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Gesetzeslücke verhindert Job für Gehbehinderte

13.02.2012 | 17:34 Uhr
Gesetzeslücke verhindert Job für Gehbehinderte
Der Bundesfreiwilligendienst steht Männern und Frauen in allen Altersgruppen offen.Foto: dapd

Gelsenkirchen.  Silke Hautmann will einfach nur arbeiten. Aber sie kann nicht. Die 33-Jährige ist an den Rollstuhl gefesselt, benötigt einen Fahrdienst, der sie zur Arbeit fährt und auch wieder nach Hause bringt. Der Bundesfreiwilligendienst wäre die Lösung - aber niemand will die Fahrtkosten übernehmen.

Silke Hautmann will einfach nur arbeiten. Aber sie kann nicht. Die 33-Jährige ist an den Rollstuhl gefesselt, benötigt einen Fahrdienst, der sie zur Arbeit fährt und auch wieder nach Hause bringt. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes könnte sie auch eine Stelle haben. An der Pforte des Bruder-Jordan-Hauses könnte sie an fünf Tagen in der Woche insgesamt 39 Stunden arbeiten. Doch die Fahrtkosten will niemand übernehmen. Arbeit, Integration und Teilhabe einer behinderten jungen Frau scheitern an 200 Euro im Monat.

„Ich habe schon längere Zeit im Rahmen einer Maßnahme im Bruder-Jordan-Haus gearbeitet. Mir macht es Spaß, die Tätigkeiten dort schaffe ich und ich will unbedingt arbeiten“, sagt Silke Hautmann. Mehr als 50 Euro Fahrtkostenzuschuss kann die Caritas als Träger der Einrichtung aber nicht gewähren, für die anderen 150 Euro fühlt sich niemand zuständig.

Eine Gesetzeslücke

Auf Anraten wandte sich Silke Hautmann an das Jobcenter , suchte dort offene Ohren für ihr Anliegen, fand sie aber nicht. Schlimmer noch, die 33-Jährige fühlte sich von den Mitarbeitern dort nicht gut behandelt. „Selbstverständlich werden wir Frau Hautmann zu einem Gespräch einladen, um Differenzen aus der Welt zu schaffen. Leider sind uns bei der Übernahme der Fahrtkosten aber die Hände gebunden. So etwas dürfen wir nur im Falle einer Festanstellung, die sozialversicherungspflichtig ist“, erklärt Susanne Auth, Pressesprecherin des Jobcenters.

Karl Buron, Leiter der Verwaltungsstelle Freiwilligendienste im Bistum Essen, hat den Fall längst der Zentralstelle des Bundesfreiwilligendienstes gemeldet. „Es scheint sich dabei um eine Gesetzeslücke zu handeln. Es hat wohl niemand damit gerechnet, dass sich Schwerbehinderte auf eine Stelle des Bundesfreiwilligendienstes bewerben“, so Buron.

Silke Hautmann hilft all das nicht weiter. Markus Pudel, Leiter des Bruder-Jordan-Heimes, würde sie nur zu gern beschäftigen. Allerdings kann er das nur, wenn die Fahrkostenübernahme gesichert ist. Und so sucht Silke Hautmann weiter nach einer Lösung. Sie will doch nur arbeiten.

9 Euro Fahrtkosten pro Tag

Mehrere Angebote hat Silke Hautmann eingeholt, um den günstigsten Beförderungspreis zu ermitteln. Die zehn Minuten Fahrt von ihrer Wohnung zum Bruder-Jordan-Haus würden sie im preisgünstigsten Fall neun Euro am Tag kosten.

Felix zur Nieden

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Kommentare
14.02.2012
10:18
Gesetzeslücke verhindert Job für Gehbehinderte
von flocko | #3

@Elfentraum
Es handelt sich um den Bundesfreiwilligendienst. Ich meine man verdient irgendwas um die 300 Euro im Monat.

14.02.2012
08:51
Gesetzeslücke verhindert Job für Gehbehinderte
von Elfentraum | #2

Ich verstehe den Artikel jetzt nicht ganz. Die junge Frau könnte einen 39 Stunden Job haben, also eine Vollzeitstelle. Sie hat vorher auch schon in der gleichen Einrichtung gearbeitet. Jetzt kann sie aber den Vollzeitjob NICHT antreten, weil da auf einmal Fahrtkosten nafllen. Wie ist sie denn vorher dorthin gekommen? Wer hat denn da die Kosten übernommen?
Und wieviel verdient denn die junge Dame bei dem Job? Könnte sie denn daraus nicht einen Teil der Kosten übernehmen (ich muss ja auch für meine Fahrten zur Arbeitsstelle selber zahlen, je nach Entfernung kommen da auch schon mal 200€ allein an Spritgeld im Monat zusammen)?

Oh ich sehe gerade, der Job ist NICHT sozialversicherungspflichtig, das heißt also, die Frau arbeitet VOLLZEIT für höchstens 400,- Euro im Monat ... und die Caritas kann noch nicht mal ihre Fahrtkosten übernehmen, pfui Teufel!

14.02.2012
08:15
Pförtner als reguläre Arbeitsstelle
von somjotien | #1

Pförtner, so kann ich mich erinnern, wurde mal als reguläre Arbeit ausgewiesen. Wieso kann man damit heute kein Geld mehr verdienen? Als mein Onkel behindert wurde, hat man ihn als Pförtner eingesetzt und regulär bezahlt. Wieso machen Gewerkschaften das eigentlich mit? Ach ja, die haben ja bei den Kirchen (hier: Caritas) nichts zu melden? Wie hieß das Ganze noch gleich: Soziale Marktwirtschaft???

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