Journalistenreise
Gelsenkirchens neues Image
21.11.2009 | 12:10 Uhr 2009-11-21T12:10:00+0100Die Stadt aus Kohle und Stahl war einmal. Oder doch nicht?
Manchmal sind Journalisten einfach nur stur – und tragen ihre Meinung wie eine Monstranz vor sich her. Gelsenkirchen sei ein ”Drecksloch”, sagen einige, und rufen für eine Reportage über Hartz-IV-Empfänger oder kaputte Straßen in der städtischen Pressestelle an und bitten dort um Hilfe.
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Pressesprecher Martin Schulmann ist diese Anrufe leid. ”In vielen Köpfen herrscht ein Bild von Gelsenkirchen, das mit der Realität nichts zu tun hat." Um das zu ändern, hat die Stadt gut ein Dutzend Journalisten eingeladen, um an zwei Tagen das andere Gelsenkirchen kennen zu lernen. Und zwar das Gelsenkirchen, das grün und zukunftsträchtig ist und in dem es sich gut wohnen lässt.
Nicht so wie das Klischee
Elmar Ries, Redakteur bei den Westfälischen Nachrichten, arbeitet in Münster und hat drei kleine Kinder: ”Wenn ich denen sage, wir fahren ins Ruhrgebiet, schreien die: ,Oh, nee'.” Er selbst beschäftigt sich immer dann mit Gelsenkirchen, wenn die Bezirksregierung Münster beim städtischen Haushalt oder bei der Kindergarten-Finanzierung ein Wörtchen mitreden will. Ansonsten weiß er wenig über die Stadt, außer, ”dass es hier nicht so ist wie das Klischee".
Gemeinsam mit seinen Kollegen fährt er zum Nordsternpark, besichtigt die Hauptverwaltung der THS. Der geplante Herkules auf dem Dach lässt einige ziemlich ungläubig gucken, bevor sie sich mit dem Schiff in Richtung Hafen Graf Bismarck aufmachen. Die künftige Stadt am Wasser macht neugierig, gerade auch, weil die brach liegende Fläche noch viel Phantasie fordert.
”Es ist schon ein verzweifeltes Werben”, sagt der Journalist Ries, der zuvor auf dem Schiff Informationen über fast jedes Unternehmen am Hafen bekommt. Wirtschaftsförderungs-Dezernent Joachim Hampe betont, dass die Stadt auf ”qualitatives Wachstum” setze:trotz aller Leerstände beim Wohnen und vor allem bei der Ansiedlung von Unternehmen. Ohne eine umfassende Arbeitsplatz-Zusage gebe es kein grünes Licht.
Auch der OB ist mit dabei
An der Zoom-Erlebniswelt trifft die Journalistengruppe dann auf Oberbürgermeister Frank Baranowski. Er sollte eigentlich von Anfang an dabei sein, musste wegen diverser Termine aber nachkommen. Sehr zum Leidwesen eines Landtagskorrespondenten. Der war nämlich nach Gelsenkirchen gekommen, um ein politisches Portrait über Baranowski zu schreiben – auch wegen ”seiner zukünftigen Rolle in der Landespolitik”. Die neue Sicht auf die Stadt interessierte ihn nur am Rande.
Füllstoff für ein Portrait lieferte der OB an diesem Abend kaum. Er hofft auf viele Besucher im Kulturhauptstadtjahr, hätte aber Herkules nicht auf den Turm gestellt. Das Ansehen der Stadt sorgt ihn: ”Ich habe es mir leichter vorgestellt, das Image zu drehen.” Es gebe eine "Marke Gelsenkirchen", aber leider nicht so, wie er sie sich wünsche.
Ein Blick von der Halde Scholven und ein Abendessen runden den Abend ab. ”Hier stemmen sich wirklich viele Menschen gegen die Probleme und den schlechten Ruf”, sagt Ries. ”Aber sie müssen aufpassen, dass das nicht kippt. Wer so sehr betont, dass es positive Entwicklungen gibt, macht ja erst offensichtlich, dass es auch viele dunkle Ecken gibt.”
Am zweiten Tag geht es zu den Firmen ”Medicos” und ”Roller”. Der Korrespondent ist dann nicht mehr mit dabei. Für ihn ist klar: ”Ich glaube schon, dass der OB Ambitionen nach oben hat. Aber er macht das sehr geschickt und hält sich noch dezent zurück.”
12:04
Wer nicht nur in Gelsenkirchen, sondern auch schon in anderen deutschen Großtädten gelebt hat, wird über die Selbstbeweihräucherung des Oberbürgermeisters und seiner Mit-Bewerber schmunzeln, denn Gelsenkirchen hat wirklich nichts Außergewöhnliches zu bieten, zumindest nichts, was es nicht in anderen Städten auch gibt und meist in wesentlich besserer Qualität.
Trotzdem ist es legitim, für seine Stadt zu werben, immerhin wäre es katastrophal, wenn der Imageabwärtstrend weiter andauern würde.
Mit Werbung alleine ist es allerdings nicht getan,. Schönreden kann schließlich jeder. Es müssen Taten folgen und genau dort sehe ich das eigentliche Problem dieser Stadt:
Solange der rote Klüngel, der sich über Generationen im Ruhrgebiet entwickelt hat, nicht ausgemistet wird, solange der Filz in den Führungen von ISG, Stadtmarketinggesellschaft und weiten Teilen der Stadtverwaltung Gelsenkirchens nicht verschwindet, wird es mit Gelsenkirchen weiter bergab gehen.
