Getrübtes Idyll im Gesundheitspark?

Saunermeister Andreas Schlüter macht einen Aufguss für seine Saunagäste.
Saunermeister Andreas Schlüter macht einen Aufguss für seine Saunagäste.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Beschwerden über nachlassende Qualität im Gesundheitspark Nienhausen in Gelsenkirchen. Wellness-Bereich verwaist.

Gelsenkirchen.. Um Kosten zu sparen, gibt es viele legitime Maßnahmen: Personal-Abbau, die Beschäftigung von 1-Euro-Jobbern und 400-Euro-Kräften oder die Erweiterung des Arbeitsfeldes der Restbelegschaft – im besten Fall ohne Qualitätsverlust. Im Umkehrschluss kann all dies aber auch bedeuten, das die Wirtschaftsdaten eines (mit Steuergeldern) geförderten Unternehmens Anlass zur Sorge geben.

Jüngst ist der im Frühjahr 2011 mit gut drei Millionen Euro aus Konjunkturpaket II und Selbstbeteiligung runderneuerte Gesundheitspark Nienhausen in den Fokus geraten. Haupt- gesellschafter des Parks sind zur Hälfte der Regionalverband Ruhr sowie zu je einem Viertel die Städte Essen und Gelsenkirchen. Vorwurf aus Kundenkreisen: Sparen auf Kosten von Qualität und Service.

Lange Liste der Beschwerden

Die Liste der uns zugetragenen Beschwerden ist lang. Wir geben sie in Auszügen wieder. Sie beginnt mit der Wohlfühlatmosphäre, die – zumindest am Wochenende – zu einer „Fleischbeschau“ verkommen sein soll durch männliche Gäste, die weniger Erholung suchten, als dass sie sich an den Besucherinnen ergötzen wollten. Weiterhin machten Männer die Aufgüsse in der Frauensauna, wodurch sich nicht wenige Damen peinlich berührt sähen.

Die Umstrukturierungen hätten auch dazu geführt, dass das Saunapersonal vor der Öffnung die Anlage neuerdings putzt – wofür vormals Reinigungskräfte sorgten. Dazu hätten 1-Euro-Kräfte die Pflege der Grünanlagen übernommen. Auch am Empfang des Wellnessbereiches säßen 1-Euro- und Minijobber, was den Empfang außerhalb ihrer Arbeitszeiten oft verwaisen lässt. Massagen zu buchen sei so kaum möglich. Gerade die Abendstunden könnten nicht abgedeckt werden. Heißt: Wo kein Angebot, da kein Kunde, da weniger Einnahmen.

Wellness-Stellen sind mittlerweile abgebaut

Erschwerend komme hinzu, dass die drei Wellness-Stellen mittlerweile abgebaut sind. Vielleicht auch eine Folge des Umstandes, dass die beiden Teilzeit- und eine Vollzeitkraft seinerzeit zu oft ihre Behandlungen unterbrechen mussten, um am Empfang einzuspringen und Kunden/Einnahmen zu generieren.

Übrigens: Das Angebot von speziellen Wellnessformen, die eine Zusatzausbildung erforderten, wie etwa die hawaiianische Tempel- und die Steinmassage als auch die kosmetische Lymphdrainage werde zwar im Internet hübsch beworben, könne von den verbliebenen klassischen Masseuren aber gar nicht oder nur teilweise aufgefangen werden. Und: Gutscheine für den Wellnessbereich von gut 5000 Euro seien noch im Umlauf. Da dürften viele Kunden ziemlich unzufrieden aus der Wäsche gucken.

Kritik gibt es auch aus Insiderkreisen. Statt auf Angestellte setze der Park auf Selbstständige, die sich für Massagen im Schichtbetrieb zusammentun und sich angemietete Räume teilen, um bei Preisen von 100 Euro/m2 irgendwie über die Runden zu kommen.

Beck: Beantworte jede Mail persönlich

Dr. Manfred Beck, Geschäftsführer der Revierpark Nienhausen GmbH, war ob der an ihn herangetragen Beschwerden irritiert: „Tatsächlich hat es im Wellness-Bereich zum Ende des vergangenen Jahres eine Umstrukturierung geben. Durch das neue Galerie-Konzept haben wir Tätigkeiten und Angebote an mehrere Partner abgegeben. Dadurch ist die Zahl der Beschäftigten bei der GmbH gesunken, dafür aber auf Seiten der Partner gestiegen.“

Kritik wegen Service- und Qualitätsverlust sei ihm nicht untergekommen, im Gegenteil, durch den eigens eingerichteten Qualitätszirkel sei sichergestellt, dass etwaige Beschwerden umgehend bearbeitet und Mängel abgestellt würden.

„Der Gesundheitspark ist ein Teilbetrieb der Stadt. Insofern ist uns daran gelegen, dass er gut läuft. Kritik in Form von Mails beantworte ich persönlich, das garantiere ich. Und ich denke, dass ich im Namen von OB Frank Baranowski und von Franz Dümenil, meinem Kollegen in der Geschäftsführung, spreche, wenn ich sage, die beiden auch.“