainers und Sozialpädagogen Yevgen Shestopalov aus. Zwischen Kampfkunstschlägen und -kicks, Ausdauer- und Kraftübungen fragt Shestopalov laut in die Runde: „Was ist Kampfkunst?“ „Respekt, Charakter und Talent“, antwortet ihm der kleinste und jüngste Teilnehmer des Projektes, Luca.

Respekt, Charakter, Talent

„Genau darum geht es bei diesem Projekt“, erklärt Shestopalov später im Gespräch. Alle teilnehmenden Jugendlichen kommen aus schwierigen Verhältnissen und haben oft schon Gewalterfahrungen in der eigenen Familie machen müssen. „Es geht bei diesem Projekt darum, die Kinder vernünftig an Gewalt heranzuführen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und die sozialen Kompetenzen zu entwickeln“, erklärt Silke Kozicki, Geschäftsführerin des Ortsverbandes Gelsenkirchen des Deutschen Kinderschutzbundes.

Im Fokus der Trainingsstunden stehen Konzentration und Reflexion der Teilnehmer, die Basistraining in den Kampfsportarten Muay Thai, Kick Boxen, Mixed Martial Arts und Jiu Jutsu bekommen. „Diese Jugendlichen haben zum Teil eine niedrige Toleranzschwelle und hohe Reizbarkeit, die sich nicht selten in Gewaltbereitschaft zeigt“, meint Shestopalov und ergänzt: „Es geht bei diesem Projekt deshalb um Gewaltprävention. Sie können sich hier auspowern und sind ausgelastet.“

Kampfkunstprojekt für Jugendliche

Die Philosophie hinter der Kampfkunst greift

In der Partnerarbeit werden dazu soziale Kompetenzen ausgebaut: „Sie lernen, aufeinander zu achten. Denn wenn sie ihren Sparring-Partner verletzen und er ausfällt, verlieren sie selbst weil sie nicht mehr sparren können“, erklärt der Sozialpädagoge. Die anwesenden Jugendlichen haben die Kampfkunstphilosophie scheinbar verinnerlicht, gehen vorsichtig und respektvoll miteinander um und haben sichtlich Spaß am Training.

„Die Räumlichkeiten werden uns von der Gesamtschule Ückendorf zur Verfügung gestellt“, berichtet Thomas Frings, Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes. Einen Trainingsraum in der Sporthalle des GSÜ konnte der Verein mit (bei einer Studioschließung günstig erstandenen) Fitnessgeräten und Boxsäcken ausstatten, einen weiteren Funktionsraum in der Schule mit Matten und Boxsäcken. „Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung“, betont Frings, der eine Weiterführung des Projektes plant.

Positive Entwicklungen schon erkennbar

Sozialpädagoge und Trainingsleiter Shestopalov ist Feuer und Flamme für das Projekt und selbst leidenschaftlich dabei: „Man kann eine deutliche, positive Entwicklung in diesen jungen Menschen feststellen. Und darum geht es hier.“