Gelungene Integration durch Bildung

Erfolgreich an der VHS: Nadya Arngoldt, Vasyl Dervyanchenko, Nesibe Han und Hatice Olgur (v.l.).
Erfolgreich an der VHS: Nadya Arngoldt, Vasyl Dervyanchenko, Nesibe Han und Hatice Olgur (v.l.).
Foto: Stadt GE
Was wir bereits wissen
An der Volkshochschule Gelsenkirchen haben jüngst vier Migranten die Fachoberschulreife gemacht. Jetzt wollen die Ex-Schüler weiter durchstarten.

Gelsenkirchen.. Nachdem 66 Jugendliche und junge Erwachsene zum Ende der ersten Hälfte des Schulhalbjahres 2014/2015 bereits ihr Abschlusszeugnis von der Volkhochschule (VHS) erhalten hatten, bekamen jetzt noch vier weitere Teilnehmende den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) attestiert.

„Ihnen fehlte noch das Ergebnis der Sprachfeststellungsprüfung in ihrer Muttersprache“, erläutert Alexander Cornelius, an der VHS Gelsenkirchen zuständig für die Lehrgänge des Zweiten Bildungsweges.

Jeder dieser Teilnehmenden hat seine eigene Lerngeschichte. Hatice Olgur und Nesibe Han, mittlerweile 30 und 32 Jahre alt, hatten sich vor einigen Jahren bei einem Sprachkurs in Bottrop kennengelernt und beschlossen, gemeinsam ihren Schulabschluss nachzuholen. Doch die Bildungsvoraussetzungen der jungen Frauen waren denkbar ungünstig. Denn in ihren türkischen Heimatdörfern hatten sie jeweils nur 5 Jahre lang die Schule besucht. Nach intensiven Beratungsgesprächen bei der VHS Gelsenkirchen wurde ihnen nahe gelegt, zunächst Grundbildungskurse zu besuchen, die auf einen späteren erfolgreichen Besuch eines Hauptschulabschlusslehrganges vorbereiten sollten.

Erfolg trotz Doppelbelastung

Beide verzeichneten dort erhebliche Lernfortschritte, so dass sie bereits nach wenigen Monaten einen solchen Lehrgang aufnehmen konnten. Sie beendeten ihn erfolgreich mit der Erlangung des Abschlusses nach Klasse 9. Trotz der Mehrfachbelastung durch Kinder und Familie entschieden sie sich, weiter die VHS zu besuchen. Sie erreichten dort zunächst den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 und nach einem weiteren Jahr das Zeugnis des Mittleren Schulabschlusses.

Beide haben auch schon ganz konkrete Zukunftspläne. Derzeit nehmen sie an einer Bildungsmaßnahme teil, die sie zur Betreuungsassistentin für Demenzkranke ausbildet. Anschließend werden sie ein Fernstudium aufnehmen.

Auch Vasyl Derevyanchenko – 24 Jahre alt – bekam jetzt sein Zeugnis des Mittleren Schulabschlusses. Er verließ Ende 2003 mit seiner Familie die Ukraine und siedelte nach Recklinghausen über. Haupt- und Förderschule verließ er ohne Abschluss. Später erwarb er an der VHS Recklinghausen den Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Dann wechselte er zur VHS Gelsenkirchen und erlangte gemeinsam mit Hatice Olgur und Nesibe Han zunächst den Abschluss nach Klasse 10 und jetzt den Mittleren Schulabschluss. Auch er kann nun schon seine Zukunft planen. Vor einigen Tagen bekam er eine feste Zusage für einen Ausbildungsplatz als Sozialassistent.

Erste reelle Chance dank VHS

Auch Nadja Arngoldt war erfolgreich. Sie kommt ursprünglich aus Kasachstan und lebt seit 12 Jahren in Gelsenkirchen. In einem anderen Lehrgangssystem erreichte die 24-jährige an der VHS Gelsenkirchen zunächst den Abschluss nach Klasse 9, dann denjenigen nach Klasse 10. Nach einen weiteren Jahr bekam sie jetzt den Mittleren Schulabschluss attestiert. Nadja Arngoldt will sich zunächst um ihre Familie kümmern. Mitten in der Phase der Abschlussklausuren brachte sie nämlich ihr drittes Kind zur Welt.

„Wir sind eine Einrichtung des Zweiten Bildungsweges und bieten vielen Ratsuchenden eine zweite, manchmal auch eine dritte und vierte Chance“, bemerkt Cornelius abschließend. „Doch für einige Jugendliche und junge Erwachsene ist der Schulabschlusserwerb der VHS die erste reelle Chance“.