Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 26°C
Interview

Georg Lunemann hat Gelsenkirchen noch im Blick

29.03.2016 | 19:54 Uhr
Georg Lunemann hat Gelsenkirchen noch im Blick
Foto: Pothoff

Gelsenkirchen.   Seit einem Jahr ist Georg Lunemann nicht mehr Kämmerer von Gelsenkirchen, sondern des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Seine Stadt hat er weiter im Blick.

Morgens, sehr früh morgens, hält Georg Lunemann bereits seinen Tablet-PC in den Händen und liest die digitale WAZ. Über seine alte Liebe, über Gelsenkirchen informiert zu sein, gehört für ihn einfach zum Start in den Tag. Um sechs Uhr, sagt er, ist er dann oft schon im Büro. „Dann kann ich, bis die ersten Termine um acht Uhr beginnen, konzentriert arbeiten. Das mache ich gerne.“

Sein Schreibtisch ist voller Akten, ein kreisrunder Besprechungstisch mit sechs Stühlen steht in der Ecke. Die Fenster, irre hoch, geschätzt über drei Meter, geben den Blick frei auf den belebten Freiherr-vom-Stein-Platz im Herzen von Münster. Hier arbeitet Lunemann seit einem Jahr. Damals gab der Christdemokrat seinen Job als Kämmerer der Stadt auf und wurde zum 1. April 2015 Erster Landesrat und Kämmerer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Beim Heimspiel gegen Hamburg in der Arena

Aus den Augen, aus dem Sinn? Nein, nicht bei Lunemann und schon gar nicht, wenn es um Gelsenkirchen geht. Regelmäßig sei er in der Stadt, sagt er. Besuche Freunde, halte Vorträge (lachend: „Ich werde immer noch darum gebeten und mache das wirklich sehr gerne“). Gerade erst war er zum Heimspiel der Königsblauen gegen Hamburg in der Veltins-Arena. „Da habe ich eines der besseren Spiele erlebt.“ Und er schiebt neugierig die Frage an den Journalisten nach: „Kommt denn jetzt der Favre?“

Gelsenkirchen, das ist für den 48-Jährigen immer noch ein Thema mit Ausrufezeichen. Auch wenn der LWL schon immer so etwas wie seine Heimat war, so waren die fünf Jahre als Stadtkämmerer für ihn mehr als ein äußerst reizvolles Zwischenspiel. Schon von 1998 bis 2010 war Georg Lunemann beim Landschaftsverband in unterschiedlichen Führungsfunktionen beschäftigt: Projektleiter in der Verwaltungsorganisation, Referent im Zentralen Controlling der ehemaligen Straßenbauverwaltung des LWL (heute als Straßen.NRW bekannt).

Stellvertreter des LWL-Direktors

Glückwunsch zur Wahl: Georg Lunemann und Dieter Gebhard (SPD), Vorsitzender der Landschaftsversammlung beim LWL. Foto: LWL

Lunemann war Referatsleiter für die Verwaltungsorganisation, Referatsleiter für die Bereiche Stellenplan, Personalkosten, Gehaltsabrechnung und Geschäftsverteilungspläne sowie von 2006 bis 2010 Leiter der LWL-Finanzabteilung. Heute ist er der Stellvertreter von LWL-Direktor Matthias Löb und verantwortet als Kämmerer eine echte Hausnummer: Der Etat liegt bei 3,3 Milliarden Euro!

Und was für ein Einzugsgebiet ist das! Von Siegen bis zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica ist er unterwegs. Der LWL, das wird gerne verkannt, ist ein wahrer Koloss: 16 000 Menschen arbeiten für ihn. In über 1400 Liegenschaften betreibt der Verband 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und er ist außerdem der zweitgrößte Sozialhilfezahler in Deutschland – der LWL finanziert insbesondere die Leistungen zum Wohnen und Arbeiten für Menschen mit Behinderung.