In Dortmund brodelt es, in Duisburg brodelt es und in Essen brodelt es. Es wird Zeit, dass auch in Gelsenkirchen das verfilzte Kartenhaus aus Korruption und Vetternwirtschaft in sich zusammenbricht. Erst wenn das der Fall ist, wird Gelsenkirchenen eine reale Chance haben, sich bezüglich seines Images gegen andere Städte behaupten zu können.
09:06
Interessant, ich besuche desöfteren den Bulkmer Park und habe bisher (auch ohne Hund und Bodyguards) bisher noch nie Probleme gehabt,
Trotz allem ist Gelsenkirchen sicherlich gut beraten, die Einkaufsstrasse wieder etwas zu beleben. Gerade diese ist in den letzten Jahren (oder besser gesagt Jahrzehnten) schon extrem heruntergekommen, von einem Angebot lässt sich mittlerweile ja kaum noch reden...
Dies ist auch einer der Nachteile zur Einkaufsstrasse in Dortmund, Bochum oder Essen (auch ohne Limbecker Platz) - das ist qualitativ eine andere Nummer.
Auch Gastronomisch ist Gelsenkirchen leider weit hinten, es gibt hier wenige gute und kein sehr gutes Restaurant. Dafür muss man dann schon nach Essen, Bochum Dortmund oder Duisburg fahren. Dies wäre auch ein Sektor, auf dem man etwas tun müsste, nur wird dies wohl leider mangels Rentabilität ausbleiben.
Alles in allem gibt es natürlich Licht und Schatten in Gelsenkirchen, momentan überwiegt leider der Schatten.
Dramatisch ist auch der öffentliche Nahverkehr, dieser in sowohl in Gelsenkirchen als leider auch im Ballungsraum Ruhrgebiet, wobei hier durch Essen, Bochum und Dortmund wieder einiges aufgefangen wird...
Trotz allem sehe ich noch Licht am Ende des Tunnels (nein, es ist kein entgegenkommender Zug!), sonst hätte ich nicht vor kurzem ein Haus hier gekauft.
Fazit: (Noch) nicht alles verloren, aber es bleibt viel zu tun!
08:20
Man kann nur hoffen, dass im Bebauungsplan für die 80 ha große Fläche auch mal etliche Eigenheime vorgesehen sind und Sozialromantiker (siehe Tossehof) zum Schweigen verpflichtet werden. Zur Entwicklung eines Gleichgewichts zu Hartz 4 Empfängern, Multi Culit In- Exportbetreiber und zahlreichen arbeitsscheuen Staatenl... sind nun dringend besser Verdienende anzulocken!!!
08:17
man, man, man, alle schreiben so negativ?! Fans aus der verbotenen Stadt? Kopfschüttel!! Verschwörungstheorien - Scully, übernehmen Sie.
Aber wo sind denn die ganzen Schalke Fans, wollt Ihr nicht eure Stadt in Schutz nehmen?
Oder seid Ihr (Schalker) alle aus dem Sauerland; Fans von S04 zwar, aber ansonsten mit der Stadt GE nix am Hut?!
Fragen über Fragen...
20:49
Ich will mir doch verkneifen was schlechtes zu schreiben,aber übern Zaun hängen möcht ich da nicht.
20:45
ein O beo Apotheke und ein E bei Erbettelung füg ich dem noch hinzu, bevor die Kleinen wieder die nänänäänä-Tröte blasen.
20:43
Wie immer ist der Kommentarbereich unter der Berichterstattung das Allerköstlichste.
Vorgebliche Journalisten, denen die Orthographie durch Zufall total abhanden gekommen ist, neben verbitterten Feldjournalisten für die Apthekenumschau, denen Sachlichkeit und differenzierte Betrachtungsweise bisher nur im Duden vorgekommen sind.
Wenn jemand eine Imagekampagne fährt, dann macht er das mit den Vorzügen die er bieten kann. Das es dabei vorkommen kann, dass die negativen Seiten unter den Tisch fallen, sollte aus eigener Erfahrung bei Auftragserbettlung und Bewerbungen denjenigen bekannt sein, die hier die Ausreisefahne hoch halten.
Bestimmt sind HH-Eimsbüttel und B-Neukölln um Längen besser als gesamt Gelsenkirchen, wenn man den infantilen Ergüssen Glauben schenken darf.
Der Rest sind Fans des Vereins aus der verbotenen Stadt, die immer noch beweinen, dass Schalke trotz allem 5 Plätze in der Tabelle vor ihnen rangiert.
Wirklich Konstruktives über Stadtentwicklung und Geschaffenes liest man selten.
Zum Glück, denn diese wenigen Lichtblicke leuchten wie Diamanten aus dem großen stinken braunen Haufen der anderen.
19:38
Gelsenkirchenjabitte , Sie haben ja so recht !! Aber neulich habe ich Sie mit einem Kampfhund an Ihrer Seit gesehen !
02:04
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17:55
@ 35 von Advocatus Diaboli
Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Sie schreiben:
Darin wohnen Leute, die auf den Staat warten, damit er das Laub und die Hundescheiße auf den Gehsteigen wegmacht und monatlich Knete überweist..
Denn ohne die Angestellten und Beamten des öffentlichen Dienstes sähe unsere Stadt noch schlechter aus; und somit ist es ok, wenn diese darauf warten, dass der Staat ihnen monatlich Knete überweist.