122 Millionen Euro flossen zurück

Und trotzdem ist der Verband nicht so uneingeschränkt beliebt, wie man vielleicht angesichts seines Engagements vermuten könnte. Denn der Verband ist eine kommunale Organisation und speist sich aus den Umlagen seiner Mitglieder. In 2016 werden erstmals über zwei Milliarden Euro von den Mitgliedskörperschaften an den LWL abgeführt – und auf Grund der Dynamik im Bereich der Sozialausgaben werden es jährlich rund 100 Millionen Euro mehr. Die so genannten Mitgliedskörperschaften sind die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe, zu denen auch Gelsenkirchen zählt, das für das Jahr 2016 angesichts eines Umlage-Hebesatzes von 16,7 Prozent satte 81,7 Millionen Euro nach Münster weiterleitet (2015: 75,8 Millionen Euro; 2014: 71,2 Millionen Euro).

„Leider vergisst man schnell, wie viel der LWL hiervon zurückgibt“, sagt Lunemann. Für Gelsenkirchen waren das in 2014 67,5 Millionen Euro von den insgesamt 122 Millionen Euro alleine für die Behindertenhilfe. Rund 85 Prozent des Betrages entfielen auf die lokalen Branchen-Schwergewichte Sozialwerk St. Georg, auf die Gelsenkirchener Werkstätten für angepasste Arbeit gGmbH, auf die Emscher-Werkstatt, die Wichernhaus gGmbH und Martin-Luther-Haus.

Darüber zu reden, ist dem 48-Jährigen sehr wichtig. Meist bis in die späten Abendstunden. Da ist es gut, dass er nur zehn Minuten zu Fuß vom Freiherr-vom-Stein-Platz entfernt wohnt. Das schätzt er sehr und nennt es Luxus.

Start in den Arbeitstag mit der WAZ-Gelsenkirchen

Wie es um Gelsenkirchen steht? Wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht? Was es Neues gibt? Rollentausch am Besprechungstisch. Georg Lunemann ist brennend interessiert, will Einiges wissen, obwohl er doch den Kontakt zu vielen gehalten hat. Die Stadt liegt ihm spürbar am Herzen. Auch wenn er jetzt in Münster wohnt.

Den nächsten Tag beginnt er wieder mit der WAZ-Ausgabe Gelsenkirchen, um über eine alte Liebe, die nicht rostet, bestens informiert zu sein.

Die Reserve des Verbands schrumpft zusehends

Die 27 Mitgliedskreise und -großstädte im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zahlen im Jahr 2016 0,2 Prozentpunkte mehr Landschaftsumlage als 2015. Die Erhöhung des Umlage-Hebesatzes von 16,5 auf 16,7 Prozent beschloss die Landschaftsversammlung im Januar.

Mit großer Mehrheit wurde der Etat in Höhe von 3,3 Milliarden Euro beschlossen. Bei der Haushaltseinbringung im November 2015 hatte die LWL-Verwaltungsspitze eine Umlageerhöhung um 0,3 Prozentpunkte vorgeschlagen. Weil der Beitragssatz weniger steigt als vorgeschlagen, müssen die fehlenden Einnahmen in Höhe von rund 12,3 Millionen Euro durch die Inanspruchnahme der Ausgleichsrücklage aufgefangen werden.

Die Reserve schrumpft nach Angaben des LWL dadurch auf rund 32,7 Millionen Euro und befindet sich auf einem vorläufigen Tiefstand von nur noch zehn Prozent ihres Ausgangswertes von rund 325 Millionen Euro im Jahr 2010.

Friedhelm Pothoff

Kommentare
29.03.2016
21:02
Wer ist der im ersten Absatz erwähnte „Georg Kämmerer“?
von TreuerLeser | #1

Hatte Herr Lunemann vorher oder hat er jetzt einen anderen Namen - vielleicht durch Heirat o. ä.? Oder ist es ein Schreibfehler?

Und wenn die...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Sondereinheit Höhenrettung
Bildgalerie
112 Jahre Feuerwehr GE
Explosion zerstört Anbau
Bildgalerie
Großeinsatz
article
11689437
Georg Lunemann hat Gelsenkirchen noch im Blick
Georg Lunemann hat Gelsenkirchen noch im Blick
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/georg-lunemann-hat-gelsenkirchen-noch-im-blick-id11689437.html
2016-03-29 19:54
Georg Lunemann, Gelsenkirchen, Politik, Kämmerer, Interview, Portrait,
Gelsenkirchen